Von: APA/dpa/Reuters
Bei den iranischen Raketenangriffen auf Israels Süden ist es nach Militärangaben zu direkten Einschlägen in den Wüstenstädten Arad und Dimona gekommen. Die Zerstörungen seien “katastrophal”, mehr als hundert Menschen seien verletzt worden, davon Dutzende schwer, sagte ein israelischer Militärsprecher. Bei einem iranischen Raketenangriff auf Tel Aviv wurden 15 Menschen verletzt, einer davon schwer. Bei einem Raketenangriff auf den Norden Israels wurde ein Mensch getötet.
Nach Polizeiangaben gab es mehrere Einschläge im Bereich des Großraums Tel Aviv. Ein Armeesprecher teilte mit, der Iran habe bei dem Angriff erneut Streumunition eingesetzt. Eine Rakete mit Streumunition zerbricht häufig über dem Ziel in der Luft und verteilt dann Submunitionen, auch Bomblets genannt, über einem großen Gebiet. Nach Militärangaben beträgt der Radius der Einschläge bei dieser Art von Waffe rund zehn Kilometer.
Bilanz seit Kriegsbeginn
Seit Kriegsbeginn am 28. Februar habe der Iran mehr als 400 ballistische Raketen auf Israel abgefeuert. Etwa 92 Prozent der Geschosse seien von der israelischen Raketenabwehr abgefangen worden. In dem Zeitraum von gut drei Wochen habe es vier direkte Einschläge in israelischen Städten gegeben – in Tel Aviv, Beit Shemesh, Arad und Dimona. Dazu kommen Einschläge von Raketentrümmern oder von Bomben aus Streumunition. Bei den iranischen Raketenangriffen in Israel habe es bisher nur zivile Opfer gegeben, sagte der Sprecher.
Kein Kommentar zur Sicherheit von Atomreaktor
Der Militärsprecher wollte sich nicht zur Frage äußern, warum die Raketen in Arad und Dimona nicht von der Raketenabwehr gestoppt werden konnten. Auf die Frage, ob es Sorge um die Sicherheit des israelischen Atomreaktors in der Nähe von Dimona gebe, sagte er: “Kein Kommentar.” Iranische Staatsmedien hatten berichtet, die Raketenangriffe auf die Wüstenstädte hätten einer Atomforschungsanlage gedient, die etwa zehn Kilometer von Dimona und 30 Kilometer von Arad entfernt liegt.
Ein Toter bei Raketenangriff auf Israels Norden
Der Iran setzte seine massiven Raketenangriffe auf israelische Ziele fort. Im Großraum Tel Aviv heulten erneut die Warnsirenen, Menschen eilten in Schutzräume. Ein Einwohner Tel Avivs berichtete, es seien in der Mittelmeermetropole Explosionsgeräusche zu hören. Der Rettungsdienst Magen David Adom teilte mit, es gebe zunächst keine Informationen zu Verletzten. Das iranische Militär teilte derweil mit, es habe den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv mit Drohnen angegriffen. Dafür gab es von der israelischen Armee keine Bestätigung.
Bei einem Raketenangriff auf den Norden Israels wurde nach Angaben von Sanitätern mindestens ein Mensch getötet. Zwei Fahrzeuge seien bei dem Vorfall in Misgav Am an Israels Grenze zum Libanon ausgebrannt, teilte der Rettungsdienst Magen David Adom mit.
Der libanesische TV-Sender Al-Manar berichtete, eine Raketensalve sei vom Libanon aus in Richtung Misgav Am abgefeuert worden. Der Sender steht der proiranischen libanesischen Hisbollah-Miliz nahe. Nach Beginn des Iran-Kriegs hatte auch die Schiitenmiliz ihre Angriffe auf Israel wieder aufgenommen, Israel reagierte mit heftigen Luftangriffen und Bodeneinsätzen in dem nördlichen Nachbarland.
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz und Ministerpräsident Benjamin Netanyahu wiesen indes das Militär an, die Zerstörung von Häusern in libanesischen Grenzdörfern zu beschleunigen. Damit sollen Bedrohungen für israelische Gemeinden beendet werden, teilte Katz am Sonntag mit. Zudem solle die Armee umgehend alle Brücken über den libanesischen Fluss Litani zerstören. Diese würden für “terroristische Aktivitäten” genutzt.
Ziele im Irak
Am Sonntag griff der Iran laut der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA zudem einen Armeestützpunkt nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad mit Drohnen an. Der Stützpunkt nahe dem internationalen Flughafen von Bagdad sei “erneut zum Ziel von Drohnenangriffen geworden”, hieß es. Der Militärkomplex war in der Vergangenheit von der US-Armee genutzt worden.
Seit Beginn des Iran-Kriegs ist auch Bagdad immer wieder Ziel von Drohnenangriffen, die Angriffe richteten sich unter anderem gegen den Flughafen und weitere vom US-Militär genutzte Einrichtungen. Auch die Kurdenregion im Nordirak wurde seitdem immer wieder attackiert. Diese Angriffe wurden pro-iranischen Gruppen zugeschrieben.
Mehr als 1.500 Tote im Iran seit Kriegsbeginn Ende Februar
Im Iran wurden seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe Ende Februar nach offiziellen Angaben mehr als 1.500 Menschen getötet. Unter den Opfern seien mehr als 200 Menschen im Alter von unter 18 Jahren, teilte der iranische Staatssender IRIB unter Berufung auf das Gesundheitsministerium auf der Plattform X mit. 21.000 weitere Menschen seien verletzt worden.
Mehr als 220 medizinische Zentren hätten evakuiert werden müssen. 21 medizinische Mitarbeiter seien tot, berichtete der iranische Sender weiter.
Israel und die USA hatten am 28. Februar mit massiven Luftangriffen auf den Iran begonnen. Bereits am ersten Tag des Iran-Kriegs wurden der oberste iranische Führer, Ayatollah Ali Khamenei, und mehrere weitere Mitglieder der Staatsführung getötet. Teheran reagiert mit massiven Gegenangriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region.




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