Kinder- und Jugendanwältin Daniela Höller zum Elternunterricht

“Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen”

Mittwoch, 15. September 2021 | 15:51 Uhr

Bozen – Seit dem letzten Jahr konnte eine Zunahme des Elternunterrichtes oder „Homeschooling“ in Südtirol verzeichnet werden. „Homeschooling ist dabei kein neues Phänomen und hängt auch nicht ausschließlich mit der der Covid-19-Pandemie zusammen. Vielmehr stellt es seit längerem eine Alternative für Kinder und Eltern in speziellen Situationen, die einen regulären Schulbesuch nicht ermöglichen, dar. Beispiele hierfür sind Notsituationen oder gesundheitliche Gründe“, weist die Kinder- und Jugendanwältin Daniela Höller hin. „Der Elternunterricht ist gesetzlich geregelt und sieht vor, dass die Eltern über die notwendigen fachlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen – im Falle, dass der Unterricht von einer anderen Person durchgeführt wird – verfügen müssen“, so die Kinder- und Jugendanwältin. Die Schulführungskräfte seien dabei verpflichtet, die Erfüllung der Schul- und Bildungspflicht zu kontrollieren, während die Kinder und Jugendlichen am Ende des Schuljahres in einer Eignungsprüfung zeigen müssen, dass sie das notwendige Wissen und die Kompetenzen im Elternunterricht erlangt haben.

„Der Elternunterricht ist also zu den notwendigen Voraussetzungen möglich, sprich, wenn die Eltern imstande sind bzw. die speziellen fachlichen Kompetenzen haben, um das Recht auf Bildung ihrer Kinder zu gewährleisten,“ verdeutlicht die Kinder- und Jugendanwältin Höller. „Der Besuch der Schule ist wesentlich, nicht nur, damit sich Schülerinnen und Schüler Kenntnisse aneignen, wie es der Gesetzgeber vorsieht. Vielmehr ist die Schule auch der Ort, wo sich junge Menschen entfalten und wachsen können, die eigene Identität stärken, sowie Beziehungsfähigkeit lernen können. Die Schule ist auch ein ‘sicherer Ort’ für Kinder, die in schwierigen Familienverhältnissen leben. Lehrpersonen, die eine spezielle Ausbildung haben, und die Gemeinschaft können helfen angespannten Situationen vorzubeugen. Ein bekanntes afrikanisches Sprichwort lautet: ‘Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen’. Dies zeigt, wie wichtig es für jeden ist, sich Teil eines Ganzen zu fühlen. Die Familie ist der erste Ort der Sozialisierung, aber nicht der einzige. Schule und Gleichaltrige sind grundlegend für die Entwicklung, sowohl in emotionaler wie sozialer Hinsicht. Jede Möglichkeit, wo sich Kinder treffen und austauschen können, ist eine Bereicherung, fördert die Fähigkeiten der Kinder, lässt sie Teil einer Gemeinschaft werden, in der sie Regeln und Werte erleben dürfen. Je größer die Gemeinschaft, desto fruchtbarer der Austausch“, argumentiert die Kinder- und Jugendanwältin.

„Ich befürchte, dass Kinder in einer Situation, in der nur die Eltern oder eine sehr kleine Gruppe von Personen zugegen ist, das gewohnte Umfeld der Schulklasse abhandenkommt und ihnen gewissermaßen die Erziehung zur Vielfalt fehlt. Dies ist eine Fähigkeit, die immer wichtiger wird, um sich in der Welt zurecht zu finden. Dem Kind fehlt die Möglichkeit, sich mit Gleichaltrigen sowie mit Lehrpersonen und verschiedenen Erziehungsmethoden und Ansichten auseinander zu setzen“, bemerkt Daniela Höller. „Gerade der Austausch mit anderen ist der erste Schritt, um Empathie, sowie ein kooperatives Verhalten, die Bereitschaft zusammenzuarbeiten und das Gemeinschaftsgefühl zu erlernen, was letzten Endes bedeutet, gemeinsam Probleme lösen zu können“.

