Stocker weist Vorwürfe zurück

Heimatbund ist gegen Denkmal für Magnago vor dem Landtag

Dienstag, 28. Juli 2026 | 15:36 Uhr

Von: mk

Bozen – Der Südtiroler Heimatbund (SHB) ist gegen ein Denkmal für Altlandeshauptmann Silvius Magnago auf dem Platz vor dem Landtagsgebäude in Bozen. „Das Handeln des SVP-Parteiobmannes und Südtiroler Landeshauptmannes Dr. Silvius Magnago muss unterschiedlich und kontrovers beurteilt werden“, erklärt SHB-Obmann Roland Lang in einer Aussendung. Magnago habe das historische Verdienst, in Jahre langer Verhandlungen mit Rom mit Zähigkeit und taktischem Geschick die Grundlagen der heutigen Südtirol-Autonomie geschaffen zu haben. „Aber auf dem Weg zu diesem Verhandlungsergebnis hat Magnago unter vollem Einsatz seiner Persönlichkeit alle Selbstbestimmungsbestrebungen innerhalb und außerhalb seiner Partei bekämpft, unterdrückt, aber auch als Druckmittel in Rom missbraucht“, kritisiert der SHB.

Dazu sei noch eine innere Gespaltenheit der damaligen SVP in Bezug auf die letzten Zielsetzungen der Südtiroler Politik gekommen. „Es gab in der SVP so wie heute zahlreiche Befürworter eines Arrangements mit Rom um jeden Preis. Auch mit diesen Kräften musste Magnago damals fertig werden“, erklärt Lang.

Aber die ehemaligen politischen Häftlinge der 1960-er Jahre hätten laut Lang „für ein höheres Ziel gekämpft als für eine international schlecht abgesicherte Scheinautonomie“. Der SHB erkenne das Lebenswerk Magnagos an, aber nur als eine Zwischenlösung auf dem Weg in die Freiheit.

„Eine Reihe damals schwer gefolterter politischer Häftlinge und auch deren Familien haben es Magnago aber nie vergessen, dass er ihre aus dem Gefängnis herausgeschmuggelten Briefe, in denen sie ihre brutalen Folterungen durch die Carabinieri berichtet hatten, Jahre lang unter Verschluss und vor der Öffentlichkeit geheim gehalten hat, um das Verhandlungsklima mit Rom nicht zu stören“, kritisiert Lang weiter.

Diese Briefe seien aber kein Privateigentum Magnagos gewesen, er habe kein Recht gehabt, sie zu unterschlagen. „Es waren Hilfeschreie an die Öffentlichkeit gewesen, um die Folterungen endlich abzustellen. Magnago hat geholfen, dieses Flehen um Hilfe zu ersticken. Er hat Mitschuld für die ungehemmte Fortführung dieser Bestialitäten auf sich geladen“, so der SHB.

Nicht vergessen hätten einige Familienangehörige inhaftierter Freiheitskämpfer auch, wie herzlos und gefühlskalt Magnago sie behandelt habe, als sie bei ihm vorgesprochen und ihn um Hilfe gegen die Foltermethoden angefleht hätten. Er habe ihnen die ihm überreichten Folterbriefe zurückgeworfen und erklärt: „Hätten die Buben nicht zum Sprengstoff gegriffen, so müssten sich die Angehörigen jetzt nicht um sie sorgen.“ Das hat laut Heimatbund die Mutter des Pustertalers Freiheitskämpfer Hans Auer erlebt.

Als man der Frau des inhaftierten Freiheitskämpfers Luis Steinegger dessen blutiges Unterhemd zum Waschen aushändigte und sie dieses zu Magnago brachte, um es ihm als Beweis für die Misshandlungen vorzulegen, habe Magnago dieses Beweisstück zurückgewiesen und der Frau erklärt, sie solle es einfach wieder mit nach Hause nehmen. „Die Magnago zugegangenen zahlreichen Folterberichte wurden von ihm ebenfalls unter Verschluss gehalten!“, behauptet der Heimatbund

Sehr spät, am 24. März 1976, habe Magnago auf der SVP-Landesversammlung in Meran das öffentliche Ansehen der Männer und Frauen des Südtiroler Widerstandes wieder hergestellt und erklärt: „Viele von ihnen haben schwere und größte Opfer auf sich genommen im überzeugten Einsatz für unser Volk.“ Weiters habe Magnago in dieser Erklärung hervorgehoben, dass bis zu den Anschlägen Italien die Existenz einer Südtirol-Frage immer in Abrede gestellt und nur ergebnislose Gespräche geführt habe. „Die Einsetzung der Neunzehnerkommission (Anm.: Der Autonomiekommission, in welcher die Grundlagen der Autonomie erarbeitet wurden) ist sicher unter dem Eindruck des damals Geschehenen erfolgt.“

„Magnago geht in die Geschichte als großer Südtiroler Politiker ein, der viel für sein Land geleistet und auch erreicht, den großen Schritt zur Freiheit aber nicht gewagt hat. Er geht aber auch in die Geschichte ein als widersprüchlicher Mensch, der auch dazu fähig war, gegenüber Opfern und leidtragenden Härte und Gefühllosigkeit zu zeigen und der Mitschuld daran trug, dass die unmenschlichen Folterungen damals weiter gehen konnten“, erklärt Lang.

