Verhärtete Fronten

Khamenei verbietet Ausfuhr von hochangereichertem Uran

Donnerstag, 21. Mai 2026 | 15:46 Uhr

Von: APA/Reuters/AFP

Irans Oberster Führer Ayatollah Mojtaba Khamenei hat Insidern zufolge angeordnet, dass hochangereichertes Uran nicht ins Ausland gebracht werden darf. Damit verhärtet die Regierung in Teheran ihre Haltung zu einer zentralen Forderung der USA in den Gesprächen zur Beendigung des Krieges, wie zwei hochrangige iranische Insider sagten. Die Anweisung dürfte US-Präsident Donald Trump weiter verärgern.

Israelischen Vertretern zufolge hat Trump der Regierung in Jerusalem versprochen, dass die iranischen Bestände an hochangereichertem Uran außer Landes geschafft werden. Andernfalls werde es kein Abkommen zur Beendigung des Krieges geben. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte am 10. Mai dem US-Sender CBS gesagt, er werde den Krieg erst dann als beendet betrachten, wenn das angereicherte Uran aus dem Iran entfernt sei, Teheran seine Unterstützung für verbündete Milizen einstelle und seine Fähigkeiten zum Bau ballistischer Raketen beseitigt seien. Das Weiße Haus und das iranische Außenministerium äußerten sich zunächst nicht zu den Informationen.

Pakistans Armeechef reist für Vermittlungen nach Teheran

Sechs Wochen nach Beginn einer brüchigen Feuerpause haben die von Pakistan vermittelten Friedensgespräche noch keinen Durchbruch gebracht. Eine US-Blockade iranischer Häfen und die Kontrolle Teherans über die Straße von Hormuz erschweren die Verhandlungen zusätzlich. Im Iran herrscht den Insidern zufolge tiefes Misstrauen, dass die von Washington ausgerufene “Unterbrechung der Feindseligkeiten” ein taktisches Täuschungsmanöver sein könnte, um vor neuen Angriffen ein Gefühl der Sicherheit zu schaffen.

Die iranische Führung gehe davon aus, dass ein Export des Urans das Land verwundbarer für künftige Angriffe der USA und Israels machen würde, hieß es weiter. Der iranische Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf sagte am Mittwoch, “offensichtliche und versteckte Schritte des Feindes” zeigten, dass die Amerikaner neue Angriffe vorbereiteten. Trump erklärte seinerseits am Mittwoch, die USA seien zu weiteren Angriffen bereit, sollte der Iran einem Friedensabkommen nicht zustimmen. Washington könne jedoch noch einige Tage auf die “richtigen Antworten” warten.

Der im Iran-Krieg als Vermittler auftretende pakistanische Armeechef Asim Munir wurde indes am Donnerstag in Teheran erwartet. Munir werde “Gespräche und Konsultationen” mit den iranischen Behörden fortsetzen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur ISNA. Nähere Details zum Inhalt der Treffen wurden nicht bekannt.

“Praktikable Lösungsansätze”

Zwar haben der Iran und die USA Insidern zufolge begonnen, einige Differenzen beizulegen. Bei Teherans Atomprogramm bleiben jedoch tiefe Gräben. Vor dem Krieg hatte der Iran noch Bereitschaft signalisiert, die Hälfte seiner auf 60 Prozent angereicherten Uranbestände auszuführen. Diese Position habe sich jedoch nach wiederholten Drohungen Trumps geändert, sagten die Insider. Dennoch gebe es “praktikable Lösungsansätze” zur Lösung des Problems, etwa einen Abbau der Bestände unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA).

IAEA: Unklar, wie viel angereichertes Uran der Iran noch hat

Die IAEA schätzt, dass der Iran über 440,9 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran verfügte, als Israel und die USA im Juni 2025 ihre ersten Angriffe auf iranische Atomanlagen flogen. Wie viel davon noch vorhanden ist, ist unklar. IAEA-Chef Rafael Grossi hatte im März erklärt, die verbliebenen Bestände lagerten “hauptsächlich” in einem Tunnelkomplex in Isfahan. Die Behörde gehe davon aus, dass sich dort etwas mehr als 200 Kilogramm befänden.

Der Iran bestreitet seit langem, nach einer Atombombe zu streben, und gibt an, hochangereichertes Uran für medizinische Zwecke und einen Forschungsreaktor in Teheran zu benötigen, der mit auf rund 20 Prozent angereichertem Uran betrieben wird. Israel verfügt Experten zufolge über ein Atomwaffenarsenal, hat dies jedoch über Jahrzehnte hinweg weder bestätigt noch dementiert.

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