Erneuter Protest der Kindergärtnerinnen

Kindergartenpersonal: Aussprache im Landtag – VIDEO

Mittwoch, 10. Mai 2017 | 19:18 Uhr
Update

Bozen –  Die Gewerkschaftsvertreterinnen des Kindergartenpersonals haben sich zu einer Aussprache mit den Bildungslandesräten getroffen und ihre Anliegen besprochen.

Am Rande der heutigen Kundgebung des Kindergartenpersonals fand eine Aussprache zwischen den Gewerkschaftsvertretungen und den Bildungslandesräten Philipp Achammer, Christian Tommasini und Florian Mussner statt.

lpa

Landesrat Achammer wies darauf hin, dass neue Modelle ins Auge gefasst werden müssten, um eine Entlastung des Kindergartenpersonals herbeizuführen. Regelmäßige Treffen und Aussprachen seien im Gange und es konnten auch bereits einige Ergebnisse erzielt werden. Auch Landesrat Tommasini sicherte seinen maximalen Einsatz zu, warnte aber davor, Versprechungen abzugeben, die dann nicht erfüllt werden können. Und Landesrat Mussner wies ebenfalls darauf hin, dass die Probleme zusammen angegangen werden müssen, um gemeinsam Lösungen zu finden.

Landesrat Achammer erinnerte daran, dass bereits Mitte Juni ein Treffen geplant ist, bei dem über mögliche Modelle zur Reduzierung der Arbeitszeiten diskutiert werden soll.

Die Vertreterinnen der Gewerkschaften räumten ein, dass zwar einiges erreicht wurde – so wurde z.B. ein Übergangsvertrag abgeschlossen –, stellten aber auch fest, dass die Verhandlungen zum Bereichsvertrag noch nicht begonnen hätten. Die Vertragsverhandlungen und die Ausarbeitung eines neuen Modells sollten gleichzeitig angegangen werden, forderten die Gewerkschaftsvertreterinnen. Bei dem Treffen kamen auch die unterschiedlichen Situationen an den deutschen und italienischen Kindergärten zur Sprache. Zudem forderten die Vertreterinnen der Gewerkschaften, dass die öffentliche Delegation für die Vertragsverhandlungen so bald wie möglich ernannt werden solle. Ein weiteres Anliegen war der Mangel an fixen Arbeitsplätzen: Das Kindergartenpersonal verlange nach mehr Sicherheit, stellten die Gewerkschaftsvertreterinnen fest.

Die Landesräte versicherten ihre Gesprächsbereitschaft und forderten die Vertretungen der Gewerkschaften dazu auf, weiterhin den Dialog zu suchen, um gemeinsam an der Verbesserung der Situation zu arbeiten.

BISHER

Die Kindergärtnerinnen in Südtirol gehen wieder auf die Straße. Am heutigen Mittwoch findet auf dem Magnago-Platz vor dem Landhaus in Bozen ein Flashmob statt.

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Von 16.00 bis 17.00 Uhr wurde eine Gewerkschaftsversammlung abgehalten. Dabei wird unter anderem auch der Ablauf der Kundgebungen besprochen.

Mit dem Flashmob wollen die Kindergärtnerinnen auf die Situation in den Kindergärten aufmerksam machen.

Bereits vor einem Jahr haben sie kritisiert, dass es zu wenig Betreuungspersonal gibt.

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Konkret fordern die Kindergärtnerinnen, dass es zu keinem Stellenabbau kommen darf. Außerdem dürfe es keine Arbeitszeitverschiebungen für die Abdeckung der verlängerten Öffnungszeiten geben und es müsse die ständige Anwesenheit von zwei Fachkräften pro Gruppe garantiert sein, um den Bedürfnissen der Kinder nachzukommen und ihre Sicherheit zu gewährleisten.

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Außerdem pochen die Kindergärtnerinnen auf kleinere Kindergartengruppen sowie auf den Abschluss eines eigenen Bereichsvertrages.

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Auch heuer waren wieder zahlreiche Teilnehmerinnen vor dem Landtag. Bereits im vergangenen Jahr haben die Kindergärtnerinnen einen Flashmob organisiert. Dementsprechend klang auch der Text des Liedes, das die Kindergärtnerinnen auf dem Magnago-Platz sangen:

“Vor einem Jahr, da warn wir schon mal da,
warn wir schon mal da.
Seitdem hat sich nicht wirklich was getan, nicht wirklich was getan, nicht wirklich was getan.
Seid bereit und nehmt euch Zeit, es soll weiter gehn und was geschehn.
Für die Kinder kämpfen wir, darum stehen wir heute hier.”

