Die wechselseitigen Raketenangriffe gingen auch am Montag weiter

Hisbollah greift israelische Militärbasis nahe Tel Aviv an

Montag, 09. März 2026 | 20:43 Uhr

Von: APA/dpa/AFP

Die proiranische Hisbollah-Miliz hat am Montag nach eigenen Angaben Raketen auf einen israelischen Militärstützpunkt in der Nähe von Tel Aviv abgefeuert. Sie habe die Heimatfront-Kommandozentrale der israelischen Armee in Ramla mit einer “Salve hoch entwickelter Raketen” angegriffen, teilte die libanesische Miliz mit. Es handle sich um eine Antwort auf “die kriminelle israelische Aggression, die Dutzende libanesische Städte und die südlichen Vororte von Beirut getroffen hat”.

Zuvor hatte Israel mitgeteilt, dass der Chef einer im Südlibanon agierenden Hisbollah-Einheit getötet worden sei. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sei bei einem Besuch an der Grenze zum Libanon darüber informiert worden, dass der Kommandant der Hisbollah-Einheit Nasser, Abou Hussein Ragheb, bei einem Angriff in der Nacht auf Montag getötet worden sei, teilte sein Ministerium mit.

Als eine von drei Hisbollah-Einheiten im Südlibanon ist die Nasser-Einheit im Osten des Gebiets aktiv. Nach dem Angriff der radikalislamischen Hamas auf Israel im Oktober 2023 hatte sie als erstes eine zweite Front gegen Israel eröffnet und das Nachbarland vom Norden aus angegriffen.

Libanons Präsident will mit Israel verhandeln

Unterdessen schlug Libanons Präsident Joseph Aoun direkte Verhandlungen mit Israel vor. Aoun habe in einer Videokonferenz mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa eine entsprechende Initiative vorgestellt, hieß es in einer Regierungsmitteilung. Sie basiere auf vier Punkten: ein vollständiger Waffenstillstand, eine sofortige Bereitstellung logistischer Unterstützung für die libanesischen Streitkräfte, eine vollständige Entwaffnung der Hisbollah und direkte Verhandlungen zwischen Libanon und Israel unter internationaler Schirmherrschaft.

An der Videokonferenz nahmen noch weitere Staats- und Regierungschefs aus der Region teil, darunter Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi oder Iraks Ministerpräsident Mohammed al-Sudani. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte Israel zum Einstellen der Kampfhandlungen auf. “Israel sollte seine Aktivitäten im Libanon einstellen”, erklärte Kallas am Montag. Israel habe zwar das Recht zur Selbstverteidigung, seine Reaktion auf die Angriffe der Hisbollah sei jedoch “überzogen”, fuhr Kallas fort.

Kallas forderte zudem die Hisbollah auf, ihre Waffen abzugeben und jegliche Aktionen gegen Israel einzustellen. Mit Blick auf Israel erklärte sie, dessen Vergeltungsschläge führten zur “massenhaften Vertreibungen” und drohten die Situation weiter zu destabilisieren. Diplomatie und eine Rückkehr zur im November 2024 vereinbarten Waffenruhe böten die “beste Chance, zu verhindern, dass der Libanon ins Chaos abrutscht”.

Hunderttausende Vertriebene durch jüngste Eskalation

Aoun betonte, dass mehr als 600.000 Menschen im Libanon im Zuge der jüngsten Eskalation bereits vertrieben worden seien. “Einige von ihnen irren auf den Straßen umher, ohne Obdach und ohne die grundlegendsten Lebensnotwendigkeiten”, sagte er.

Libanesischen Behördenangaben zufolge wurden seit Ausbruch der jüngsten Eskalation mit Israel fast 500 Menschen getötet. 486 Menschen seien seit vergangenen Montag getötet und 1.313 weitere seien verletzt worden, teilte die Katastrophenschutzeinheit der Regierung in Beirut mit.

Auch in Israel gibt es wegen der derzeitigen Raketenangriffe Opfer – vor allem aufgrund des Beschusses aus dem Iran. Insgesamt kamen bisher zwölf Menschen im Land ums Leben. Das israelische Gesundheitsministerium meldete zudem mehr als 2.200 Personen, die in Krankenhäusern behandelt worden seien.

Berichten zufolge sind darunter neben durch Raketenangriffe Verletzte auch viele Menschen, die sich auf dem Weg in Schutzräume verletzt haben. Zudem werden demnach auch Personen gezählt, die wegen Angstzuständen, ausgelöst durch die Angriffe, behandelt wurden.

Syrien will Libanon bei Hisbollah-Entwaffnung unterstützen

Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa sicherte dem Libanon indes seine Unterstützung bei der Entwaffnung der proiranischen Hisbollah zu. Das sagte er in einer Videokonferenz mit EU-Vertretern und anderen Staats- und Regierungschefs der Region, wie die staatliche Nachrichtenagentur SANA berichtete.

Al-Sharaa zeigte demnach seine volle Unterstützung für “die ernsthaften und entschlossenen Schritte, die die Regierungen des Iraks und des Libanon unternommen haben, um ihre Nationen vor der anhaltenden Gewalt zu schützen.” Die gegenwärtige Eskalation stelle eine existenzielle Bedrohung für die gesamte Region dar. Syrien habe sich mit regionalen Partnern abgestimmt, um ein Übergreifen des Konflikts auf syrisches Territorium zu verhindern. In diesem Zusammenhang habe die syrische Armee ihre Präsenz entlang der libanesischen und irakischen Grenzen verstärkt.

Die gestürzte Regierung von Syriens Langzeitmachthaber Bashar al-Assad war ein enger Verbündeter der proiranischen Hisbollah. Die neue Führung bemüht sich seit ihrem Machtantritt, den Einfluss Irans – einem weiteren wichtigen Verbündeten Assads – im Land zu unterbinden.

Als Reaktion auf die Tötung des iranischen obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei hatte die mit Teheran verbündete Hisbollah vor gut einer Woche wieder Raketen auf Israel abgefeuert. Seitdem greift das israelische Militär wieder im größeren Umfang im Libanon an. Die Hisbollah hat im Libanon eine Art Staat im Staate aufgebaut. Sie sieht sich als einzig wahre Widerstandskraft gegen den Erzfeind Israel. Auch der libanesische Staat ist offiziell im Kriegszustand mit Israel.

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