Von: mk
Bozen – Den Krieg, den die USA im Verbund mit Israel gegen den Iran führen, nennen russische Z-Blogger bereits jetzt spöttisch den Epstein-Krieg. Dient der Krieg tatsächlich nur als Ablenkung, um eine möglicherweise weitreichendere Verbindung von US-Präsident Donald Trump zum verurteilten Sexualstraftäter zu verschleiern und die Wähler bis zu den Midterms nicht zu vergraulen? Falls tatsächlich ein solcher Plan dahintersteckt, könnte der Schuss für Trump nach hinten losgehen.
Der US-Präsident hat bereits jetzt Anhänger seiner MAGA-Bewegung gegen sich aufgebracht, indem er einen weiteren Krieg vom Zaun gebrochen hat. Sollten Treibstoffpreise weiter in die Höhe schießen und eine Verteuerung von Lebensmitteln sowie Konsumgütern befeuern, wäre das für viele US-Bürger ein Fehlschlag – auch für solche, die republikanisch wählen.
Die Situation scheint auch deshalb aus dem Ruder zu laufen, weil kein eindeutiges Kriegsziel erkennbar ist und Trump die Vorgaben immer wieder revidiert. Bombt man den Iran zurück in die Steinzeit und lässt das Regime an der Macht, wird es irgendwann wieder erstarken und sich rächen. Einen Regime-Wechsel herbeizuführen, ist jedoch genauso schwierig: 52 Prozent der Bevölkerung im Iran gehören einer Minderheit an, die Opposition ist zersplittert.
Gleichzeitig hat der Krieg weitreichende globale Folgen: Weil die Straße von Hormus gesperrt ist, hat Katar die Produktion von Flüssigerdgas (LNG) eingestellt. Dadurch sind 20 Prozent des weltweiten Ölangebots schlagartig vom Markt abgeschnitten.
Besonders kritisch ist die Lage für Taiwan, das massiv von LNG aus Katar abhängig ist: Allein der Halbleiter-Riese TSMC verbraucht für die Produktion von Computerchips fast neun Prozent der gesamten Energie des Landes. Großmächte wie China und Japan sind ebenfalls in hohem Maße auf iranisches Öl angewiesen. Indien, das sich gerade erst von russischen Energieimporten verabschiedete, kehrt nun notgedrungen zu diesen zurück – und auch Westeuropa benötigt Flüssiggas aus Katar, um die Speicher für den nächsten Winter aufzufüllen.
Aufgrund der einer möglichen Destabilisierung der Märkte könnte der Krieg nicht nur eine Schlappe für Trump bedeuten, sondern den USA auch insgesamt einen Vertrauensverlust bescheren. Die Aushöhlung der Demokratie im Land legt dessen Schwäche offen – genauso wie die militärischen Kosten und die wirtschaftlichen Folgen. Das Risiko, dass nach dem Krieg andere Kräfte auf den Plan gerufen werden und die Gunst der Stunde nutzen, besteht.




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