Von: APA/Reuters/AFP/dpa
Israels Armee hat am Sonntag neue Evakuierungsaufrufe für Ortschaften außerhalb des von ihr kontrollierten Gebietes im Süden des Libanon herausgegeben. Die Bewohner sollten ihre Häuser verlassen und sich mindestens einen Kilometer in offenes Gelände zurückziehen. Das Militär gehe gegen die Hisbollah vor, nachdem diese gegen das Waffenstillstandsabkommen verstoßen habe, hieß es. Unterdessen sorgten Berichte über Plünderungen durch israelische Soldaten im Libanon für Aufsehen.
Jeder, der sich in der Nähe von Hisbollah-Kämpfern oder -Einrichtungen aufhalte, könnte in Gefahr sein, warnte das Militär. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete später eine Reihe israelischer Angriffe im Süden des Libanon. Darunter waren demnach auch Städte, die nicht in den Evakuierungsaufrufen genannt wurden.
Offenbar griechisch-katholisches Kloster angegriffen
Israels Armee beschädigte nach eigenen Angaben bei einem Einsatz gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Süden des Libanon ein Gebäude auf einem “religiösen” Gelände. Im Dorf Yaroun eingesetzte Soldaten hätten bei der Zerstörung von “terroristischer Infrastruktur” in der Gegend eines der Häuser in “einer religiösen Anlage” beschädigt, teilte der Armeesprecher Avichay Adraee am Samstag auf X mit. Demnach feuerte die Hisbollah von dem Gelände aus mehrere Raketen auf israelisches Gebiet ab. Adraee zufolge gab es “keine sichtbaren Anzeichen dafür, dass es sich um ein religiöses Gebäude handelte”. Sobald eindeutige Erkennungsmerkmale an einem anderen Gebäude auf dem Gelände festgestellt worden seien, hätten die Streitkräfte gehandelt, “um weitere Schäden am Gelände zu verhindern”.
Der französischen katholischen Hilfsorganisation L’Oeuvre d’Orient zufolge handelte es sich bei dem Gelände um ein Kloster der Salvatorianerinnen, ein griechisch-katholischer Orden, dem auch die Hilfsorganisation angehört. Die Organisation erklärte, sie verurteile “aufs Schärfste diesen vorsätzlichen Akt der Zerstörung einer Kultstätte sowie den systematischen Abriss von Häusern im Süden des Libanon, der darauf abzielt, die Rückkehr der Zivilbevölkerung zu verhindern”.
Das israelische Außenministerium wies die Vorwürfe zurück. Die vom Ministerium als “Kloster” beschriebene Stätte sei nicht zerstört worden, hieß es auf X, sondern “unversehrt und sicher”. Dazu wurde das Bild eines zweistöckigen Gebäudes veröffentlicht.
Berichte: Plünderungen durch israelische Soldaten im Libanon
Ungeachtet einer scharfen Warnung durch den Generalstabschef hat die israelische Armee nach Medienberichten Schwierigkeiten, mutmaßliche Plünderungen durch Soldaten im Südlibanon zu stoppen. Die israelische Zeitung “Yedioth Ahronot” zitierte einen namentlich nicht genannten Reservisten, der berichtete, er habe mehrere Fälle von Plünderungen im Libanon erlebt.
“Wir trafen an der Grenze viele Reserveeinheiten, sie nahmen einfach alles mit – Waffen, Souvenirs, Schmuck, Decken, Bilder”, berichtete der Soldat. In einem anderen Fall habe er aber erlebt, wie ein israelischer Kommandant Soldaten daran gehindert habe, Raubgut nach Israel mitzunehmen. Auch die israelische Zeitung “Haaretz” berichtete, Soldaten hätten private Häuser und Geschäfte im Libanon geplündert, deren Einwohner oder Besitzer vor den Kämpfen geflohen seien. Bereits im Gaza-Krieg hatte es ähnliche Berichte gegeben.
Militärchef nannte Plünderungen “verwerflich”
Der israelische Generalstabschef Eyal Zamir hatte vor knapp einer Woche in einer Ansprache vor ranghohen Militärs scharf vor möglichen Plünderungen durch Soldaten gewarnt. “Das Phänomen der Plünderungen, falls es existiert, ist verwerflich und kann die gesamte Armee in Verruf bringen”, sagte er nach Medienberichten. “Wenn es solche Vorfälle gegeben hat, werden wir sie untersuchen. Wir werden nicht zur Tagesordnung übergehen.”
Zamir wies die zuständigen Kommandanten demnach an, binnen einer Woche einen ausführlichen Bericht zu dem Thema vorzulegen. Im Falle von Hinweisen auf Vergehen sollten diese zur strafrechtlichen Behandlung an die Militärpolizei übergeben werden.
Feuerpause seit Mitte April
Im Libanon gilt seit dem 17. April eine von US-Präsident Donald Trump verkündete Feuerpause. Israel und die Hisbollah setzten ihre gegenseitigen Angriffe jedoch fort. Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel Israels Vernichtung ist, lehnt sowohl die Waffenruhe als auch direkte Gespräche Beiruts mit Israel ab. Dem Waffenruhe-Abkommen zufolge hat Israel das Recht, gegen “geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe” vorzugehen.
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Khamenei feuerte die von Teheran finanzierte und im Libanon seit Jahrzehnten einflussreiche Hisbollah Raketen auf Israel ab. Israel flog daraufhin massive Angriffe auf Teile des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.




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