Trotz Erwähnungen in den Epstein-Akten keine einzige Aussage vor Gericht

Epstein-Vertrauter stirbt vor Vernehmung

Freitag, 24. Juli 2026 | 08:10 Uhr

Von: som

Paris – Der 69-jährige Model-Scout Daniel Siad, der über tausendmal in den Epstein-Akten auftauchte und gegen den in Frankreich wegen Menschenhandels und Vergewaltigung ermittelt wurde, verstarb kurz vor einer polizeilichen Befragung am 20. Juli.

Siad wurde tot in seinem Wohnhaus im Pariser Vorort Colombes aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft von Nanterre leitete Ermittlungen zur Klärung der Todesursache ein und ordnete eine Obduktion an. Französischen Medien zufolge entdeckte seine 28-jährige Mitbewohnerin den 69-Jährigen leblos in der Küche. Nach eigenen Angaben hatte sie sich zuvor in ihrem Zimmer aufgehalten und telefoniert.

Wie die Zeitung Le Parisien berichtet, könnte ein Herzinfarkt die Todesursache gewesen sein. Trotz sofort eingeleiteter Wiederbelebungsmaßnahmen konnte der berühmte Model-Scout nicht mehr gerettet werden.

Durch seinen plötzlichen Tod kurz vor der geplanten Vernehmung endet das Strafverfahren gegen Siad faktisch, ohne dass es zu einer gerichtlichen Klärung der Vorwürfe kommen konnte.

Ähnlich wie in anderen prominenten Fällen von Jeffrey Epstein (Suizid 2019) und dem Modelagenten Jean-Luc Brunel (Suizid 2022) stirbt damit erneut eine Schlüsselfigur eines laufenden Ermittlungsverfahrens, bevor sie vor Gericht aussagen und möglicherweise weitere Erkenntnisse zu den Vorwürfen und beteiligten Personen liefern konnte.

Somit bleibt für die betroffenen Frauen die Hoffnung auf eine strafrechtliche Aufarbeitung weiterhin unerfüllt. Außerdem bleiben zahlreiche Fragen zum Schicksal der seit 2015 vermissten Deutschen Michele, die Siad nach Ermittlungsunterlagen 2014 per E-Mail Jeffrey Epstein vorstellen wollte, weiterhin offen.

Die Pariser Staatsanwaltschaft betonte jedoch, dass die Ermittlungen wegen organisierter Kriminalität und Menschenhandels weiterlaufen, um das verbleibende Netzwerk aufzudecken.

Rechtsstaatliche Systeme im Kampf gegen transnationale Kriminalität

Laut den Ermittlungsunterlagen soll Siad als Bindeglied zwischen der Modebranche und dem Netzwerk Epsteins agiert haben, indem er gezielt junge Frauen rekrutierte.

Opferverbände reagierten mit großer Enttäuschung auf den Tod Siads. Sie kritisieren, dass der 69-Jährige trotz zahlreicher Erwähnungen in den US-Ermittlungsunterlagen und schwerwiegender Vorwürfe bis zuletzt weder festgenommen noch umfassend von der französischen Justiz vernommen wurde.

Der Fall verdeutliche die Schwierigkeiten rechtsstaatlicher Systeme im Umgang mit grenzüberschreitender Kriminalität sowie bestehende Kontrolllücken in Branchen wie dem Model- und Showbusiness, die nach Ansicht der Kritiker weiterhin von Kriminellen zur Ausbeutung schutzbedürftiger Menschen genutzt werden können.

Darüber hinaus zeigt der Fall ein weiteres Mal die menschenverachtende Denkweise, die das Netzwerk um Jeffrey Epstein prägte. Frauen wurden nicht als eigenständige Persönlichkeiten, sondern als austauschbare Ware betrachtet. In veröffentlichten E-Mails bezeichnete sich Siad selbst als „Fischer“, der für Epstein Frauen „fängt“.

Der finanzielle Einfluss wohlhabender Akteure ermöglichte es, Vermittler und Scouts über Jahre hinweg gegen Bezahlung einzusetzen und sich dabei vielfach über moralische und rechtliche Grenzen hinwegzusetzen.

Damit verdeutlicht sich erneut ein grundlegendes Problem der Justiz, die Gerechtigkeit kaum erreichen kann, wenn Hauptbeschuldigte weder rechtzeitig festgenommen noch vernommen werden und letztlich sterben, bevor sie sich vor Gericht verantworten müssen.

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