Von: APA/AFP/dpa/Reuters
Der einflussreiche iranische Funktionär Ali Larijani ist nach israelischen Angaben bei einem Luftangriff in Teheran getötet worden. Wie der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, kam der Generalsekretär des Sicherheitsrats bei einem gezielten Angriff in der Nacht ums Leben. Der konservative Politiker war in den vergangenen Monaten zu einer zentralen Figur im iranischen Machtapparat aufgestiegen. Eine Bestätigung von iranischer Seite gab es zunächst nicht.
Allerdings veröffentlichten iranische Staatsmedien eine handschriftliche Notiz Larijanis. Darin gedenkt er der bei einem US-Angriff getöteten Seeleute, die am Dienstag beigesetzt werden sollen. Zu seinem möglichen Tod wurden keine Angaben gemacht.
Larijani wurde im August 2025 auf den Posten im Sicherheitsrat berufen. Zuvor hatte er als Berater des am 28. Februar getöteten Religionsführers Ayatollah Ali Khamenei gearbeitet. Der Aufstieg des 67-Jährigen überraschte damals viele Beobachter. Larijani galt als Pragmatiker und hegte Ambitionen auf das Präsidentenamt. Für die Wahl 2024 wurde er jedoch vom mächtigen Wächterrat, einem Kontrollgremium, disqualifiziert.
Israel reklamiert Tötung eines wichtigen Kommandanten
Nur kurz zuvor hatten Israels Streitkräfte mitgeteilt, den Kommandanten der iranischen Basij-Einheiten, Brigadegeneral Gholamreza Soleimani, getötet zu haben. Der Angriff sei am Montag in Teheran erfolgt, hieß es in der Mitteilung des Militärs. Aus dem Iran gab es auch dafür keine Bestätigung. Die Basij-Einheiten unter Soleimanis Führung seien für die blutige Niederschlagung der Proteste im Iran im Jänner verantwortlich, schrieb die israelische Armee.
Die Basij-e Mostaz’afin (Mobilisierte der Unterdrückten) ist eine paramilitärische Einheit im Iran. Gegründet nach der Islamischen Revolution 1979 und rekrutiert aus jungen Teilen der Gesellschaft, spielt die Miliz eine zentrale Rolle bei der Unterdrückung von Protesten im Land. Die Miliz ist Teil der mächtigen Revolutionsgarden, ihr sollen mehrere Hunderttausend systemtreue Anhänger angehören.
Israel hat im aktuellen Krieg bereits Dutzende führende Persönlichkeiten des iranischen Machtapparats getötet. Irans oberster Führer Ali Khamenei war am 28. Februar bei einem israelischen Luftangriff in der Hauptstadt Teheran getötet worden. Nach israelischen Medienberichten versuchte die israelische Armee außerdem, ein ranghohes Mitglied der palästinensischen Terrororganisation Islamischer Jihad im Iran zu töten.
Larijani als “Mann des Systems”
Irans Sicherheitsrat befasst sich mit Fragen der nationalen Sicherheit, der Landesverteidigung sowie dem Schutz der Islamischen Revolution. Neben dem Präsidenten als Vorsitzendem gehören dem Gremium mit rund einem Dutzend Mitgliedern mehrere Minister und Generäle an. Der Generalsekretär ist Gesandter des obersten Führers. Der Rat kann Entscheidungen treffen, ohne das Parlament einzubeziehen, die nach Zustimmung des Religionsführers endgültig sind. Ein wiederkehrendes Thema ist das iranische Atomprogramm.
Larijani studierte Mathematik und galt als “Mann des Systems”, vertrat in den vergangenen Jahren jedoch auch wiederholt moderatere Positionen. Wie viele heutige Politiker machte er zunächst Karriere bei den Revolutionsgarden und stieg bis zum Brigadegeneral auf, ehe er Anfang der Neunzigerjahre aus dem aktiven Dienst ausschied.
Er soll eine Schlüsselrolle bei der Niederschlagung der jüngsten Massenproteste gespielt haben, berichtete das Exilmedium “Iranwire”. Tausende Demonstranten wurden bei den Aufständen Anfang Jänner getötet. Zugleich, so zitierte das Portal einen Insider, habe Larijani an “kulturelle und wirtschaftliche Reformen sowie an diplomatische Annäherung – ähnlich den Reformen in China” geglaubt. Die USA belegten den Funktionär wegen seiner Rolle bei der Repression mit Sanktionen.
Israels Armeechef: “Bedeutende präventive Erfolge”
Die israelische Armee teilte mit, Generalstabschef Eyal Zamir habe mit Blick auf nächtliche Angriffe im Iran von “bedeutenden präventiven Erfolgen” gesprochen. Diese hätten “das Potenzial, die operativen Ergebnisse und die Ziele der israelischen Armee zu beeinflussen”, sagte Zamir, ohne sich konkret auf Larijani zu beziehen. Er sagte lediglich, die Armee gehe “entschlossen gegen mehrere Ziele im Iran” vor. Man nehme neben Infrastruktur der iranischen Machthaber auch “Elemente der Revolutionsgarden und des repressiven Apparats des Regimes” ins Visier.
Das Büro des Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu veröffentlichte ein Bild des Regierungschefs unter der Überschrift: “Ministerpräsident Benjamin Netanyahu befiehlt die Tötung hochrangiger Vertreter des iranischen Regimes.”
Mehrere Detonationen unweit von Jerusalem
Nach einem Raketenalarm gab es am Dienstag unweit von Jerusalem mehrere Detonationen. Die Explosionen waren zu hören, nachdem im Norden Israels die Sirenen wegen eines iranischen Angriffs geheult hatten, berichteten AFP-Reporter. Die israelische Armee meldete, vom Iran aus seien Raketen Richtung Israel abgefeuert worden. Die Luftabwehr sei im Einsatz, um die Geschosse abzufangen.
Unterdessen lehnte das neue geistliche Oberhaupt des Iran, Mojtaba Khamenei, einem Insider zufolge Vorschläge zur Entspannung des Verhältnisses mit den USA ab. Diese Vorschläge seien von zwei Vermittlerstaaten dem iranischen Außenministerium übermittelt worden. In der ersten außenpolitischen Sitzung in seiner neuen Funktion habe er eine “sehr harte und ernste” Haltung in der Frage der Vergeltung eingenommen, erklärte der Vertreter der iranischen Regierung weiter.
Er ließ aber offen, ob das geistliche Oberhaupt persönlich bei der Sitzung anwesend war. Die USA und Israel müssten besiegt werden und Entschädigungen zahlen, habe Khamenei gefordert.




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