"Familie hat noch nicht den Stellenwert, den sie verdient"

Familienpolitik: Lust auf Familie durch gute Rahmenbedingungen fördern

Freitag, 02. Februar 2018 | 18:19 Uhr

Bozen – Die Herausforderungen an die Familienpolitik von heute und morgen standen im Fokus der heutigen Tagung zum Thema “Familie.Politik.Zukunft”.

Familien und ihre Bedürfnisse sind, ebenso wie die Gesellschaft als ganze, im Wandel: Sinkende Geburtenraten, veränderte Familienstrukturen und Mehrfachbelastungen durch Familie und Beruf stellen einige der wesentlichen Herausforderungen dar, mit denen sich die Familienpolitik beschäftigen muss. Wie Familienpolitik auf die sich verändernden Anforderungen und Bedürfnisse reagieren sollte, war das Thema der Tagung der Familienagentur im Haus der Familie am Ritten.

Die Familie habe noch nicht den Stellenwert, den sie verdient, stellte eingangs Familienlandesrätin Waltraud Deeg fest. Gerade in Zeiten sinkender Geburtenraten und der Zunahme der Einpersonenhaushalt brauche es mutige, vor allem antizyklische Familienpolitik, um die Rahmenbedingungen zu schaffen. Südtirol liegt mit einer durchschnittlichen Kinderzahl von 1,7 pro Frau, vor allem im Vergleich mit dem restlichen Italien (1,34 Kind/Frau) gut da. Es seien jedoch viele, gut abgestimmte Maßnahmen auf allen Ebenen nötig, um Familien konkret begleiten zu können. “Familienpolitik muss vorausschauend sein, um mit Maßnahmen rechtzeitig Antworten geben zu können. Es geht darum, durch gute Rahmenbedingungen Lust auf Familie, auf Kinder zu machen”, sagte Deeg.

Alfredo Ferrante, leitender Mitarbeiter im römischen Familienministerium, bestätigte Deeg darin, dass es ein mehr an Familienpolitik geben müsse. Familie wirke sich auf zahlreiche Bereiche aus, weshalb die Familie nicht ausschließlich dem Sozialbereich zugeordnet werden dürfe. Vielmehr gehe es darum, vielerlei Maßnahmen zu setzen, um das Vertrauen der Menschen in eine gute Zukunft zu stärken. Dafür brauche es das Zusammenspiel vieler Partner – so seien hier neben dem Bereich des Sozialen vor allem jene der Wirtschaft und der Arbeit gefragt.

Auch Sophie Karmasin, bis Dezember 2017 Bundesministerin für Familie und Jugend in Österreich, betonte, dass die Aussicht auf eine positive Zukunft für die eigenen Kinder ein wichtiger Antrieb für familienpolitische Maßnahmen sein müsste. Karmasin zeigte anhand von fünf Leitgedanken die Grundzüge der österreichischen Familienpolitik auf. Neben der Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben, dem Umgang mit neuen Technologien und der Familienfreundlichkeit als Wettbewerbsfaktor gehe es vor allem um das Prinzip der Partnerschaftlichkeit und um jenes der Wahlfreiheit. “Es ist die Aufgabe der Politik Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen Wahlfreiheit ermöglicht wird”, fasste Karmasin zusammen.

Kinder zu haben sei für viele Jahrzehnte und Jahrhunderte keine richtige Wahl gewesen, heute hingegen schon, betonte der Dozent an der katholischen Universität in Mailand, Alessandro Rosina. Die aktuell niedrige Geburtenrate habe dabei aber sowohl individuelle, als auch allgemeingesellschaftlich Gründe – und auch Auswirkungen. Die Realisierung der Wahlfreiheit könne dabei eine der Antworten sein und müsse in jedem Fall die wichtigste Aufgabe der Familienpolitik sein. Dennoch müsse man sich dessen bewusst sein, dass es nicht eine einzige Maßnahme gebe, welche alle Probleme löse, sondern eine Vielzahl. Von der Politik forderte der Demograph, dass es eine klare Entscheidung für ein mehr an Familienpolitik. Die Jugendstudie “Rapporto Giovani” habe gezeigt, dass die Jugend sich eine Familie wünsche. Es gehe nun dahingehend zu agieren, dass diese Wünsche nicht unrealistisch bleiben, sondern zu Lebensprojekten werden.

Die Wiener Soziologin Sonja Dörfler legte ihren Fokus auf unterschiedliche Modelle von Familienpolitik und ihre Auswirkungen auf die Familien. Sie stellte in diesem Zusammenhang Maßnahmen aus dem Bereich der Elternzeit und der Kleinkindbetreuung vor. Dörfler betonte, dass es immer ein Wechselspiel zwischen der gesellschaftlichen Kultur und den politischen Institutionen und Maßnahmen gebe. Institutionen würden sich durch kulturelle Veränderungen wandeln, doch auch die Einstellungen könnten sich ändern, wenn man institutionell aktiv werde. Gerade darum kämen familienpolitischen Maßnahmen ein wichtiger Stellenwert zu.

Die geschäftsführende Direktorin der Familienagentur Carmen Plaseller bezeichnete die Tagung im Haus der Familie als einen Meilenstein im Jahr des fünfjährigen Jubiläums des Südtiroler Familiengesetzes, welches die Grundlage für die Familienagentur gelegt habe.

Von: mho

Kommentare

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5 Kommentare auf "Familienpolitik: Lust auf Familie durch gute Rahmenbedingungen fördern"


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herbstscheich
herbstscheich
Superredner
18 Tage 2 h

wieder nur Müll geredet- HANDELN !!!

Papesse
Papesse
Neuling
18 Tage 22 Min

wer hot heute no Lust auf Familie und Kinder? boade Elternteile miasen Vollzeit arbeiten, Hausfrau bleiben kenne lei  die Sozialhilfeempfänger , beomte und die Frauen der Besserverdiener. Kinder zu hoben isch a zusätzlicher Aufwond besunders finanziell greasere  Wohnung, Kinderwogen, kinderzimmer ect dest steigert sich donn wenn man in die kinder a guate schulausbildung sprochkurse ect, führerschein auto finanziert

Spitzpassauf
Spitzpassauf
Grünschnabel
18 Tage 1 h

Ja das wäre sehr wünschenswert wenn man die Familien wieder mehr fördern würde. https://www.journalistenwatch.com/2018/02/01/wie-man-den-deutschen-das-kinderkriegen-wieder-schmackhaft-machen-koennte/

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
17 Tage 8 h

Der Stellenwert der Familie wird doch seit Jahren untergraben und ausgehöhlt. Was ist denn Familie? Da fängt es nämlich schon an.

Paul
Paul
Tratscher
17 Tage 1 h

jahrzehnte lange falsche Sozialpolitik trgen Frúchte

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