Es geht um Vorwürfe und Waffentransporte

Eklat um Hartung: Heimatbund und STF gehen auf Kompatscher los

Dienstag, 19. Mai 2026 | 11:05 Uhr

Von: luk

Bozen/Innsbruck – Der Streit um den freien Transport historischer Waffen in der Europaregion Tirol sorgt weiter für politische Spannungen. Nach Aussagen von Landeshauptmann Arno Kompatscher über den Freiheitskämpfer Erhard Hartung üben nun sowohl der Südtiroler Heimatbund als auch die Bewegung Süd-Tiroler Freiheit scharfe Kritik. Beide weisen den Vorwurf zurück, Hartung sei dem rechtsextremen Milieu zuzuordnen, und werfen Kompatscher vor, sich gegenüber Rom zu defensiv zu verhalten.

SHB: “Freiheitskämpfer Hartung kein Rechtsextremist”

Beim Alpenregionsfest der Schützen am vergangenen Wochenende am Bergisel hatte der Landeskommandant des Bundes der Tiroler Schützen Thomas Saurer den Wunsch vorgetragen, zu dem nächsten Treffen in zwei Jahren in Pinzolo in Welschtirol mit den historischen Waffen ausrücken zu können. Landeshauptmann Kompatscher verwies darauf, dass er den italienischen Innenminister schon fast soweit gehabt habe, ein entsprechendes Dekret zu unterschreiben. Doch dann habe es die völlig unerklärliche und unverständliche Einladung eines in rechtsextremen Kreisen sattsam bekannten als Redner zu einer Kerschbaumer-Gedenkfeier gegeben. Kompatscher sagte wörtlich: “Ich habe ordentlich Feuer löschen müssen und erklären, dass die Schützen eben nicht irgendwie rechtsextrem sind.”

“Diese Aussagen zum Gedenkredner Dr. Erhard Hartung bei der Kerschbaumer- Gedenkfeier 2024 sind falsch und fußen wahrscheinlich auf gezielte Falschinformationen von Urzí und anderen Neufaschisten”, so Roland Lang.

Und weiter: “So hielt der vormalige österreichische Finanzminister Dr. Herbert Salcher in einem an Dr. Hartung gerichteten persönlichen Schreiben vom 12.01.1995 fest, er müsse als ehemaliger Landesvorsitzender der Tiroler SPÖ und zeitweises Vorstandsmitglied des Berg-Isel-Bundes doch „deutlich zum Ausdruck bringen, daß auf das Selbstbestimmungsrecht gerichtete SüdtirolAktivitäten überhaupt nichts mit Neonazismus oder Rechtsextremismus zu tun haben.”

Verständlicherweise äußere sich die italienische Propaganda, die ein “völkerrechtliches Unrecht rechtfertigen muß”, in dieser Frage anders. “Aus seinerzeit gegebenem Anlass hatte sich auch der damalige nordrhein-westfälische Innenminister und stellvertretende Regierungschef Dr. Herbert Schnoor (SPD) dazu geäußert. Schnoor teilte dem Rektor der Universität Düsseldorf, Gert Kaiser, an deren Klinik der Anästhesist Hartung tätig war, auf Rektoratsanfrage nämlich amtlich mit, dass Hartung stets zu einer friedlichen Lösung des Südtirol-Konflikts aufgerufen habe”, so der SHB.

Aus Schnoors Schreiben sei hervorzuheben, dass sich die von Hartung geleitete „Kameradschaft der ehemaligen Südtiroler Freiheitskämpfer“ für eine „friedlich anzustrebende Landeseinheit nach dem Muster der Deutschen Wiedervereinigung“ ausspreche und daher nicht als rechtsextremistisch einzustufen sei. „Mir und den beteiligten Ämtern für Verfassungsschutz liegen keine Erkenntnisse vor, die es heute rechtfertigen würden, Herrn Dr. Hartung rechtsextremistische Bestrebungen anzulasten“, hielt Minister Dr. Schnoor in seinem Schreiben als wesentlich fest, heißt es weiter.