Schule, Austausch mit Gleichgesinnten, Erfolge und Niederlagen in einer Gruppe zu erleben, dies helfe jungen Menschen dabei, Enttäuschungen zu verkraften, die eigenen Fähigkeiten zur Geltung zu bringen sowie ihr Selbstwertgefühl aufzubauen. „Es ist bekanntlich gerade der scheinbar hemmende Luftwiderstand, der das Fliegen erst ermöglicht“, so die Kinder- und Jugendanwältin Daniela Höller abschließend.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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32 Kommentare auf "“Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen”"


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nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
13 Tage 9 h

Den Eltern muss endlich wirkliche Wahlfreiheit bezüglich Arbeit oder Familie gegeben werden!
Immer nur von Vereinbarkeit voin Familie und Beruf zu reden funktioniert nicht.

Storch24
Storch24
Kinig
13 Tage 8 h

Früher ist die Frau, Mutter auch zu Hause geblieben, obwohl man das Geld genauso nötig gehabt hat. Also diese Wahlfreiheit hat man auch heute noch

einervonvielen
einervonvielen
Universalgelehrter
13 Tage 7 h

@Storch…das war auch unsere Wahl, wobei wir finanziell nicht auf den Job meiner Frau angewiesen sind….ist vermutlich nicht bei allen so

alpenfranz
alpenfranz
Superredner
13 Tage 5 h

@Storch24 also wenn, vor 20 Jahren, wir von meinem Lohn hätten leben müssen, dann wären wir verhungert. Mein Lohn reichte gerade für die Miete, kondominiumsspesen, Strom, Wasser, Müll und Telefon, Windeln usw. ah…und das war ein ganz normaler Job

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
12 Tage 21 h

@Storch24 ja sicher, schöne Wahlfreiheit. Frau bleibt zu Hause, ohne Lohn und Pensionsvorsorge. Das geht vielleicht bei einem Mann der 10.000 Euro monatlich verdient. Warum sollte Frau so etwas wollen, abhängig von einem Mann, keine bis wenig geistige Herausforderung, keine Chance mehr im Beruf einzusteigen, ausser bei Lidl an der Kassa und später wird man vom Mann durch eine jüngere ersetzt und bis zum letzten Euro Unterhalt beinhart gestritten. Nö, liebe Frauen, schaut auf eigenen Beinen zu stehen.💪

Tantemitzi
Tantemitzi
Universalgelehrter
12 Tage 18 h

einervonvielen – bei uns ist es genauso. Mami daheim, Papi im Büro! Gefördert wird halt nur, wer seine Kinder anderswo betreuen lässt.

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
12 Tage 14 h

@Storch24
Du bist im letzten Jahrtausend stecken geblieben!
Die Frau ist also auf die Gnade des Herrn angewiesen?
Eigentlich sollten wir das 2021 nicht mehr diskutieren müssen!!!

Chicco
Chicco
Tratscher
13 Tage 8 h

Hoffe das Lesen auch unsere Politiker , den sie tragen in der jetzigen Situation dazu bei, das viele Schüler Zuhause unterrichtet werden müssen !!

nikname
nikname
Superredner
13 Tage 6 h

wollen!!!

Olm weiter
Olm weiter
Grünschnabel
13 Tage 5 h

Wegn???

einesie
einesie
Tratscher
13 Tage 4 h

also mein Kind geht normal Schuile. also laft ba dir epas follsch 😄

Sigo70
Sigo70
Tratscher
13 Tage 7 h

Es ist derzeit leider so, dass die Kinder in der Schule keine optimalen Voraussetzungen für ihre Entwicklung vorfinden. Immer Maske im Gesicht, keine Mimik, Vorschriften ohne Ende und die ständige vermittelte Unsicherheit und Angst. Schade, dass eine Kinder und Jugendanwältin da kein kritisches Wort dazu äußert.

einesie
einesie
Tratscher
13 Tage 4 h

woasch di kindo nem des oanfoch on wies isch! i hon a a kind wos mit maske schuile get und solle do epas sougn? er hot sich net oamo beklogg. oft san di erwochsenen viel viel komplizierta als a kind. gilt übrigens a fürs impfn!

