Von: Ivd
Bozen – „In der ganzen Debatte um den Bettenstopp, würde ich mir als Dolomitenbewohnerin wünschen, dass man auch das Thema einer Eingrenzung der Beförderungsleistung für die Aufstiegsanlagen, angeht. Der Bettenstopp allein wird es nicht tun, um Südtirol vom Massentourismus zu schützen. Wir müssen auf mehrere Fronten arbeiten, denn Tourismus ist vielschichtig und wird nicht nur mit Gästebetten betrieben.“, so die Co-Vorsitzende der Grünen Verdi Vërc Elide Mussner, zur aktuellen Bettendiskussion.
„Der Trend zeigt deutlich: ständig steigern die Aufstiegsanlagen ihre Kapazitäten Vom Vierersessellift zum Sechsersessellift, vom Sechsersessellift zur Umlaufbahn. Zum Teil werden sie sogar verdoppelt oder verdreifacht oder auch mehr.“ Die Liste sei laut Mussner lang: so zum Beispiel die Pläne zur neuen Furnes Seilbahn (Seceda) zum Beispiel, wo man von jetzigen 800 auf zukünftigen 2.360 Menschen pro Stunden gehen möchte. „Dabei ist dieses Projekt doppelt interessant, denn um keine Saison zu verlieren, schlagen die Betreiber vor eine zweite Bergstation zu bauen, so könnte während der Bauarbeiten der neuen Bahn, die alte Bahn ungestört weiterlaufen. Ein anderes Beispiel ist der Ciampinoi Lift in Wolkenstein, wo man eine Erhöhung von 2.400 auf 3.600 Menschen pro Stunde anstrebt, oder der Steger Dellai Sessellift auf der Seiser Alm: von 1.200 auf 2.200 Personen pro Stunde. Ein Plus von 83 Prozent der Förderleistung“, so Mussner.
Weiter führt sie aus: „Der Anlass zu diesen Kapazität Steigerungen, sind sehr oft die Kosten der anstehenden Revisionen. Die Überlegung: wenn man schon so viel Geld investieren muss, dann besser gleich alles neu bauen und dabei noch schnell die Kapazitäten steigern. Je mehr Leute pro Stunde an den Gates piepsen, desto mehr wird auch verdient. Klingt fast schon wie die magische Formel für die Brotvermehrung. Dabei vergisst man aber, dass unsere Berge keine unendliche Masse auffangen können. Der Platz ist bedingt, die Umstände auch. Es ist zum Teil fahrlässig so viele Menschen auf über 2.000 m Höhe zu befördern, Menschen, die sehr oft auf die extremen Verhältnisse einer alpinen Landschaft gar nicht vorbereitet sind. Berge sind kein Funpark! Dazu kommt noch: diese Menschenmassen müssen auch zu den Liftanlagen gelangen, meistens kommen sie per motorisiertem Verkehr, ob Auto oder Privatbus oder Hotelshuttle. Wird die Beförderungskapazität einer Liftanlage aber gesteigert, wird von den Liftbetreibern kein Mobilitätskonzept gefordert. Es ist, als würde man bei einem Hotel 100 neue Betten dazu bauen, aber keine Parkplätze dafür aufweisen müssen.“
„Die Frage zur Menge ist ausschlaggebend. Wenn wir auf der einen Seite die Gästebetten eingrenzen, dann haben wir die Pflicht auch die Kapazitäten der Aufstiegsanlagen einzugrenzen. Wir können und dürfen nicht auf der einen Seite die Masse zulassen, und auf der anderen Seite die Masse stoppen wollen, das ist eine Kurzschluss Dynamik.“, so Elide Mussner und fügt abschließend hinzu: „Eine sachliche und objektive Debatte zu diesem Thema, wäre wünschenswert und sehr dringlich.“




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