Die wechselseitigen Raketenangriffe gingen auch am Montag weiter

Israel gibt Tötung von Chef einer Hisbollah-Einheit bekannt

Montag, 09. März 2026 | 17:56 Uhr

Von: APA/dpa/AFP

Im Zuge ihrer Offensive gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz hat die israelische Armee den Chef einer im Südlibanon agierenden Hisbollah-Einheit getötet. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sei bei einem Besuch an der Grenze zum Libanon darüber informiert worden, dass der Kommandant der Hisbollah-Einheit Nasser, Abou Hussein Ragheb, bei einem Angriff in der Nacht getötet worden sei, teilte sein Ministerium am Montag mit.

Als eine von drei Hisbollah-Einheiten im Südlibanon ist die Nasser-Einheit im Osten des Gebiets aktiv. Nach dem Angriff der radikalislamischen Hamas auf Israel im Oktober 2023 hatte sie als erstes eine zweite Front gegen Israel eröffnet und das Nachbarland vom Norden aus angegriffen.

Libanons Präsident will mit Israel verhandeln

Unterdessen schlug Libanons Präsident Joseph Aoun direkte Verhandlungen mit Israel vor. Aoun habe in einer Videokonferenz mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa eine entsprechende Initiative vorgestellt, hieß es in einer Regierungsmitteilung. Sie basiere auf vier Punkten: ein vollständiger Waffenstillstand, eine sofortige Bereitstellung logistischer Unterstützung für die libanesischen Streitkräfte, eine vollständige Entwaffnung der Hisbollah und direkte Verhandlungen zwischen Libanon und Israel unter internationaler Schirmherrschaft.

An der Videokonferenz nahmen noch weitere Staats- und Regierungschefs aus der Region teil, darunter Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi oder Iraks Ministerpräsident Mohammed al-Sudani. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte Israel zum Einstellen der Kampfhandlungen auf. “Israel sollte seine Aktivitäten im Libanon einstellen”, erklärte Kallas am Montag. Israel habe zwar das Recht zur Selbstverteidigung, seine Reaktion auf die Angriffe der Hisbollah sei jedoch “überzogen”, fuhr Kallas fort.

Kallas forderte zudem die Hisbollah auf, ihre Waffen abzugeben und jegliche Aktionen gegen Israel einzustellen. Mit Blick auf Israel erklärte sie, dessen Vergeltungsschläge führten zur “massenhaften Vertreibungen” und drohten die Situation weiter zu destabilisieren. Diplomatie und eine Rückkehr zur im November 2024 vereinbarten Waffenruhe böten die “beste Chance, zu verhindern, dass der Libanon ins Chaos abrutscht”.

Hunderttausende Vertriebene durch jüngste Eskalation

Aoun betonte, dass mehr als 600.000 Menschen im Libanon im Zuge der jüngsten Eskalation bereits vertrieben worden seien. “Einige von ihnen irren auf den Straßen umher, ohne Obdach und ohne die grundlegendsten Lebensnotwendigkeiten”, sagte er.

Als Reaktion auf die Tötung des iranischen obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei hatte die mit Teheran verbündete Hisbollah vor gut einer Woche wieder Raketen auf Israel abgefeuert. Seitdem greift das israelische Militär wieder im größeren Umfang im Libanon an. Die Hisbollah hat im Libanon eine Art Staat im Staate aufgebaut. Sie sieht sich als einzig wahre Widerstandskraft gegen den Erzfeind Israel. Auch der libanesische Staat ist offiziell im Kriegszustand mit Israel.

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