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Eine Delegation der Kindergärtnerinnen soll sich auch mit den politischen Vertretern im Landtag treffen.

Einige Landtagsabgeordnete, wie etwa Andreas Pöder von der BürgerUnion haben sich auch auf den Platz begeben. Die Kindergärtnerinnen sollten außerdem einen Schirm mitbringen, der bei der Kundgebung aufgespannt wurde. Damit wollten sie zum Ausdruck bringen, dass sie sich von der Politik im Regen stehen gelassen fühlen.

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Weil kaum weitere Abgeordnete sich blicken ließen, kam es zu einem weiteren Protest: Die Kindergärtnerinnen “stürmten” die Stiegen des Landtags.

Der Landtagsabgeordnete von Alto Adige nel Cuore, Alessandro Urzì, sucht hingegen die Nähe zum Volk und schoss gleich ein paar Selfies mit den Kindergärtnerinnen.

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Insgesamt war die Stimmung bei der Kundgebung aufgeheizt – auch, als sich einige Landesräte und Landtagsabgeordnete den Kindergärtnerinnen zeigten.

Die Landesräte Waltraud Deeg, Philipp Achammer und Christian Tommasini versicherten am Dienstag unterdessen, dass dabei sei, die Rahmenbedingungen für das Kindergartenpersonal zu verbessern. Die Vertragsverhandlungen würden fortgesetzt. Dabei gehe es um eine Reduzierung der Arbeitsbelastung gehen und auch über neue Modelle des Kindergartens.

“Wir nehmen die Anliegen ernst und sind dabei, die Rahmenbedingungen zu verbessern”, versichern die Landesräte. Dabei verweisen sie auf das Einvernehmensprotokoll mit den Gewerkschaften, das am 30. Juni 2016 von allen drei Bildungslandesräten und von Personallandesrätin Deeg unterzeichnet wurde. Es enthält konkrete Ansatzpunkte für eine Verbesserung der Arbeitszeiten und der Stellensituation im Kindergarten und bietet die Grundlage für die weiteren Verhandlungen mit den Gewerkschaften für einen umfassenden Bereichsvertrag. Ein Übergangsvertrag sieht bereits erste Maßnahmen zur Entlastung des Kindergartenpersonals vor.

In Anlehnung an das Einvernehmensprotokoll hat die Landesregierung am 25. Oktober 2016 einen Gesetzesartikel im Stabilitätsgesetz gutgeheißen, der die Schaffung von 50 neuen Stellen im Kindergarten für das deutsche Bildungsressort vorsieht. Die Finanzierung von 40 Arbeitsplätzen im deutschen Kindergarten ist bereits ab dem Schuljahr 2017/2018 vorgesehen. Um den Personalnotstand im Kindergarten zu entschärfen, hat die Landesregierung am 11. April 2017 auch ergänzende Kriterien für die Eintragung in die Rangordnungen erlassen. Die Neuregelung sieht vor, dass Bewerberinnen mit Abschluss des fünfjährigen Masterstudienganges in Bildungswissenschaften für den Primarbereich, welcher als Befähigung für den Unterricht im Kindergarten gilt, direkt nach dem Personal mit Eignung im jeweiligen Abschnitt der Rangordnungen für Kindergärtnerinnen eingereiht werden. Dies führt zu einer größeren Planungssicherheit für Abgänger des Materstudienganges, die sich für den Kindergarten entscheiden. “All diese Maßnahmen zeigen unseren Willen und unsere Bereitschaft zur Verbesserung der Situation im Kindergarten”, so die Landesräte Deeg und Achammer. Sie versichern, dass in den weiteren Verhandlungen mit den Gewerkschaften die im Einvernehmensprotokoll festgeschriebenen Punkte umgesetzt werden.

“Im Bildungsbereich legen wir weiterhin Wert auf die Mehrsprachigkeit”, betont Tommasini, Landesrat für italienische Schule, Bildung und Kultur, und bekundet seine Bereitschaft, eine Delegation der Kindergärtnerinnen im Landtag zu empfangen. Tommasini legt einige Daten vor: Im italienischen Kindergarten entfällt eine Kindergärtnerinnen auf 7,3 Kindern. Im deutschen Kindergarten ist das Verhältnis 1:9,3. Im gesamten italienischen Schulsystem bleibt das Kontingent von 2350 Stellen aufrecht. Rund ein Dutzend Stellen werden in die Oberschule verschoben, da hier die Einschreibungen gestiegen sind.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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