Sigo70
Sigo70
Tratscher
13 Tage 1 h

@einesie ein Kind würde auch täglich eine Kinderarbeit verrichten und würde das hinnehmen.
Ist es nicht die Verantwortung der Eltern, die Kinder zu schützen? Es dürfen nur Maßnahmen geduldet werden, welche erwiesener Maßen temporär nützlich und notwendig sind. Und Maßnahmen sollten im Sinne der Kinder ständig hinterfragt werden.
Sie nehmen es jetzt hin wie es ist, aber welchen Einfluss nimmt dieses Hinnehmen auf die weitere Entwicklung der Kinder?
Da gibt es kein Schönreden um sein Gewissen zu beruhigen!

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
12 Tage 21 h

und in der Waldschule und im Homescooling sind die Vorraussetzungen besser?

Heyhey
Heyhey
Neuling
11 Tage 14 h
Tja, deswegen gibt es für Kinder a Erziehungsverantwortliche! Weil a Kind über die Tragweite von vielem eben no ned entscheiden kann. Ich finds lustig das a Kind des die Maske trägt ohne zu jammern als lobenswert gilt, würd er aber etwas machen das der Mami ned passt, dann würd man ja a was sagen. Also ergo darf dein Kind a jir des was du für richtig hältst, dich störts ned das er Maske trägt also darf es ihm egal sein. Würd es Kind 8 Stunden am Tag Computer spielen wär des ja a seine Entscheidung, de dir aber ned passt… Weiterlesen »
WeHaveAProblem
WeHaveAProblem
Tratscher
13 Tage 6 h

Erziehung findet zu Hause statt, nicht in der Schule. Schulen sollten den Kindern Dinge für’s Leben lernen. Leider werden unsere Kinder immer mehr zu stumpfen Marionetten “gebildet”. Dieses Schulsystem ist alles andere als zeitgemäß und entspricht keinesfalls mehr den Anforderungen von Kindern.

Moidile
Moidile
Grünschnabel
13 Tage 4 h

@WeHaveAProblem

da geb ich dir vollkommen recht.
Dieses Schulsystem ist vom 1. Weltkrieg.

Morgaine
Morgaine
Tratscher
13 Tage 3 h

@Moidile
Es gibt beteits Alternativen und neues wird dazukommen. Ob Elternunterricht dann innovativer gestaltet wird, wird sich herausstellen.

WeHaveAProblem
WeHaveAProblem
Tratscher
12 Tage 17 h

@Morgaine Es gibt Kinder, die leiden förmlich in der Schule – und damit sind nicht die Masken oder Tests gemeint. Wenn das Kind leidet, leidet die ganze Familie darunter. Wenn sich Eltern entscheiden, ihr Kind aus diesem System zu nehmen, passiert dies sicher nicht ohne Grund. Bedauernswerterweise kann es sich nicht jeder leisten und viele Kinder müssen somit weiter leiden, bis die Schulkarriere endlich ein Ende findet. Das Schulsystem gehört endlich von Grund auf reformiert und genau dafür sollte sich Frau Höller einsetzen!

el_tirolos
el_tirolos
Tratscher
13 Tage 8 h

Wenn indo grund und Mittelschule niamand mehr a klasse widoholn terf… Mansch sem fliag bade Prüfungen jemand? Daidai, a “Ehrenrunde” tuit oft in an kind guat sischt hengs holt di johr donoch oleweil mear

corona
corona
Universalgelehrter
13 Tage 6 h

hast du die südtiroler statistik dazu?
kenne genug Fälle, die bis vor 2 jahren eine ehrenrunde gemacht haben. in der pandemie hast du recht, da ist niemand geflogen.

