Von: APA/Reuters/AFP
Der Iran ist nach Regierungsangaben unter bestimmten Bedingungen zu Kompromissen bereit, um ein Atomabkommen mit den USA zu erreichen. Voraussetzung sei, dass die US-Regierung willens sei, über eine Aufhebung ihrer Sanktionen gegen das Land zu verhandeln, sagte Vize-Außenminister Majid Takht-Ravanchi dem britischen Sender BBC. Der Ball liege im Feld der Amerikaner, die beweisen müssten, dass sie eine Einigung wollten, sagte er in dem am Sonntag veröffentlichten Interview.
“Wenn sie es ernst meinen, dann bin ich sicher, dass wir auf dem Weg zu einem Abkommen sind.” US-Außenminister Marco Rubio hatte am Samstag gesagt, Präsident Donald Trump bevorzuge zwar eine Einigung, es sei jedoch “sehr schwer”, eine mit dem Iran zu erzielen.
Laut BBC bestätigte Takht-Ravanchi zudem, dass die neue Verhandlungsrunde in Genf für Dienstag angesetzt sei. Eine Bestätigung aus Teheran und Washington dafür stand indes noch aus. Ein Sprecher des Schweizer Außenministeriums sagte, die Schweiz sei mit allen Parteien in Kontakt und “begrüßt und unterstützt diese Gespräche”. US-Präsident Donald Trump erhöhte derweilen den Druck auf Teheran und entsandte einen weiteren Flugzeugträger, sowie tausende weitere Soldaten, Kampfflugzeuge und Zerstörer in die Region.
Anfang Februar hatten der iranische Außenminister Abbas Araqchi, der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner über Vermittler des Omans in Maskat beraten. Die Positionen des Irans und der USA liegen weit auseinander. So will der Iran nur über sein Atomprogramm und die Aussetzung von Sanktionen sprechen. Die USA wollen die Verhandlungen jedoch ausweiten. Sie wollen zusätzlich über die ballistischen Raketen des Irans und seine Unterstützung bewaffneter Gruppen wie der Hisbollah im Libanon und der Hamas im Gazastreifen beraten.
Militärischer Angriff durch die USA bereits mehrfach angedroht
Trump hat mehrfach mit einem militärischen Angriff auf den Iran gedroht, sollte es keine Einigung geben. Die USA haben bereits etliche Kriegsschiffe in die Region entsandt. Für den Fall eines Angriffs hat der Iran Vergeltung angekündigt und gedroht, auch arabische Golfstaaten, die US-Stützpunkte beherbergen, könnten ins Visier geraten, sollten sie in einen Angriff auf die Islamische Republik involviert sein.
Erst im Juni 2025 hatte Israel mit Unterstützung der USA Atomanlagen im Iran angegriffen. Der massive Beschuss endete nach zwölf Tagen mit einer Waffenruhe. Nach iranischen Angaben wurde die wichtigste Atomanlage Fordo schwer beschädigt, die Urananreicherung wurde eingestellt. Trump erklärte seinerzeit, die US-Angriffe hätten das iranische Atomprogramm “vollständig und total ausgelöscht”.
Die USA und weitere Staaten werfen dem Iran seit langem vor, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms nach Atomwaffen zu streben. Die Regierung in Teheran bestreitet das. In Trumps erster Präsidentschaft waren die USA 2018 einseitig aus dem 2015 geschlossenen internationalen Atomabkommen ausgestiegen, das den Iran am Bau von Atomwaffen hindern sollte, und hatten Sanktionen gegen das Land wieder in Kraft gesetzt. Der Iran sah sich darauf nicht mehr an seine Auflagen gebunden und forcierte die Urananreicherung.
Von der BBC dazu befragt, ob Teheran bereit sei, seine Bestände von mehr als 400 Kilogramm hochangereichertem Uran außer Landes zu bringen, schloss der Vize-Außenminister einen Kompromiss nicht aus. Mehrere Länder, darunter Russland, haben Teheran angeboten, diese Bestände zu übernehmen, was der Iran bisher abgelehnt hat. Eine vollständige Einstellung der Urananreicherung – wie von Washington gefordert – stehe aber für Teheran “nicht mehr auf der Tagesordnung”.
Rund 250.000 Menschen bei Demo gegen iranisches Regime in München
In München fand indes am Samstag eine Großkundgebung der iranischen Exil-Opposition statt, auf der ein Ende der Führung in Teheran gefordert wurde. Nach Angaben der Polizei nahmen an der Demonstration am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) rund 250.000 Menschen teil.
Bei der Kundgebung trat der Sohn des 1979 gestürzten letzten Schahs, Reza Pahlavi, auf und bekundete seinen Willen, den “Übergang zu einer säkularen, demokratischen Zukunft” des Iran anzuführen. Es sei “Zeit für das Ende der Islamischen Republik”, sagte der 65-Jährige.
Auch in Los Angeles, Washington und Toronto folgten tausende Menschen der Aufforderung nach Solidaritätsbekundungen mit den Protestteilnehmern im Iran. “Trump, handle jetzt!”, skandierten Teilnehmer etwa in Toronto.
Die regierungskritischen Proteste im Iran hatten am 8. und 9. Jänner ihren Höhepunkt erreicht. Sie wurden von den iranischen Behörden brutal niedergeschlagen. Die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation Hrana bestätigte inzwischen mindestens 7.010 Todesopfer, die meisten von ihnen Demonstranten. Mehr als 53.845 Menschen wurden demnach festgenommen.




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