Khameneis Sarg wurde durch die Menge geleitet

Irans oberster Führer Ali Khamenei in Mashhad beigesetzt

Freitag, 10. Juli 2026 | 00:42 Uhr

Von: APA/AFP/dpa

Mehr als vier Monate nach seiner Tötung ist Irans früherer oberster Führer Ayatollah Ali Khamenei beerdigt worden. Die Bestattung erfolgte im Imam-Reza-Schrein seiner Heimatstadt Mashhad im Nordosten des Landes unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wie mehrere iranische Medien in der Nacht auf Freitag übereinstimmend berichteten. Die Trauerzeremonien laufen bereits seit rund einer Woche.

Khamenei war am 28. Februar durch einen israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran getötet worden. Mehr als fünf Wochen führten die USA und Israel daraufhin Krieg gegen den Iran, bis Anfang April eine Waffenruhe vereinbart wurde. Es kam trotz der Waffenruhe und einem Rahmenabkommen zur Beendigung des Kriegs aber auch danach mehrfach zu gegenseitigen Angriffen. Zum neuen Staatsoberhaupt wurde Khameneis Sohn Mojtaba ernannt, der öffentlich jedoch seither nicht auftrat.

Khamenei regierte bis zum Tod mit absoluter Härte

An den tagelangen Trauerzeremonien nahmen nach staatlichen Angaben im Iran Millionen Menschen teil. Als oberster Führer hatte Khamenei in der Islamischen Republik das letzte Wort in allen zentralen Fragen. Zugleich war der schiitische Ayatollah die höchste religiöse Autorität des Staates. Über Jahrzehnte galt Khamenei als unantastbar.

Seine Anhänger verehren ihn als Märtyrer, der ihrer Ansicht nach im Widerstand gegen einen militärisch weit überlegenen Feind gefallen ist. Ein großer Teil der rund 86 Millionen Einwohner im Land dürfte der Staatstrauer jedoch gleichgültig oder ablehnend gegenüberstehen. Innenpolitisch setzte Khameneis Staat auf Kontrolle und Repressionen, Kritik wurde nicht geduldet. Bei den jüngsten Protestwellen riefen Demonstranten immer wieder: “Tod dem Diktator”.

Unter Khamenei hatten sich die Revolutionsgarden zur führenden Streitmacht des Landes entwickelt. Nach seinem Tod sortiert sich das Machtgefüge neu. Inzwischen sind vor allem Vertreter der mächtigen Garden in wichtige politische Positionen aufgestiegen.

Trauer und Zorn über neue US-Angriffe

Zahlreiche Anhänger nahmen zuvor in tiefer Trauer und voller Zorn über die neuen schweren US-Angriffe in Mashhad am Donnerstag Abschied von Khamenei. Trauernde weinten und schlugen sich auf die Brust, während Khameneis Sarg durch die Menge geleitet wurde. Viele schwenkten iranische Flaggen und rote Fahnen, die als Symbol für Rache gelten: “Kein Kompromiss mit den Mördern”, skandierten die Menschen.

Die neuesten US-Angriffe auf den Iran führten nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens dazu, dass der Zugverkehr zwischen Teheran und Mashhad unterbrochen war. Die iranische Eisenbahn sprach von einem “kriminellen Angriff des US-israelischen Feindes” auf die Strecke. Für betroffene Fahrgäste sei ein Weitertransport auf der Straße organisiert worden.

Das iranische Außenministerium verurteilte die Angriffe auf Bahninfrastruktur als “offenkundiges Kriegsverbrechen”. Der Iran werde seine territoriale Unversehrtheit, Souveränität und nationale Sicherheit verteidigen.

Khamenei mit Flugzeug nach Mashhad gebracht

Ein Flugzeug hatte den Sarg mit Khameneis Leichnam am Donnerstag nach Mashhad gebracht, angesichts der jüngsten Eskalation wurde die Maschine von einem iranischen Kampfjet begleitet. Die US-Armee hatte in der Nacht auf Donnerstag in der zweiten Nacht in Folge nach eigenen Angaben Dutzende militärische Ziele im Iran ins Visier genommen, laut US-Präsident Donald Trump erfolgten die Angriffe als Vergeltung für vorangegangene iranische Attacken auf Schiffe in der Straße von Hormuz.

“Nur der Tod von Trump und (dem israelischen Regierungschef Benjamin) Netanyahu wird unseren Schmerz lindern. Es sollte überhaupt keine Kompromisse geben”, sagte eine 35 Jahre alte Hausfrau während der Trauerfeierlichkeiten mit Blick auf das im Juni geschlossene Rahmenabkommen für ein Ende des Krieges. Zum Tod von Khamenei fügte sie hinzu: “Der Verlust unseres Führers ist schwerer als der unserer Eltern.”

“Alle Menschen hier wollen Rache”

“Alle Menschen hier wollen Rache”, sagte der Geschäftsbesitzer Mohammed Afsharian. “Ich weiß nicht, wie das mit der Diplomatie weitergehen soll und welche Politik dahintersteht, aber alle Menschen hier tragen rote Fahnen, weil sie Rache wollen.” Wenn Trump ein Abkommen verhandeln wolle, “muss er uns Netanyahu ausliefern”, forderte Afsharian.

An einem Hotel mit dem Namen “Miami” war ein riesiges Plakat zu sehen, auf dem ein Kopfgeld auf US-Präsident Trump ausgesetzt wurde, nahe dem Beisetzungsort war auf einem Banner “Kill Trump” zu lesen. Auf einem weiteren Schild stand: “Blut wird fließen.”

Mit Khamenei wurden auch mehrere ebenfalls bei dem Angriff am 28. Februar getötete Angehörige beigesetzt, darunter seine Tochter und seine 14 Monate alte Enkeltochter, sowie die Frau seines Sohnes Mojtaba, der zu seinem Nachfolger als oberster Führer ernannt wurde. Mojtaba Khamenei wurde iranischen Angaben zufolge bei dem Angriff verletzt und ist seither nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden.

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