Von: APA/Reuters/dpa
Inmitten der stockenden Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran hat Israel weite Teile des Südlibanons zu einer neuen Kampfzone erklärt. Die Streitkräfte würden in dem Gebiet mit großer Härte gegen die libanesische Hisbollah-Miliz vorgehen, schrieb ein Militärsprecher auf der Plattform X. Die Zivilbevölkerung solle sich nördlich des Flusses Zahrani in Sicherheit bringen. Der Fluss verläuft etwa 40 Kilometer nördlich der israelischen Grenze.
In einer Videobotschaft erklärte der Armeesprecher, die Menschen sollten sich von Infrastruktur der proiranischen Hisbollah-Miliz fernhalten. Die israelische Armee bereite sich darauf vor, “mit äußerster Härte” gegen die Miliz vorzugehen. Zuvor hatte das israelische Militär bereits unter anderem die Bewohner der Städte Tyrus und Nabatiyeh zur Evakuierung aufgefordert. Unter der Bevölkerung brach erneut Panik aus. Auf Straßen in Richtung der Hauptstadt Beirut entstanden Augenzeugen zufolge lange Staus.
Es ist das erste Mal, dass die Armee die Räumung der gesamten Zone südlich des Zahrani anordnet. Zuvor galten Evakuierungsaufrufe für das Gebiet südlich des Flusses Litani, der näher an der Grenze liegt. Libanesischen Sicherheitskreisen zufolge flohen viele Menschen in die nördlich gelegene Hafenstadt Sidon. Dort halten sich bereits Tausende Vertriebene aus anderen Teilen des Südlibanons auf. Die neuen Evakuierungsaufrufe fielen mit dem muslimischen Opferfest Eid al-Adha zusammen.
Israel flog mehr als 120 Angriffe
Bereits am Dienstag hatte Israel mehr als 120 Angriffe im Süden und Osten des Libanons geflogen. Nach libanesischen Angaben sind mindestens 31 Menschen getötet und 40 weitere verletzt worden. Auch ein libanesischer Soldat wurde am Dienstag bei den Angriffen getötet. Wie es von der Armee hieß, wurde sein Leichnam am Mittwochnachmittag geborgen
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte jüngst gesagt, dass die Armee den Einsatz im Libanon verstärke. Israels Armee verkündete zudem am Dienstag eine Ausweitung ihrer Bodeneinsätze im Süden des Nachbarlandes. Am Mittwoch rief die Armee auch fast alle Bewohner der Küstenstadt Tyrus und umliegender Orte zur Flucht auf. Israel werde dort gegen die Hisbollah vorgehen, teilte ein Militärsprecher in arabischer Sprache auf der Plattform X mit. Grund seien die Angriffe der vom Iran unterstützten Miliz auf Israel.
Schwere Gefechte
Die israelische Luftwaffe griff libanesischen Angaben zufolge dreimal auch die Umgebung des Qaraoun-Stausees südöstlich der Hauptstadt Beirut an. Die Behörde für den Litani-Fluss warnte vor “katastrophalen Risiken für Anrainer, Infrastruktur und wichtige Einrichtungen stromabwärts”. Qaraoun ist der größte Stausee des Landes und entscheidend für die Versorgung mit Wasser und Strom in der Region.
Aus Kreisen der Hisbollah hieß es, die Miliz liefere sich schwere Gefechte mit israelischen Bodentruppen nördlich des Litani-Flusses. Kämpfer der Miliz seien in Nähe der sogenannten “gelben Linie” auf die israelischen Truppen gestoßen. Die israelische Armee hat ihre Einsätze jenseits dieser Linie ausgeweitet, die sechs bis zehn Kilometer entfernt von der israelischen Grenze verläuft.
Israels Armee teilte unterdes am Mittwoch in der Früh mit, sie habe im Südlibanon ein Hisbollah-Mitglied getötet, das versucht habe, dort eine Drohne zu bergen. In der Nacht hatte es nach Beschuss aus dem Libanon zudem im Norden Israels Luftalarm gegeben. Das Geschoss aus dem Nachbarland traf Militärangaben zufolge auf offenes Gelände.
Krieg trotz Waffenruhe
Eigentlich wurde im Krieg zwischen Israel und dem Libanon im April eine Waffenruhe verkündet, die seitdem zweimal verlängert wurde. Faktisch läuft der Krieg aber weiter. Israel und die vom Iran unterstützte Hisbollah greifen sich gegenseitig fast täglich an. Mit der von Netanyahu angekündigten Verstärkung der Angriffe sowie der Ausweitung der Bodeneinsätze wächst die Sorge, dass israelische Truppen den Libanon wie in den 1980er und 1990er Jahren dauerhaft besetzen könnten.
Die Hisbollah setzt israelischen Medienberichten zufolge neuerdings auch Glasfaserdrohnen ein, die als unempfindlich gelten gegen Störsender. Sie sind über Glasfaserkabel direkt mit den Piloten verbunden. Die Kabel erreichen bis zu 30 Kilometer Länge, womit die Drohnen auch weiter entfernte Ziele treffen können. Ein israelischer Regierungsvertreter sagte dem Sender Channel 12, dass die Armee bisher “hilflos” sei angesichts dieser neuen Bedrohung.




Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen