Von: mk
Bozen – Mit einem Begehrensantrag setzt sich SVP-Fraktionsvorsitzender Harald Stauder für stärkere Anreize ein, damit Menschen auch nach Erreichen des Rentenalters freiwillig länger im Erwerbsleben bleiben. Ziel ist es, dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken und gleichzeitig das Rentensystem zu entlasten.
Hintergrund ist der demografische Wandel: In den kommenden Jahren werden viele Menschen gleichzeitig in Rente gehen, während in zahlreichen Branchen bereits heute Arbeitskräfte fehlen. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung, wodurch das bestehende Rentensystem zunehmend unter Druck gerät. Dennoch entscheiden sich viele Beschäftigte derzeit für einen möglichst frühen Ruhestand, nicht zuletzt, weil zusätzliche Erwerbsarbeit im Alter oft steuerlich wenig attraktiv ist.
Der Begehrensantrag, der von Franz Locher und Angelo Gennaccaro mitunterzeichnet und mit großer Mehrheit genehmigt wurde, fordert daher konkrete Maßnahmen auf staatlicher Ebene. Unter anderem soll geprüft werden, ob bei einem späteren Renteneintritt ein Teil der Rentenbeiträge direkt an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausgezahlt werden kann – steuer- und abgabenfrei. Zudem soll sichergestellt werden, dass der erworbene Rentenanspruch auch bei Weiterarbeit vollständig erhalten bleibt und jederzeit in Anspruch genommen werden kann. Weitere Punkte betreffen eine Reform der Besteuerung von Renten- und Erwerbseinkommen sowie eine gezielte Entlastung der Arbeitgeber bei der Weiterbeschäftigung älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
„Wir müssen die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sich freiwilliges längeres Arbeiten auch wirklich lohnt. Es geht nicht darum, jemanden zum Arbeiten zu verpflichten, sondern faire und verlässliche Anreize zu schaffen“, erklärt Harald Stauder.
Handwerk unterstützt Begehrensantrag
„Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sind Fachkräfte gefragter denn je. Umso wichtiger sind Maßnahmen, die freiwilliges Weiterarbeiten über das Pensionsalter hinaus attraktiver zu machen“, erklärt der Handwerksverband lvh.apa zum Antrag.
Nicht nur im Südtiroler Handwerk sei der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften deutlich spürbar. Alle Sektoren kämpfen händeringend um ausgebildete Fachleute. Gleichzeitig verfügen viele ältere Personen über wertvolle Erfahrung, hohe Fachkompetenz und ein starkes Verantwortungsbewusstsein. Dieses Potenzial werde derzeit jedoch nicht ausreichend genutzt.
„Gerade im Handwerk sehen wir täglich, wie wichtig Erfahrung und Know-how sind. Viele unserer Betriebe würden gerne auf das Wissen älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger zurückgreifen – doch die aktuellen Rahmenbedingungen setzen oft die falschen Anreize bzw. bestrafen jene, die weiterarbeiten möchten“, erklärt Walter Pöhl, Direktor im lvh.apa
Insofern begrüßt der lvh.apa den Begehrensantrag des Landtagsabgeordneten Harald Stauder an das italienische Parlament und an die italienische Regierung. Er schlägt konkrete Maßnahmen vor, die finanzielle Anreize für längeres Arbeiten schaffen sollen. Dazu zählen etwa Modelle, bei denen Rentenbeiträge bei aufgeschobenem Renteneintritt direkt an die Beschäftigten ausbezahlt werden – steuer- und abgabenfrei. Dies könne das Nettoeinkommen deutlich erhöhen und einen echten Unterschied machen.
Auch die geforderte Rechtssicherheit für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sei aus Sicht des Handwerks zentral: Wer sich freiwillig für eine Weiterbeschäftigung entscheidet, müsse sich darauf verlassen können, dass der erworbene Rentenanspruch vollständig erhalten bleibt und jederzeit unter den ursprünglichen Bedingungen abgerufen werden kann.
Kritisch sieht der lvh.apa zudem die derzeitige steuerliche Behandlung von zusätzlichem Erwerbseinkommen im Rentenalter. „Wenn sich Mehrarbeit finanziell kaum lohnt, darf man sich nicht wundern, dass viele früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Hier braucht es dringend eine Reform hin zu einer spürbaren Entlastung“, untermauert Pöhl.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Entlastung der Betriebe: Durch reduzierte Lohnnebenkosten bei der Weiterbeschäftigung oder Wiedereinstellung von Personen im Rentenalter könnten Unternehmen erfahrene Fachkräfte länger halten, ohne wirtschaftlich zusätzlich belastet zu werden.
Der lvh.apa ist überzeugt, dass ein Bündel solcher Maßnahmen sowohl dem Arbeitsmarkt als auch dem Rentensystem zugutekommt: Mehr Menschen bleiben länger im Erwerbsleben, die Betriebe sichern sich dringend benötigte Fachkräfte, und gleichzeitig wird das Pensionssystem entlastet.