Ihm zu Ehren ein Denkmal zu errichten finde daher nicht die Zustimmung des SHB: „Er sollte auf seinem Platz mit einer Bronzetafel, einem Bild und einem kurzen Lebenslauf für seinen politischen Einsatz geehrt werden. Mehr nicht!“

Der SHB wolle der italienischen Rechten ein Kompliment aussprechen, heißt es in der Aussendung weiter. „Nach jahrzehntelanger Arbeit haben sie es nun über Umwege geschafft, den Laurinsbrunnen vom Magnagoplatz wegzubekommen. Sie haben dabei allerdings übersehen, dass die Laurin-Sage, aus der das Denkmal entstand, überhaupt nichts mit Nationalismus zu tun hat. In der Sage geht es um einen Brautraub und deren Rückholung. Alle anderen Interpretationen entstanden zur Zeit des Faschismus und werden ohne Hinterfragung nachgeplappert. Auch der italienische Landesrat Tomasini hat am 17.1.2017 in Antwort auf eine Landtagsanfrage erklärt, dass er der Meinung ist, dass diese Statue für niemanden eine Beleidigung ist. Da das Denkmal mit großzügiger Unterstützung der italienischen Bauarbeitergenossenschaft CLE restauriert wurde, ist es dadurch auch ein lokales Denkmal der italienischen Sprachgruppe geworden“, erklärt Lang abschließend.

„Ein Denk- und Mahnmal“

Die Präsidentin der Silvius Magnago Stiftung, Martha Stocker, geht in einer Stellungnahme auf Aussagen von Roland Land, Obmann des SHB ein demzufolge Silvius Magnago gerade den politischen Häftlingen gegenüber versagt habe. Dabei bleibt klar, dass natürlich politische Meinungen jedem unbenommen sind. „Silvius Magnago stand, dies ist zweifelsfrei, für den Weg des verbrieften Rechts auf Grundlage des Pariser Vertrages, unterzeichnet von Österreich und Italien, den auch international niemand bestreiten konnte“, so Stocker.

Klar zurückweisen will die Historikerin allerdings die Silvius Magnago unterstellte Gefühlskälte gegenüber den politischen Häftlingen, für sie sei diese Aussage eine Anmaßung, die durch andere Einzelbeispiele widerlegt werden könnte wie anderes auch.

„Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass ein wirklicher politischer Statist sich auch dadurch auszeichnet, dass er weiß, was er in politischer Verantwortung zu tun hat und diesbezüglich gibt es genügend historisch belegte Beweise“, so Stocker. Wichtig erscheint ihr, in diesem Zusammenhang erstens daran zu erinnern, dass Sepp Kerschbaumer und Silvius Magnago es waren, die z.B. beim Mailänder Sprengstoffprozess imstande waren darzulegen, dass eigentlich Italien ob der versäumten Umsetzung des Pariser Vertrages auf der Anklagebank sitzen müsste – etwas, was zumindest in der öffentlichen Meinung Auswirkungen hatte.

Magnago habe auch lange zu all dem geschwiegen, was er noch alles für die Häftlinge getan hat. Erst als 1969 auf der Paket-Landesversammlung ähnliche Angriffe wie jetzt erhoben wurden, habe er laut Stocker sein Schweigen gebrochen und diese Stellungnahme mit den berühmten Worten eingeleitet: „Jetzt pack ich einmal aus und ich muss auspacken…“ Und es folgte nun hintereinander das, was ihn Disziplin, Diskretion bisher verboten hatten zu sagen: Mit einem umstrittenen Auftritt hatte er erreicht, dass zwölf der Verurteilten vom Mailänder Sprengstoffprozess nicht wieder, aufgrund eines negativ ausgegangenen Berufungsverfahrens, in das Gefängnis zurückmussten.

„Dann ging er auf die Verurteilten, v.a. Mühlener, im Bologna-Prozess ein, die die höchsten Strafen bekommen hatten und weit weg in Gefängnissen saßen und wo es ihm, und nicht den Anwälten, gelungen war zu erreichen, dass sie näher Richtung Heimat versetzt und schließlich im November 1971 freikamen. Und er konnte auch darauf verweisen, dass inzwischen auch der letzte vom Mailänder Prozess, der Jörg Pircher, zurückgekommen war und dass er versichern könne, dass auch der letzte der Pfunderer noch vor Weihnachten zurückkomme. Und mit welchem Einsatz er dies alles betrieben hat, ist offiziell dokumentiert und auch die Leidenschaft, mit welcher er sich eingesetzt hat“, so Stocker.

Dabei handle es sich um nachprüfbare Fakten, denen nur anzufügen sei, dass die Aussage, dass die Diskussion zum Paket „Sternstunden der Demokratie waren“, von seinen Gegnern stamme, erklärt Martha Stocker abschließend.

Bezirk: Bozen

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