el_tirolos
el_tirolos
Tratscher
13 Tage 3 h

@corona kenne einige Grundschullehrer die mir das gesagt haben

corona
corona
Universalgelehrter
12 Tage 16 h

@el_tirolos
Ja, der einfache Weg für die Grundschullehrerinnen ist natürlich der, niemanden fliegen zu lassen. Dann schiebt man ganz locker die Probleme in die Mittelschule weiter. Die Direktoren würden aber schon eine begründete und gut vorbereitete Klassenwiederholung unterstützen, das weiß ich. Klar ist aber auch, dass es in der Grundschule Einstimmigkeit braucht, in der Mittelschule hingegen nur die einfache Mehrheit. Somit kann z.B. auch die Religionslehrerin mit 2 Stunden pro Woche verhindern, dass ein Kind wiederholt, auch wenn sich sonst alle einig wären.

traktor
traktor
Universalgelehrter
13 Tage 4 h

das haben die verantwortlichen durch die covid regeln eingebrockt….
jetzt den eltern den schwarzen peter zutuschieben ist unterste schublande!!!

WeHaveAProblem
WeHaveAProblem
Tratscher
12 Tage 17 h

Ich denke eher, dass die Covid-Maßnahmen das Fass nun endgültig zum Überlaufen gebracht haben, es war aber vorher schon übervoll. Ich bin überzeugt, dass wenn du dein Kind aus diesem System nimmst, es nicht das Jahr darauf wieder dorthin schickst. So würde ich es zumindest tun.

corona
corona
Universalgelehrter
13 Tage 8 h

zu witzig, sie nun schon wieder…
regelmäßig beglückt sie die öffentluchkeit mit ein paar banalitäten, und regelmäßig mit wochen verspätung..
braucht anscheinend für so eine pressemitteilung mit ein paar allerweltsaussagen ganze arbeitswochen. 🤣🤣🤣🤦‍♂️🤦‍♂️🤦‍♂️

inni
inni
Universalgelehrter
13 Tage 8 h

“Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen”

… mein Kind hot sogor a gonze Stodt zur Verfügung ghob 😜

Tata
Tata
Tratscher
12 Tage 18 h
voriges Jahr hat es noch geheißen: die Schulen müssen öffnen, wir Eltern können nicht auch noch Lehrer der Kinder sein, wir haben keine Lehrerausbildung, wir kriegen fürs Lehren nicht bezahlt, die Kinder brauchen Präsenzunterricht und soziale Kontakte, die Kinder müssen unter ihresgleichen sein, zu Hause lernen die Kinder nicht so viel wie in der Schule, wir müssen ja arbeiten gehen………also ich frage mich: habe so viele Eltern auf einmal eine Ausbildung gemacht, dass sie heuer auf einmal imstande sind, ihre Kinder zu unterrichten? plötzlich nicht mehr arbeiten müssen? die Kinder seit heuer keinen Präsenzunterricht mehr brauchen? keinen Kon takt zu… Weiterlesen »
Server
Server
Superredner
12 Tage 14 h

Ich zitiere: ” Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen”. Liebe Daniela Höller, wo leben Sie denn. Das muss ein Teufel sein, wenn ein ganzes Dorf dahinter stehen muss. Ich habe mein Kind abseits von Schule erzogen, ok. mehrfach studiert, gut geraten, selbst in jungen Jahren 3 Titel und gesellschaftlich aktiv. Was sagen Sie nun ?

Tata
Tata
Tratscher
12 Tage 12 h

😅😅😅mechsch itz an Orden odo wos?

Heyhey
Heyhey
Neuling
11 Tage 14 h
Also wenn man z.B. einen Blick nach Deutschland wirft, dort wo es ja keine Möglichkeit gibt die Kinder zuhause zu unterrichten…sehe ich aber nicht das die Kinder dort zu weltoffeneren oder empathischeren Erwachsenen heranwachsen würden! Das immernoch der Glaube vorherrscht das man nur lange genug mit allem konfrontiert werden müsse um es auszuhalten ist echt grotesk. Wer sich mal etwas mit der Psyche beschäftigt dann stellt man doch fest das es eher ins Gegenteil fällt. Kinder die sich schwer tun mit gewissen Situationen manifestieren nur noch stärker diese Ängste durch ständige Konfrontation. Wird ein Kind ständig gemobbt, entwickelt es doch… Weiterlesen »
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