1.470 Akten bearbeitet

Kinder- und Jugendanwältin stellt Tätigkeitsbericht 2025 vor

Mittwoch, 10. Juni 2026 | 12:17 Uhr

Von: mk

Bozen – Das Team der Kinder- und Jugendanwaltschaft war auch im vergangenen Jahr insbesondere in der Beratung und Vermittlung tätig, wie die Kinder- und Jugendanwältin Daniela Höller am heutigen Mittwochvormittag bei der Vorstellung ihres Tätigkeitsberichtes 2025 im Landtag betonte. Alles in allem wurden 1.470 Akten bearbeitet. Die Anfragen betrafen vor allem den Kinder- und Jugendschutz, die Schule, verschiedene Projekte und Kollaborationen, nicht begleitete ausländische Minderjährige, familiäre Konflikte, Situationen mit Mehrfachproblematiken, Mobbing sowie Trennung und Scheidung der Eltern.

Kinder- und Jugendanwältin Höller erklärte dazu: „Jedes Kind sowie jede und jeder Jugendliche hat das Recht auf Schutz und ein offenes Ohr. Gerade bei Streit zu Hause oder Problemen in der Schule ist der Druck oft groß. Wir lassen junge Menschen mit ihren Fragen und Sorgen nicht allein.“

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft hielt zahlreiche Vorträge und Workshops in Bildungseinrichtungen aller Stufen und in allen Landesteilen und erreichte dadurch rund 3.000 Minderjährige. Ein Teil davon waren Kindergarten- und Grundschulkinder, die dank des KIJA-Botschafterprojektes über ihre Rechte informiert werden konnten. Die Vorträge und Workshops ermöglichen es der Kinder- und Jugendanwaltschaft, im Bereich der Sensibilisierung und Prävention zu arbeiten. Zudem hielt das Büro auch Informationsveranstaltungen für Erwachsene zu kinder- und jugendrelevanten Themen ab.

Im Jahr 2025 nutzte das Team vermehrt die Social-Media-Kanäle, um in Kurzvideos verschiedene rechtliche Fragen zu beantworten, Projekte und Initiativen vorzustellen und über die Rechte junger Menschen zu informieren. Ergänzt wurde dieses Angebot durch einige neue Broschüren und Falter, etwa zur Schüler:innencharta oder zur sicheren Nutzung von Social Media.

Viele der Projekte wurden im Netzwerk verwirklicht, wie beispielsweise die Einweihung des Platzes der Kinderrechte am Rathausplatz in Bozen. Unabhängig davon hat sich die Kinder- und Jugendanwältin Höller regelmäßig mit Fachkräften von verschiedenen Diensten, Behörden und Vereinen in verschiedenen Arbeitsgruppen getroffen.

Im Bereich der Interessensvertretung war das Büro in Form von Stellungnahmen, Gutachten und Meldungen tätig. Außerdem hat die Kinder- und Jugendanwaltschaft auch im Jahr 2025 freiwillige Vormundinnen und Vormunde für nicht begleitete ausländische Minderjährige ausgebildet und begleitet. Im vergangenen Jahr wurde außerdem das Projekt der externen Ansprechperson für fremduntergebrachte Kinder und Jugendliche fortgeführt. Aufgrund der positiven Rückmeldungen möchte die Kinder- und Jugendanwaltschaft auch in Zukunft in regelmäßigen Abständen Wohngemeinschaften in ganz Südtirol besuchen. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche, die nicht in ihrer Herkunftsfamilie aufwachsen können und daher in einem Heim leben, über ihre Rechte zu informieren und sie bei persönlichen Anliegen zu unterstützen.

Kinder- und Jugendanwältin Höller sieht außerdem insbesondere in folgenden Bereichen Handlungsbedarf: Klare Leitlinien und Bewusstseinsbildung bei Mobbing, Abkommen zwischen Italien und deutschsprachigen EU-Mitgliedstaaten bei Fremdunterbringungen und die Wiederaufnahme der Vorträge externer Referentinnen und Referenten in den Schulen.

Der vollständige Tätigkeitsbericht kann hier auf der Website der Kinder- und Jugendanwaltschaft heruntergeladen und nachgelesen werden.

Fragen und Stellungnahmen der Abgeordneten

Landesrat Philipp Achammer bedankte sich für die Arbeit der KIJA und sagte u.a., er wolle die Aktion KIJA-Botschafter positiv herausheben. In den nächsten Monaten werde man sich im Landtag mit den neuen Bestimmungen zum Sexualunterricht in den Schulen auseinandersetzen müssen. Wie sehe Kinder- und Jugendanwältin dieses Thema? Das würde auch ihn interessieren, so Zeno Oberkofler (Grüne) u.a. und erkundigte sich nach den nicht begleiteten ausländischen Minderjährigen.

Franz Locher (SVP) erkundigte sich u.a. nach der Nachmittags- und Sommerbetreuung für Kinder. Während die Sommerbetreuung gut funktioniere, gebe es bei der Nachmittagsbetreuung Aufholbedarf. Ohne solche Betreuung wären viele Kinder und Jugendliche alleine zu Hause und würden sich hauptsächlich mit dem Smartphone beschäftigen. Wie sehe die Kinder- und Jugendanwältin das Thema? Was würde sie machen – mehr schulische Betreuung oder Aktivitäten?

Auch Waltraud Deeg (SVP) bedankte sich bei der KIJA für die Arbeit und erkundigte sich u.a. nach Gewalt an Jugendlichen. Könne mit den derzeitigen Fachkräften das Thema ausreichend angegangen werden? Die Abgeordnete erkundigte sich zudem nach der Fremdunterbringung deutschsprachiger Kinder aus Südtirol in anderen italienischen Regionen.

Einen Dank für die Präsentation sprach auch Sandro Repetto (PD – Demokratische Partei) aus und erkundigte sich u.a., ob die Anzahl der Fälle der KIJA im Steigen sei und wie die Zusammenarbeit zwischen den Ombudsstellen ablaufe.

Kinder- und Jugendanwältin Daniela Höller unterstrich u.a., dass Sexualerziehung den Grundstein für ein gesundes Körpergefühl lege; es sei wichtig seine Grenzen zu kennen, aber auch die Grenzen anderer.  Sexualerziehung sei auch Gewaltschutz. Die Entwicklung in Italien sehe man mit Besorgnis. Zum Thema MISNA: Man tue sich immer schwerer Freiwillige zu finden, es sei wichtig, dass diese gut abgesichert seien. Kinder und Jugendliche erlebten einen hohen Leistungsdruck, sowohl in Schule als auch in der Freizeit. Man müsse schauen, hier Luft rauszukriegen, es brauche einen leistungsfreien Raum. Bei der Nachmittagsbetreuung brauche es eine Verzahnung von öffentlichem Bereich mit dem Dritten Sektor.  Zum Thema Gewaltschutz: Die Sozialdienste würden Großartiges leisten, es gebe aber zum Teil einen Personalmangel. Man dürfe junge Sozialassistent:innen nicht “verbrennen”. Bei der Fremdunterbringung sei es für deutschsprachige Jugendliche wichtig im deutschsprachigen Raum unterzukommen, auch wenn es um Therapieangebote gehe. Man sehe bereits seit Jahren, dass man zunehmend Fälle über mehrere Jahre begleite – es gehe dabei oft um Mehrfachproblematiken. Die Anzahl der neuen Fälle sei mit 600 – 700 im Jahr relativ konstant.

Bezirk: Bozen

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