Von: apa
Am Jahrestag des Amoklaufs am BORG Dreierschützengasse in Graz haben Politik und Angehörige sowie auch die Schülerinnen und Schüler wie auch das Lehrpersonal der Opfer gedacht. Bereits Dienstagabend kamen die Stadtregierung, Landesvertreter und Angehörige im Rathaus zusammen. Am Mittwoch folgte ein interreligiöser Gedenkakt im Grazer Dom. An der Schule fand ebenfalls ein – nicht medienöffentliches – Erinnern statt. Die Bundesregierung hielt in einer Gedenkminute inne.
Mit der Gedenkveranstaltung im Rathaus wurde am Dienstag der Opfer, ihrer Familien und aller Betroffenen gedacht, hieß es am Mittwoch seitens der Stadt Graz. Es ging um ein würdevolles Zeichen des Erinnerns und des Zusammenhalts, abseits von Kameras. Die Stadt hatte in Abstimmung mit den Angehörigen bewusst auf eine öffentliche Gedenkveranstaltung verzichtet. Stattdessen fand die Gedenkfeier für die Familien unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, bei der auch den Einsatzorganisationen und allen Freiwilligen gedankt wurde, die Hilfe geleistet haben.
Worte des Erinnerns sprachen die Direktorin des BORG Dreierschützengasse, Liane Strohmaier, der Obmann des Elternvereins, Mirza Candic, sowie Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ). Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) wie auch seine Stellvertreterin Manuela Khom (ÖVP) nahmen daran teil. Außerdem wurde ein Blumengesteck der Stadt Graz sowie Blumen und Kerzen von den Anwesenden niedergelegt. “Der Jahrestag bot Gelegenheit, innezuhalten und an die Menschen zu erinnern, die durch die Tat ihr Leben verloren haben. Graz hält zusammen. In stillem Gedenken und in Verbundenheit mit allen, die von den Ereignissen betroffen sind”, hieß es seitens der Stadt.
Gemeinsames Erinnern im Grazer Dom und an Schule
Am Mittwoch, somit direkt am Jahrestag, versammelten sich die Mitglieder der Steiermärkischen Landesregierung unter der Führung von Landeshauptmann Kunasek und Landeshauptmannstellvertreterin Khom, das Landtagspräsidium sowie die Klubobleute aller im Landtag vertretenen Parteien zum interreligiösen Gedenkakt im Grazer Dom. “Dieser stand ganz im Zeichen der Stille und des Mitgefühls für die Betroffenen”, hieß es danach in einer Aussendung. Durch den Gedenkakt führten Dompfarrer Ewald Pristavec, Superintendent Wolfgang Rehner und Imam Sakib Zekan.
In der Schule wurde am Mittwoch ebenfalls den Opfern gedacht – Schülerinnen und Schüler sowie das Lehrpersonal erinnerten sich gemeinsam an den 10. Juni 2025. Sämtliche Veranstaltungen blieben unter Ausschluss der Medien.
Gedenkminute im Ministerrat
Im Ministerrat wurde am Mittwoch mit einer Gedenkminute an den Amoklauf erinnert. Am 10. Juni des Vorjahres war ein ehemaliger Schüler mit zwei Schusswaffen in das Schulgebäude eingedrungen und hatte dort wahllos auf Menschen gefeuert. Neun Schülerinnen und Schüler sowie eine Lehrkraft wurden getötet, weitere elf Personen schwer verletzt.
Die Ereignisse hätten das Land tief erschüttert und deutlich gemacht, wie wichtig Prävention, gesellschaftlicher Zusammenhalt und der Schutz junger Menschen sind, hieß es. Das verursachte menschliche Leid könne der Staat nicht wieder gutmachen, es gelte jedoch umso mehr, Betroffene zu unterstützen und zu begleiten.
Politik will bei weiteren Maßnahmen nachschärfen
“Auch heute gibt es keine Worte, um den Schmerz, die Fassungslosigkeit und die Trauer auszudrücken, die durch diesen Gewaltexzess eines Einzelnen angerichtet wurde”, wurde Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) in einer Aussendung zitiert. “Menschlichkeit und Mitgefühl sind unsere stärkste Antwort auf Hass und Gewalt. Heute und jeden Tag. Wir werden euch nie vergessen.” Auch Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) betonte, der Amoklauf habe “sich tief in das Gedächtnis unserer Gesellschaft eingebrannt”. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) erklärte: “Schulen müssen ein sicherer Ort sein, damit sich Kinder und Jugendliche bestmöglich entfalten können. Unsere Sicherheit beginnt mit guter psychischer Gesundheit.” Bundespräsident Alexander Van der Bellen erinnerte im Kurznachrichtendienst X an die Tat. “Es bleibt unsere Aufgabe, alles zu tun, um die Hinterbliebenen zu unterstützen mit allem, was wir als Gemeinschaft haben”, hieß es von ihm dazu.
Neben den Sofortmaßnahmen, die zur Unterstützung der Betroffenen auf den Weg gebracht wurden, hat sich die Bundesregierung zum Ziel gemacht, das Verbrechensopfergesetz mittels einer Novellierung weiterzuentwickeln. Geplant seien insbesondere die Verdoppelung der Pauschalentschädigung für Schmerzengeld, erleichterte Ansprüche für vulnerable Opfergruppen sowie ein Ausbau der psychosozialen und klinisch-psychologischen Unterstützung. Der Gesetzesentwurf werde nun zur Begutachtung vorgelegt.
Der 21-Jährige hatte damals nach der Tat Suizid begangen. Wie die im Mai abgeschlossenen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben, handelte es sich bei ihm um einen Einzeltäter.




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