"Ich konnte entkommen, was tausenden anderen nicht gelang"

Frühere IS-Sexsklavin zur UNO-Sonderbotschafterin ernannt

Samstag, 17. September 2016 | 18:46 Uhr

New York – Eine junge Jesidin aus dem Irak, die von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) als Sexsklavin missbraucht wurde, ist zur UN-Sonderbotschafterin für die Würde der Opfer von Menschenhandel ernannt worden. Die 23-jährige Nadia Murad Basee Taha war im August 2014 aus ihrem Heimatdorf Kocho nahe der nordirakischen Stadt Sindschar in die IS-Hochburg Mossul verschleppt worden. Während ihrer Gefangenschaft wurde sie Opfer von Gruppenvergewaltigungen und auch öfters an andere “Besitzer” weiterverkauft.

Murad forderte eindringlich die Freilassung von geschätzt 3.200 jesidischen Frauen und Mädchen, die weiter als Sex-Sklavinnen vom IS festgehalten werden. Die Täter müssten vor Gericht gestellt werden. “Ich hatte Glück, denn ich konnte entkommen, was tausenden anderen nicht gelang”, sagte Murad bei der Zeremonie am UNO-Sitz New York, wo sie am Freitag offiziell in das Amt der Sonderbotschafterin eingeführt wurde. Ihre größte Befürchtung sei es, dass die IS-Kämpfer, welche so unmenschliche Verbrechen begehen, sobald die Miliz irgendwann einmal besiegt sei, “einfach ihre Bärte abrasieren und durch die Straßen der Städte gehen, als sei nichts gewesen”, sagte Murad. “Wir dürfen das nicht geschehen lassen.”

Anwältin: IS begeht gegen Jesiden Völkermord

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich gerührt vom Schicksal der jungen Irakerin, aber auch von “ihrer Kraft, ihrem Mut und ihrer Würde”. Als Sonderbotschafterin der UNO wird Murad nun auf das Leid der Opfer von Menschenhandel aufmerksam machen, vor allem auf das Schicksal von Flüchtlingen, Frauen und Mädchen. Unterstützt wird sie dabei von der Anwältin Amal Clooney. Diese bezeichnete das Vorgehen des IS gegen die Jesiden als Völkermord”. Sie schäme sich als Mensch, dass die Hilferufe der Opfer nicht Gehör fänden.

Anlässlich der kommende Woche beginnenden Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York, zu der Staats- und Regierungschefs aus aller Welt anreisen, wollen der Irak und Großbritannien am Montag eine Kampagne für die Bestrafung von Verbrechen des IS starten. An der Veranstaltung sollen neben dem britischen Außenminister Boris Johnson auch Murad und Clooney teilnehmen.

Von: mh

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