Plötzlich "Unsere Brenner-Grenze", nicht mehr "Unrechtsgrenze"

Kronbichler wünscht sich ein “Minimum diplomatischen Anstand” von Österreich

Dienstag, 04. Juli 2017 | 23:29 Uhr

Brenner/Rom – Der Südtiroler Parlamentarier Florian Kronbichler stärkt der Landesregierung den Rücken und kritisiert die Aussagen der österreichischen Bundesminister Kurz und Doskozil. “Die Lage am Brenner ist nach meinen persönlichen Erkundungen bei Quästur und Grenzpolizei so, wie Landeshauptmann Arno Kompatscher und Bürgermeister Franz Kompatscher sie darstellen: nämlich ruhig und stabil“, so Kronbichler in einer Aussendung. Auch Kronbichler zufolge betreiben Österreichs Politiker gerade Panikmache und würden einen Notstand herbeireden, den es nicht gäbe, den sie jedoch offenbar provozieren wollten. Südtirol müsse sich die Frage stellen, was von den Erklärungen seiner Schutzmacht zu halten ist.

“Die genannten Südtiroler Verantwortungsträger bringen die unerwartet grobe Dramatisierung des Flüchtlingsproblems vonseiten Österreichs mit dem Wahlkampf dort in Verbindung. Dies dürfte der Wirklichkeit entsprechen”, so der Grünen-Abgeordnete. Es wäre jedoch schlimm, den Herren Bundesministern Kurz und Doskozil sowie Landeshauptmann Platter dies als mildernden Umstand zugute zu halten. Es sei im Gegenteil erschwerend, die Not der Flüchtlinge und die Angst vor diesen zu Wahlkampfzwecken zu missbrauchen.

Befremdlich: Kurz spricht von “unsere Brenner-Grenze”, nicht mehr “Unrechtsgrenze”

Landeshauptmann Kompatscher möge nicht das, was er in Südtirol dankenswerter Weise anprangert, den österreichischen Kollegen diplomatisch nachsehen, appelliert Kronbichler an den Landeshauptmann. Er hätte, im Gegenteil, die moralische Autorität, sie ein Minimum diplomatischen Anstand zu lehren. “Es wird erst noch weisen, was Außenminister und ÖVP-Obmann Sebastian Kurz, dieses angeblich so unwiderstehliche politische Talent, politisch angerichtet hat mit dem Satz: ‘Wir werden unsere Brenner-Grenze schützen’. ‘Unsere Brenner-Grenze’! Darf diese Benennung aus dem Mund eines österreichischen Außenministers befremden? Der Sprung von der ‘Unrechtsgrenze’ zu ‘unserer Grenze’ ist offenbar vollzogen”, bemerkt Kronbichler kritisch.

“Was Verteidigungsminister Doskozil an Kriegsrhetorik verbricht und wie dienerisch Landeshauptmann Platter ihr beipflichtet, ist hingegen unwürdig. Es ist Bergschuh-Diplomatie, wie österreichische Spitzenpolitiker sich dazu hinreißen lassen, das in der Flüchtlingsfrage sicher überforderte Nachbarland Italien an seine Pflichten an der immer noch ungefährdeten österreichischen Grenze zu gemahnen. Und wollen wir pietätvoll schweigen darüber, wie Minister Kurz und Droskozil sich erdreisten, Italien zu belehren, was es an seiner Südgrenze zu tun habe. Wer weit innen sitzt, sollte nicht gar zu unbefangen von ‘Außengrenzen schützen!’ reden”, so Kronbichler abschließend.

Von: mho

Kommentare

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13 Kommentare auf "Kronbichler wünscht sich ein “Minimum diplomatischen Anstand” von Österreich"


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Tratscher
1 Monat 11 Tage

Bin gespannt was jene dazu sagen, die immer Los von Italien rufen.. Das angeblich so verhasste Italien setzt sich für eine offene Brennergrenze ein (wieso lassen wir mal offen), das geliebte Vaterland hingegen für das dichtmachen zu Südtirol.

Jo73
Jo73
Grünschnabel
1 Monat 11 Tage

@unter: Häää, wie bitte? Was hat jetzt das Eine mit dem Anderen zu tun?

unter
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Tratscher
1 Monat 11 Tage

@Jo73 Dass du nicht mehr einfach ins “Vaterland” fahren kannst ohne Kontrollen usw. Aber nicht wegen Italien, sondern wegen dem “Vaterland”

unter
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Tratscher
1 Monat 11 Tage

Ach ja und das Österreich nicht in der Vergangenheit stecken geblieben ist und Südtirol als Teil von Italien sieht. Ansonsten würde es kaum billigen Wahlkamp auf Kosten Südtirols betreiben.

Natuerlich
Natuerlich
Tratscher
1 Monat 11 Tage

Ich finde diese Aktion von Österreich gut. Kronbichler kann ja mit seinen Freunden von links außen in Afrika Entwicklungshilfe leisten

Popeye
Popeye
Superredner
1 Monat 11 Tage

Kurz und Sobotka sind Flachwurzler die nur Wahlgeplaenkel im Sinne haben. Verwerfliche Kleingeister sind es.

Lingustar
Lingustar
Tratscher
1 Monat 11 Tage
Also ich kann die Österreicher sehr gut verstehen, denn die handeln lediglich nach dem Grundsatz “Vorbeugen ist besser als Heilen” Und ob nun irgendwelche Dummschwätzer beim Brenner von Unrechtsgrenze oder sonstwas labern, ist der Brenner ein probates Mittel, Italien endlich zum Handeln zu bewegen. Italien wird von niemanden gezwungen, im Süden “Änderungen” vorzunehmen, aber wenn dort nichts geschieht, dann ist Italien auch für die Folgen verantwortlich und muss sehen, wie es damit fertig wird. Aber nach dem Motto “Augen zu und durch” und wir schieben das von uns zu verantwortende Problem den Anderen zu, funktioniert nicht wirklich, wie die Vergangenheit… Weiterlesen »
Krampus
Krampus
Superredner
1 Monat 11 Tage

ach gott… kronbichlers aussagen werden normalerweise erst dann behandelt, wenn man zum heiteren teil übergeht…

man erinnere sich zurück an seine “glossen” in der “tageszeitung”…

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

Flor meldet sich wieder mal, Wahlen ante Portas😊

ivo815
ivo815
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage
Observer
Observer
Neuling
1 Monat 10 Tage

Kurz wäre es sicherlich auch lieber, wenn Kontrollen bei Salurn stattfinden würden

krakatau
krakatau
Superredner
1 Monat 11 Tage

Wenn Italien schon unfähig ist seine Grenzen zu kontrollieren dann hoffentlich Österreich und ich hoffe sie lassen sich nicht davon abbringen

herbstscheich
herbstscheich
Superredner
1 Monat 10 Tage

florian Kronbichler sitzt im Römischen Parlament als:
Lista di elezione SINISTRA ECOLOGIA LIBERTA’ – also
 da gibt es keine “Grünen” (höchstens hinter den Ohren…)

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