Normalisierung des Schiffsverkehrs nicht in Sicht

Iranische Boote schießen auf Tanker in Straße von Hormuz

Samstag, 18. April 2026 | 14:22 Uhr

Von: APA/AFP/dpa/Reuters

Iranische Kanonenboote haben am Samstag nach Angaben einer britischen Behörde auf einen Tanker in der Straße von Hormuz geschossen. Wie die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) mitteilte, berichtete der Kapitän des Tankers von einem Angriff durch zwei Kanonenboote der Iranischen Revolutionsgarden rund 37 Kilometer nordöstlich des Oman. Kurz zuvor hatte der Iran seine Entscheidung zur Öffnung der Straße von Hormuz für den Schiffsverkehr rückgängig gemacht.

Ohne Vorwarnung hätten die Boote “auf den Tanker geschossen”. Der Tanker und die Besatzung sind demnach in Sicherheit, die Behörden ermitteln.

Nach Angaben eines Schiffverfolgungsdienstes gab es in der Straße von Hormuz einen Schusswechsel zwischen den Iranischen Revolutionsgarden und indischen Handelsschiffen. Wie der Dienst TankerTrackers.com unter Berufung auf den maritimen Notrufkanal berichtet, drängten iranische Einheiten zwei Schiffe gewaltsam zurück. Betroffen sei unter anderem ein VLCC-Supertanker, der zwei Millionen Barrel (rund 272.000 Tonnen) irakisches Rohöl transportiert.

Mehrere Schiffe berichteten von einem Funkspruch der iranischen Marine, in dem die erneute Schließung der Straße von Hormuz bekannt gegeben wird. “Achtung an alle Schiffe: Wegen des Versäumnisses der US-Regierung, ihre Verpflichtungen in den Verhandlungen zu erfüllen, erklärt der Iran die Straße von Hormuz wieder für vollständig geschlossen”, heißt es in der Durchsage. “Keinem Schiff, unabhängig von Typ oder Nationalität, ist die Durchfahrt durch die Straße von Hormuz gestattet.”

Iran droht US-Streitkräften mit “neuen Niederlagen”

Der oberste iranische Führer Mojtaba Khamenei hat in einer ihm zugeschriebenen schriftlichen Botschaft der US-Armee mit einem vernichtenden Schlag gedroht. Die “tapfere iranische Marine” sei bereit, ihren Feinden “neue Niederlagen” zuzufügen, erklärte Khamenei am Samstag auf Telegram.

Im Streit über die Passage von Schiffen durch die Straße von Hormuz warnte der stellvertretende iranische Außenminister Said Chatibsadeh die USA vor Konsequenzen. Der Iran habe angekündigt, die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen im Einklang mit der jüngsten Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon zu gestatten. “Die andere Seite, die amerikanische Seite, hat versucht, dies zu sabotieren, indem sie erklärte, die Straße sei offen, außer für Iraner”, sagt Chatibsadeh. “Das war der Grund, warum wir gesagt haben: ‘Wenn Sie die Bedingungen der Waffenruhe verletzen, wenn die Amerikaner ihr Wort nicht halten, wird das Konsequenzen für sie haben’.”

Iranische Blockade wegen US-Blockade

Die iranische Armeeführung begründete die neuerliche Blockade der immens wichtigen Schifffahrtsstraße laut Staatsmedien mit der anhaltenden US-Blockade iranischer Häfen. Die Straße von Hormuz stehe nun erneut “unter strenger Führung und Kontrolle der Streitkräfte”, so lange die USA nicht die freie Schifffahrt zum Iran ermöglichten, hieß es.

Teheran hatte am Freitag nach dem Inkrafttreten einer Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon eine Öffnung der Straße von Hormuz für Handelsschiffe bekannt gegeben. Durch die Meerenge verläuft normalerweise ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgaslieferungen. Die Märkte reagierten zunächst erleichtert, der Ölpreis sackte ab, der zuvor wegen der Blockade weltweit massiv angestiegen war.

US-Präsident Donald Trump hatte die Öffnung begrüßt, kündigte aber zugleich an, die US-Blockade iranischer Häfen bleibe bis zu einem Abkommen mit Teheran über ein endgültiges Kriegsende bestehen. Daraufhin drohte der Iran mit einer erneuten Sperrung der Meerenge.

Das US-Militär setzte nach eigenen Angaben eine Seeblockade gegen Schiffe durch, die iranische Häfen und Küstengebiete anlaufen oder verlassen wollen. Seit Beginn der Maßnahme seien 23 Schiffe der Anweisung der US-Streitkräfte gefolgt und seien in Richtung Iran zurückgekehrt, teilt das zuständige US-Regionalkommando CENTCOM mit.

Bald weitere Verhandlungsrunde?

Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar war die Straße von Hormuz de facto durch die Iranischen Revolutionsgarden weitgehend gesperrt. Am vergangenen Wochenende war eine erste Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Nach Angaben Trumps könnte es bald zu einer zweiten Verhandlungsrunde kommen. Eine Friedensvereinbarung mit dem Iran sei “sehr nah”, sagte er am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Es gebe bei den Gesprächen “überhaupt keine Knackpunkte” mehr.

Nach iranischen Angaben steht für die nächste Verhandlungsrunde noch kein Termin fest. “Wir konzentrieren uns nun darauf, den Rahmen für eine Verständigung zwischen beiden Seiten zu finalisieren”, sagt der stellvertretende iranische Außenminister Said Chatibsadeh am Rande eines Diplomatentreffens im türkischen Antalya. Der Iran wolle keine Gespräche führen, die zum Scheitern verurteilt seien und als Vorwand für eine weitere Eskalation dienen könnten.

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