"Photovoltaik in Hanglagen und im alpinen Raum droht"

Heimatpflegeverband kritisiert Urteil zu Agri-Photovoltaik scharf

Mittwoch, 24. Juni 2026 | 09:35 Uhr

Von: luk

Bozen – Der Heimatpflegeverband Südtirol übt Kritik an einem aktuellen Urteil des Verwaltungsgerichts Bozen zur Agri-Photovoltaik. Die Richter haben zentrale Standortvorgaben der Landesregierung aufgehoben, die den Bau entsprechender Anlagen auf bestimmte Flächen in den Talsohlen von Etsch und Eisack beschränkt hatten.

Konkret wurden die Kriterien annulliert, wonach Agri-Photovoltaikanlagen nur auf Flächen bis 75 Meter über dem Flussbett sowie bei einer maximalen Hangneigung von zehn Prozent errichtet werden dürfen. Nach Ansicht des Heimatpflegeverbandes fällt damit eine wichtige räumliche Begrenzung weg, die eine Konzentration der Anlagen auf bereits intensiv genutzte Flächen ermöglicht hätte.

Verbandsobfrau Claudia Plaikner spricht von einem „verheerenden Signal für den Landschaftsschutz“. Die bisherige Regelung hätte aus Sicht des Verbandes ausreichend Potenzial für den Ausbau erneuerbarer Energien geboten. Laut den Berechnungen des Landes und des Klimaclubs Südtirol seien rund 1.100 Hektar Agri-Photovoltaikflächen ausreichend, um die Energiewende voranzutreiben. Die bisherigen Richtlinien hätten theoretisch sogar mehr als 11.000 Hektar geeignete Flächen umfasst.

Der Verband warnt nun davor, dass durch den Wegfall der Kriterien künftig auch Hanglagen und höher gelegene Gebiete für Photovoltaikanlagen infrage kommen könnten. Dies hätte aus Sicht der Heimatpfleger erhebliche Auswirkungen auf das Landschaftsbild und würde zusätzliche Eingriffe für den Ausbau der Strominfrastruktur erforderlich machen.

Der Heimatpflegeverband fordert die Landesregierung deshalb auf, rasch neue, rechtlich abgesicherte Standortkriterien auszuarbeiten. Das Gericht habe die bisherigen Vorgaben nicht inhaltlich verworfen, sondern deren wissenschaftliche und dokumentierte Begründung als unzureichend eingestuft. Ziel müsse es sein, den Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Schutz der Südtiroler Kulturlandschaft in Einklang zu bringen.

Bezirk: Bozen

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