Internationaler Boykottaufruf gegen den Wiener ESC

Internationaler Boykottaufruf von Künstlern gegen Wiener ESC

Mittwoch, 22. April 2026 | 20:19 Uhr

Von: APA/AFP

Mehr als 1.100 Musikerinnen und Musiker fordern wegen der Teilnahme Israels einen Boykott des Eurovision Song Contest von Wien. Zu den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern eines entsprechenden Aufrufs gehören auch Stars wie Pink-Floyd-Mitgründer Roger Waters, Ex-Genesis-Frontmann Peter Gabriel, die britische Band Massive Attack, der US-Rapper Macklemore, das schottische Indiekollektiv Mogwai, die isländische Band Of Monsters And Men oder die nordirische Rapgruppe Kneecap.

Auch Kultkomponist Brian Eno, die Rockband Sigur Rós oder die einstige ESC-Gewinnerin Emmelie de Forest aus Dänemark zählen zu den Unterzeichnern. Mehrere der bekannten Bands und Musiker, die den Aufruf mit dem Titel “No Music For Genocide” (“Keine Musik für den Genozid”) unterstützen, beteiligen sich teilweise schon seit Jahren an Boykottaufrufen gegen Israel und israelfeindlichen Kampagnen. Gegen einen der Kneecap-Musiker ermittelte die britische Justiz etwa wegen Terrorvorwürfen, weil er sich bei einem Konzert in eine Fahne der libanesischen Hisbollah-Miliz gehüllt hatte.

Organisatoren fordern Ausschluss des israelischen Senders KAN

Die Kampagne “No Music For Genocide” fordert nun einen Ausschluss des israelischen Fernsehsenders Kan vom ESC, weil dieser sich “an den von Israel begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit mitschuldig gemacht” habe. Der ESC werde zudem dazu genutzt, “den Völkermord, die Belagerung und die brutale militärische Besatzung” des Gazastreifens durch Israel “reinzuwaschen und zu normalisieren”.

Wegen der Teilnahme Israels boykottieren heuer die Niederlande, Spanien, Irland, Slowenien und Island den Wiener ESC. Damit schicken im Mai nur Sendeanstalten aus 35 Ländern Beiträge zur 70. Ausgabe des Musikwettbewerbs. Es ist der umfassendste Boykott in der Geschichte des Wettbewerbs.

Proteste in Wien angemeldet

Gegen die Teilnahme Israels am ESC ist am 16. Mai in der Bundeshauptstadt bereits eine Großdemonstration angemeldet worden. Unter dem Motto “Keine Bühne zur Legitimation des Völkermords – Freiheit für Palästina” wollen die Organisatoren der “Propagandashow eine Massendemonstration entgegenstellen”. Die Route soll die Demonstrierenden vom Christian-Broda-Platz in Wien-Mariahilf über den Gürtel zur Hütteldorferstraße und dann zur Schlusskundgebung im Vogelweidpark vor der Stadthalle, dem ESC-Venue, führen.

Und einen Tag vor dem ESC-Finale treten Künstlerinnen und Künstler in der Venediger Au beim “Song Protest” auf. Darunter ist auch Musiker Dinis Mota, der als portugiesischer Beitrag gehandelt wurde, aber bereits im Vorfeld angab, wegen der Teilnahme Israels nicht beim ESC antreten zu wollen. Hier werden rund 1.000 Personen erwartet.

Anlass für die Debatte um Israels ESC-Teilnahme war der israelische Militäreinsatz im Gazastreifen als Reaktion auf den Angriff der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023.

(S E R V I C E – https://nomusicforgenocide.org/eurovision/ )

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