Ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj

Druck auf Moskau: Selenskyj hofft auf Frieden bis Herbst

Montag, 03. August 2026 | 19:26 Uhr

Von: importer

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft, Russland bis Herbst so unter Druck zu setzen, dass es einem Ende des Krieges zustimmt. Wann genau dies sein werde, lasse sich nicht vorhersagen, sagte er am Montag vor den versammelten Botschaftern der Ukraine in Kiew. Ukrainische Drohnenangriffe auf mittlere und lange Distanz, Sanktionen des Auslands und diplomatische Anstrengungen müssten zusammenwirken, “um Russland keine Alternative zu einem Frieden zu lassen”.

“Wir werden hart daran arbeiten, damit das bis zum Herbst passiert”, ergänzte Ukraines Präsident. Gleichzeitig richtete sich Selenskyj aber auf einen weiteren Kriegswinter ein. Den Diplomaten seines Landes erteilte er den Auftrag, die notwendige technische Unterstützung und Waffen bei den ausländischen Partnern zu organisieren. “Jeder Botschafter muss Waffen für die Ukraine auftreiben.” Als wichtiges internationales Projekt der Ukraine nannte er die gemeinsame Entwicklung des Raketenabwehrsystems Freyja mit europäischen Partnern.

Selenskyj warf dem russischen Staatschef Wladimir Putin vor, ein Kriegsende hinauszuzögern und eine weitere Mobilisierung vorzubereiten. Ein Abrücken des Kremls von seinen Kriegszielen ist auch nach fast viereinhalb Jahren Großinvasion nicht erkennbar. Hingegen gehen viele Beobachter davon aus, dass auf die Parlamentswahl in Russland Mitte September eine weitere Mobilisierungswelle folgen könnte.

40 Tage Geheimdienstaktionen gehen zu Ende

Ende Juni hatte der ukrainische Präsident eine 40-tägige Phase von Geheimdienstaktionen angekündigt, um Russland in Richtung Frieden zu bewegen. In diese Zeit fielen unter anderem die spektakulären Angriffe auf Logistikzentren des russischen Online-Händlers Wildberries. Die 40 Tage laufen an diesem Dienstag ab.

Tote und Verletzte nach ukrainischen Gegenangriffen

Bei ukrainischen Angriffen auf Russland und auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim kamen nach Behördenangaben mindestens zehn Menschen ums Leben. Sechs Personen seien in einem bei Touristen beliebten Gebiet am Schwarzen Meer getötet worden, vier weitere auf der Krim, erklärten die Gouverneure der betreffenden Regionen am Montag. Bei einem russischen Angriff auf die Zentralukraine wurden laut Behörden drei Menschen getötet.

Im russischen Urlaubsort Archipo-Osipowka am Schwarzen Meer seien die sechs Menschen durch Trümmerteile einer Drohne getötet worden, erklärte der Gouverneur der Region Krasnodar, Wenjamin Kondratjew. Unter den Toten seien drei Kinder. Mindestens 40 weitere Menschen seien bei dem Angriff auf “zivile Infrastruktur” verletzt worden.

Im Internet zirkulierten Videos, die zeigen, wie eine mutmaßliche Drohne auf einen Strand in der Gegend abstürzt, während sich dort und im Wasser Menschen aufhielten. Auf der Krim seien vier Menschen getötet worden, erklärte der von Moskau eingesetzte Verwaltungschef der Halbinsel, Sergej Aksjonow, im Onlinedienst Telegram. Genauere Angaben zum Ort des Angriffs machte er nicht. Zunächst hatte er von drei Toten und zwei Verletzten gesprochen.

Erneuter Drohnenangriff auf Wildberries-Lager

Ferner wurde bei einem erneuten ukrainischen Drohnenangriff auf den russischen Onlinehändler Wildberries laut Behördenangaben ein Mensch verletzt. Die Drohnen hätten in der Nacht zum Montag ein Lager im Gebiet Wladimir rund 180 Kilometer östlich von Moskau angegriffen, erklärte Gouverneur Alexander Awdejew. Dabei sei ein Feuer ausgebrochen, und es seien Schäden entstanden.

Wildberries bestätigte den Angriff auf sein Logistikzentrum und erklärte, die Beschäftigten seien aus dem Gebäude gebracht worden. Nähere Angaben zum Ausmaß der Schäden machte das Unternehmen zunächst nicht.

Seit Mitte Juli wurden nach Angaben russischer Behörden rund 20 Standorte von Wildberries in verschiedenen Teilen Russlands und auf der Krim angegriffen. Bei den ersten Attacken in der Nacht zum 18. Juli wurden demnach acht Menschen getötet und fast 90 verletzt. Wildberries ist eine der größten Onlinehandelsplattformen Russlands und wird wegen seines breiten Angebots und seines Liefernetzes häufig als “russisches Amazon” bezeichnet.

Drei Tote durch russischen Angriff nahe Krywyj Rih

Im Zentrum der Ukraine seien nahe Krywyj Rih drei Menschen durch einen russischen Angriff getötet worden, erklärte der Chef der Militärverwaltung von Dnipropetrowsk, Oleksandr Ganscha. Vor Ort sei ein Feuer ausgebrochen. Eine Tankstelle und mehrere Autos seien stark beschädigt worden. Krywyj Rih ist die Heimatstadt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Moskau hatte im Februar 2022 eine großangelegte Offensive gegen die Ukraine begonnen. Die Ukraine greift ihrerseits immer wieder Ziele in Russland mit Drohnen an.

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