Kritik: "Naturraum unter Druck"

Hotelprojekt Gallenmahd im Martelltal eckt an

Freitag, 17. April 2026 | 12:28 Uhr

Von: luk

Martelltal – Die Südtiroler Umwelt- und Alpinorganisationen haben große Bedenken gegenüber dem geplanten Hotelprojekt in der Tourismuszone Gallenmahd im Martelltal. Das Vorhaben steht exemplarisch für eine Entwicklung, die der CAI, Mountain Wilderness, der WWF, LIPU, Legambiente der Dachverband für Natur und Umweltschutz und der Heimatpflegeverband Südtirol seit Jahren kritisch begleiten: den anhaltenden Ausbau touristischer Infrastrukturen trotz wachsender Belastungen für Natur, Landschaft und Ressourcen.

Hotelprojekt auf der grünen Wiese im Nationalpark

Das geplante Vier-Sterne-Hotel mit bis zu 140 Betten soll in einem hochsensiblen Naturraum innerhalb des Nationalparks Stilfserjoch entstehen – auf über 1.600 Metern Meereshöhe und außerhalb bestehender Siedlungsstrukturen. “Laut Umweltbericht sind erhebliche Eingriffe zu erwarten: über 6.000 Quadratmeter Bodenversiegelung, zusätzliche Verkehrsbelastung, Eingriffe in Wasserhaushalt und Biodiversität sowie massive Veränderungen des Landschaftsbildes. Besonders kritisch ist auch die geplante Rodung von rund sechs Hektar Wald für einen Lawinenschutzwall, der überhaupt erst die Voraussetzung für die Realisierung des Projekts schafft”, so der Heimatpflegeverband.

“Hier wird ein Hotel in eine hochalpine Landschaft gesetzt, die bislang weitgehend unverbaut ist – und das mitten in einem Nationalpark. Das widerspricht allen Grundsätzen einer nachhaltigen Raum- und Tourismusentwicklung”, so die Umwelt und Alpinverbände.

Sehr hohe Lawinengefahr: Gigantischer Schutzwall notwendig

Besonders problematisch sei, dass sich das Projekt in einem Gebiet mit sehr hoher Lawinengefahr befindet. “Der notwendige Lawinenschutzwall stellt selbst einen massiven Eingriff in Natur und Landschaft dar. Umso unverständlicher ist es, dass die dafür notwendigen Holzschlägerungsarbeiten bereits begonnen haben, obwohl zentrale Fragen zur Genehmigungsfähigkeit des Gesamtprojekts noch offen sind.”

hpv

Die Umwelt und Alpinverbände sehen das Projekt auch im Widerspruch zu den eigenen Zielen der Landespolitik. Seit Jahren werde ein Bettenstopp angekündigt, gleichzeitig würden immer neue Tourismuszonen erschlossen und Projekte in sensiblen Räumen vorangetrieben. “Was wir hier sehen, ist kein Einzelfall, sondern Teil eines strukturellen Problems: Der Druck auf die Landschaft wächst weiter, während die politischen Steuerungsinstrumente immer weiter aufgeweicht werden”, heißt es in der Eingabe der Umwelt- und Alpinverbände zum Projekt.

Sämtliche Versorgungsinfrastrukturen müssen neu errichtet werden

Neben den ökologischen Auswirkungen werfe das Projekt auch grundsätzliche Fragen der Raumordnung auf. Die geplante Anlage erfordere den Neubau sämtlicher Infrastrukturen – von der Wasserfassung über die Abwasserentsorgung bis zur Energieversorgung – in einem bislang nicht erschlossenen Gebiet. “Gleichzeitig bestehen im Tal ungenutzte Gebäudestrukturen, die für eine touristische Entwicklung genutzt werden könnten.”

Die Umwelt- und Alpinverbände fordern daher ein Umdenken in der Tourismusentwicklung: “Weg von neuen Großprojekten in unberührten Räumen, hin zu einer qualitativen Weiterentwicklung im Bestand. Gerade in einem Nationalpark müssen andere Maßstäbe gelten. Hier geht es nicht um weiteres Wachstum, sondern um den Schutz eines einzigartigen Natur- und Kulturlandschaftsraumes.”

Abschließend appellieren die Verbände an die zuständigen Behörden, “das Projekt in seiner derzeitigen Form nicht weiterzuverfolgen, die Holzschlägerungsarbeiten in dem Gebiet sofort einzustellen und die langfristigen Interessen von Natur, Landschaft und Bevölkerung in den Mittelpunkt zu stellen.”

Bezirk: Vinschgau

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