„Es geht um eine Win-win-Situation für alle Beteiligten – für die Beschäftigten, die Betriebe und die Gesellschaft insgesamt. Jetzt braucht es den politischen Willen, die richtigen Weichen zu stellen“, betont lvh-Direktor Pöhl abschließend.
Auch HGV begrüßt Begehrensantrag des Südtiroler Landtages
Auch der Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV) begrüßt den vom Südtiroler Landtag angenommenen Begehrensantrag zur Förderung der Erwerbstätigkeit von Pensionierten. Angesichts des Arbeits- und Fachkräftemangels setzt der Antrag ein wichtiges Signal, das vorhandene Potenzial erfahrener Arbeitskräfte besser zu nutzen. Gleichzeitig gilt es die Jugend nicht zu vergessen.
„Die Einbindung von pensionierten Fachkräften in den Arbeitsmarkt ist eine Möglichkeit, um dem Arbeits- und Fachkräftemangel zu begegnen“, erklärt HGV-Präsident Klaus Berger. „Viele Pensionierte wären bereit, weiterhin zu arbeiten und ihre Erfahrung aktiv einzubringen – wenn die finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen entsprechend vorteilhaft sind“, so Berger.
Durch die Annahme des Begehrensantrags, der auf Initiative des Abgeordneten im Südtiroler Landtag Harald Stauder eingebracht wurde, setzt der Landtag ein wichtiges Signal an den Staat, gezielte und wirksame Anreize für die Weiterbeschäftigung von Pensionierten zu schaffen. Wesentliche Hebel, insbesondere im Steuer- und Sozialversicherungsrecht, liegen in staatlicher Zuständigkeit. „Als Verband haben wir dazu bereits in der Vergangenheit konkrete Vorschläge vorgelegt – von steuerlichen Begünstigungen über reduzierte Sozialbeiträge bis zur Vereinfachung der gelegentlichen Beschäftigungsform PrestO“, erklärt HGV-Direktor Raffael Mooswalder.
Gleichzeitig betont der HGV, dass eine nachhaltige Fachkräftesicherung nur gelingen kann, wenn auch junge Menschen frühzeitig in Beschäftigung gebracht werden. Dazu braucht es gezielte Maßnahmen: eine stärkere Berufsorientierung bereits in der Schulzeit, attraktive Ausbildungsmöglichkeiten und optimale Rahmenbedingungen für den Berufseinstieg. Ebenso zentral ist es, dem Abwandern junger Fachkräfte entgegenzuwirken und ihnen langfristige Perspektiven im Land zu bieten, heißt es abschließend in einer Presseaussendung des HGV.
Von Dellemann macht Druck
Die Generation 60+ in der SVP fordert ein Umdenken in der Arbeits- und Steuerpolitik: Wer über das gesetzliche Pensionsalter hinaus arbeiten möchte, solle davon profitieren und nicht benachteiligt werden. Für Otto von Dellemann, Vorsitzender der Generation 60+ ist klar: “Es kann nicht sein, dass Engagement im Alter durch steuerliche Nachteile ausgebremst wird. Arbeit muss sich lohnen – in jedem Lebensabschnitt.”
Aktuell erlebten viele ältere Erwerbstätige genau das Gegenteil: “Zusätzliche Einkommen führen häufig zu einer höheren Steuerbelastung und mindern so den finanziellen Anreiz, weiter beruflich aktiv zu bleiben. Das schreckt ab und ist kontraproduktiv – sowohl für die Betroffenen als auch für die gesamte Wirtschaft”, so von Dellemann.
Die Generation 60+ sieht dringenden Handlungsbedarf und fordert konkrete Reformen. Im Mittelpunkt stehen eine faire Besteuerung von Pension und Erwerbseinkommen, geringere Abgaben sowie gezielte Anreizmodelle für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ziel sei es, die Entscheidung für ein längeres Arbeitsleben bewusst zu erleichtern.
Denn das Potenzial sei groß: “Wer länger arbeitet, stärkt nicht nur die eigene finanzielle Situation, sondern trägt auch dazu bei, das Sozialsystem zu stabilisieren und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Unternehmen wiederum profitieren von Erfahrung, Know-how und Kontinuität.”
Positiv bewertet wird daher der genehmigte Begehrensantrag “Anreize für längeres Arbeiten im Alter schaffen”. Die Generation 60+, bedankt sich ganz herzlich für den Einsatz und die große Sensibilität für das Thema von Seiten der Antragseinbringer Fraktionsvorsitzenden Harald Stauder und Landtagsabgeordneten Franz Locher. Für die Generation 60+ ist dies ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
“Jetzt braucht es Konsequenz”, fordert von Dellemann. “Da die gesetzlichen Rahmenbedingungen auf nationaler Ebene geregelt werden, muss der Druck auf Rom erhöht werden.” Gleichzeitig müsse das Anliegen sowohl bei den Parlamentariern als auch in der Regionen-Konferenz konsequent vorangetrieben und mit allen politischen Mitteln verfolgt werden.



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