Schlagabtausch mit Trump

Papst macht illegalen Einwanderer zum Bischof in Republikaner-Hochburg

Sonntag, 03. Mai 2026 | 08:55 Uhr

Von: mk

Rom – Papst Leo XIV. lässt sich nach dem Schlagabtausch mit US-Präsident Donald Trump nicht einschüchtern und setzt gleich mehrere Zeichen. Seinen aktuellen Besuch in Kamerun nutzte er für eine scharfe Warnung vor Kriegstreiberei. Gleichzeitig macht der Papst einen Priester, der selbst illegal eingewandert ist, zum Bischof von Wheeling-Charleston im US-Bundesstaat West Virginia – einer Hochburg der Republikaner.

Menjivar-Ayala war 1990 im Alter von 20 Jahren als Flüchtling aus El Salvador im Kofferraum eines Autos illegal über die mexikanische Grenze bei Tijuana in die USA eingereist, berichtet der Guardian. Die Provinz Chalatenango, aus der er stammt, war in den 1980-er Jahren Schauplatz blutiger Konflikte im Bürgerkrieg.

Wie der heute 55-Jähriger erklärte, habe er nur eine Garnitur Wechselwäsche im Rucksack gehabt, dafür aber eine Menge Träume. Seine künftige Diözese in den USA umfasst den gesamten Bundesstaat West Virginia, wo die rund 110.000 Katholiken eine Minderheit unter den 1,8 Millionen Einwohnern bilden.

Die Migrationspolitik und insbesondere das Vorgehen der Behörde ICE gegen Einwanderer ist neben dem Irankrieg ein wesentlicher Punkt des Konflikts zwischen US-Regierung und katholischer Kirche. Bereits im November 2025 hatte die Konferenz der Bischöfe in den USA in einer seltenen Erklärung den Umgang der Trump-Regierung mit Migranten missbilligt.

Viele Arbeiter, die in West-Virginia durch den Niedergang des Kohle-Bergbaus ihre Jobs verloren, wählten bei der Präsidentschaftswahl 2024 republikanisch. 70 Prozent der abgegebenen Stimmen gingen an Donald Trump.

Doch nicht nur die Migrationspolitik des US-Präsidenten wird vom Vatikan scharf kritisiert. In Kamerun erklärte Papst Leo XIV, die Welt werde „von einer Handvoll Tyrannen zerstört und von Myriaden solidarischer Brüder und Schwestern aufrechterhalten“. Weil er keine konkreten Namen nannte, bleibt die Kritik an Gewalt und Zerstörung zwar grundsätzlich. Die Verantwortlichen in den globalen Machzentren dürften sie aber dennoch verstanden haben.

Gleichzeitig beweist Papst Leo einmal mehr: Er lässt sich von Donald Trumps Aussagen nicht mundtot machen und nimmt weiterhin zu politischen Themen Stellung.

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