“Und das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster, wohin des Rektors Verlangen, Hartung aus der Heinrich-Heine-Universität zu entfernen, zur letztinstanzlichen Entscheidung vorlag, hatte in seinem Urteil 1996 festgestellt, dass Hartung ‘nicht rechtsradikal’ ist und deshalb auch ‘nicht von der Universität entfernt werden’ kann. Infolgedessen lagen und liegen keinerlei Anhaltspunkte vor, die derlei Anwürfe rechtfertigen würden. Denn Hartung wird in den dafür zuständigen österreichischen und deutschen Behörden/Dienststellen weder unter derlei Attribuierung geführt, noch scheint er darunter auf”, so Lang.

“Die immer wieder – oftmals unter Berufung auf das „Dokumentationszentrum des Österreichischen Widerstands“ (DÖW) – perpetuierte politischmediale Verunglimpfung der Person Univ.-Prof. Dr. Hartung, wäre sowohl presse-, als auch zivilrechtlich klagbar. Die fehlende Unterschrift für den freien Waffentransport ist viel wahrscheinlicher einem zaghaften Landeshauptmann zuzuschreiben, der nicht imstande ist, klare Rechte für die Europaregion Tirol einzufordern, zu der auch der ungehinderte Transport traditioneller Waffen gehören sollte”, erklärt Roland Lang, Obmann des Südtiroler Heimatbundes.

STF: “Nicht Hartung ist das Problem, sondern Kompatscher”

Auch die Süd-Tiroler Freiheit kritisiert Landeshauptmann Arno Kompatscher für dessen Aussagen über den Freiheitskämpfer Erhard Hartung. Hier werde ein Mann an den Pranger gestellt, der sich sein Leben lang für die Freiheit Südtirols einsetzt habe. “Südtirol hat – im Gegensatz zu Kompatscher – den Freiheitskämpfern viel zu verdanken.”

Schützen aus Tirol und Bayern wünschen sich, auch in Süd- und Welschtirol mit historischen Waffen ausrücken zu dürfen. Landeshauptmann Arno Kompatscher behauptete, dass der italienische Innenminister bereits kurz davor gewesen sei, ein entsprechendes Dekret zu unterzeichnen. Dieser Prozess sei jedoch durch die Einladung des Freiheitskämpfers Erhard Hartung bei der letzten Sepp-Kerschbaumer-Gedenkfeier erschwert worden. Kompatscher meinte: „Ich habe ordentlich Feuer löschen müssen und erklären, dass die Schützen eben nicht irgendwie rechtsextrem sind.“

Hartung musste seine Rede aufzeichnen, da er seit Jahrzehnten nicht nach Südtirol einreisen darf. Ihm wird von italienischer Seite vorgeworfen, beim Anschlag auf der Porzescharte im Jahr 1967 für den Tod von vier italienischen Soldaten verantwortlich zu sein. “Umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen des Militärhistorikers Dr. Hubert Speckner haben jedoch längst aufgezeigt, dass die italienische Darstellung der Ereignisse nicht haltbar ist. Demnach waren die Freiheitskämpfer nicht für den Anschlag verantwortlich. Die Täter sind mit größter Wahrscheinlichkeit im Umfeld des italienischen Geheimdienstes und der Geheimorganisation ‘Gladio’ zu suchen”, so die Süd-Tiroler Freiheit.

“Trotz der wissenschaftlichen Erkenntnisse wurde Erhard Hartung bis heute nicht rehabilitiert. Landeshauptmann Arno Kompatscher und die SVP sind auf die Untersuchungen Dr. Speckners und weiterer Sprengstoffexperten des österreichischen Bundesheeres nie eingegangen. Stattdessen übernimmt Kompatscher weiterhin die Darstellung seiner Faschistenfreunde in Rom. Erhard Hartung hat sich sein Leben lang für Südtirol und das Recht auf Selbstbestimmung eingesetzt. Für diesen Einsatz verdient er Dank und Anerkennung”, so die Bewegung.

Bezirk: Bozen

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