Feier findet auf Schloss Tirol statt

„Landesehrung für Totengräber der Selbstbestimmung“: Kritik des SHB

Montag, 03. September 2018 | 16:29 Uhr

Bozen – Am 5. September 2018 wird auf Schloss Tirol dem österreichischen Ministerialbeamten Dr. Helmut Tichy der „Große Verdienstorden des Landes Südtirol“ feierlich verliehen werden. Kritik kommt allerdings vom Südtiroler Heimatbund (SHB).

Ehrung erfolge ausschließlich aus wahltaktischen Gründen, um die unterwürfige Politik der SVP gegenüber Rom zu bestätigen und das Selbstbestimmungsrecht ad Acta legen zu können, erklärt SHB-Obmann Roland Lang.

Begründet wird die Verleihung des höchsten Landesordens an Dr. Tichy damit, dass er als Leiter des Völkerrechtsbüros im österreichischen Außenministerium „stets zur Stelle“ gewesen sei, „wann immer Südtirol um rechtliche Unterstützung ersuchte“.

Am 18. November 2016 habe Tichy den Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher bei dessen Ablehnung der Selbstbestimmung für Südtirol unterstützt. Er habe nämlich im November 2016 anlässlich der Gedenkveranstaltung „70 Jahre Pariser Vertrag“ in Bozen erklärt, dass Südtirol sein Selbstbestimmungsrecht bereits „in der Form weitgehender Autonomie“ ausübe. Damit habe der Beamte Dr. Tichy auch der politischen Linie seines damaligen ÖVP-Außenministers Kurz entsprochen, betont der Heimatbund.

„Nun ist es richtig, dass die Ausübung der Selbstbestimmung auch zu einer Autonomie führen kann, wenn sich die Bevölkerung in einer Volksabstimmung mit der Wahlmöglichkeit zwischen ‚Los von Rom‘ und einer ‚Autonomielösung innerhalb Italiens‘ für die zweite Variante entscheidet. Dr. Helmut Tichy weiß aber sicherlich, dass eine solche Volksabstimmung in Südtirol nie stattgefunden hat“, erklärt Lang.

Das heutige Autonomie-Paket sei am 23. November 1969 von den Delegierten einer außerordentlichen Landesversammlung der Südtiroler Volkspartei (SVP) angenommen worden – also von den Funktionären eines Parteigremiums.

Das Autonomiestatut wurde sodann von dem italienischen Staatspräsidenten mit Dekret Nr. 670 vom 31. August 1972 in Kraft gesetzt. Der Artikel 1 des Statuts bekräftigt auch die politische Einheit „der einen und unteilbaren Republik Italien“, womit jegliches Streben nach Selbstbestimmung als verfassungsfeindlich qualifiziert wird.
„Es ist nicht anzunehmen, dass Dr. Helmut Tichy tatsächlich den Beschluss einer Partei-Delegiertenversammlung für die Ausübung des Selbstbestimmungsrechts der gesamten Landesbevölkerung hält“, fügt Lang hinzu. Der SHB hat damals am 20. November 2016 in einer Presseerklärung festgehalten, dass Dr. Tichy hier im Sinne der damaligen österreichischen Bundesregierung eine Umdeutung des Begriffes „Selbstbestimmungsrecht“ versucht habe.

„Die jetzige ‚Ehrung‘ des dienstergebenen Beamten Dr. Tichy hat wohl wenig mit dessen ‚Verdiensten‘ zu tun. Sie dient wohl eher dazu, die SVP-Politik der ständigen Erfüllung der Wünsche Roms zu legitimieren. Daher wird die durch Dr. Tichy vertretene Politik der Beerdigung der Südtirol-Frage von Landeshauptmann Kompatscher und der SVP-Parteispitze als vorbildhaft hingestellt. Man ‚ehrt‘ Dr. Tichy und meint sich selbst. Einen Großteil der Bevölkerung wird man damit nicht täuschen können. Zu sehr fällt der falsche Zungenschlag auf“, erklärt Lang abschließend.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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10 Kommentare auf "„Landesehrung für Totengräber der Selbstbestimmung“: Kritik des SHB"


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Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
17 Tage 20 h
Herr Roland Lang. Die Mehrheit der Südtiroler-innen sind der Meinung, dass sie als Italiener-innen hier in Italien und der Italien Freundlichen S V P Gut aufgehoben sind. Oder? Würden sie sonst S V P wählen? Die Mehrheit der Südtiroler-innen stehen Stramm wenn die Italienische Hymne gespielt wird, die Hand aufs Herz, und Singen lautstark mit. Sie würden für ihr Italien in den Krieg ziehen, siehe Debatte, Wiedereinführung des Militärs. Sie sind Stolz auf den Ausweis von Italien, wie Reinhold Messner. Sie Lieben den Staat, es ist jetzt ihrer. Selbstbestimmung brauchen sie nicht mehr, die Vorzüge einer Autonomie reichen bei weiten,und… Weiterlesen »
Marco schwarz
Marco schwarz
Tratscher
17 Tage 20 h

@Gagarella Schon sehr bedenklich, wenn sich jemand anmutet für die Mehrheit der Südtiroler zu sprechen. Wars soo schlecht die letzten Jahre? Über positive Errungenschaften wird nie gesprochen, die sind schon zu alltäglich, oder zu normal gel? Dass es uns so gut geht verdanken wir nich SHB, STF oder FH oder sonst wem. Bedenkt wenn wir bei Österreich wären… Keine Sicherheit für die Bergbauern, normales Bundesland wie jedes andere, ohne Privilegien, Einkaufstempel überall vor den Dörfern, kleiner Einzelhandel praktisch nicht vorhanden. So schauts aus. Aber wahrscheinlich kommst nirgendwo hin um das zu sehen!

bon jour
bon jour
Superredner
17 Tage 19 h

die Mehrheit wählt immer noch SVP.

Norbi
Norbi
Superredner
17 Tage 19 h

@ Gagarella
 
Die Mehrheit der Südtiroler-haben “sie getrunken oder sind sie besoffen”

Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
17 Tage 11 h

@Norbi   Die Mehrheit wählt nicht S V P?????? Was dann?

Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
17 Tage 10 h

@Marco schwarz   Die Mehrheit der Süd-TIroler wählt die Italienisch Freundlich gesinnte S V P! Mir soll es Gut gehen?
Weil ich gezwungen werde etwas zu sein, was ich nicht bin?
Warum sollte es uns bei Österreich schlechter gehen? Ich fahre sehr wohl über die Landesgrenzen hinaus, und sehe die Pracht-Häuser, Hotels, den Wirtschaftsaufschwung, den Lebensstandard. Ihnen geht es um kein Haar schlechter, auch ohne Autonomie!

algunder
algunder
Tratscher
17 Tage 9 h

Wia konnsche sou an schmorrn schreibm????

Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
17 Tage 6 h

@Norbi Wenn ich Trinke, binich Besoffen. Die Mehrheit der Süd-Tiroler wählt also nicht SVP? Dann bin ich wohl dauernd Besoffen!

Tabernakel
17 Tage 21 h

Das sagt der Totengräber der politischen Kultur.

mandorr
mandorr
Tratscher
17 Tage 4 Min

Man sollte ihn noch eine Auszeichnung geben

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