Proporz und Zweisprachigkeit bald nur noch auf dem Papier?

Leitner: „Post und Bahn pfeifen auf die Autonomie“

Montag, 25. Juni 2018 | 13:04 Uhr

Bozen – „Es ist unglaublich, wie leichtfertig inzwischen bei der Bahn und bei der Post mit Autonomiebestimmungen umgegangen wird. Noch unglaublicher ist jedoch die Gleichgültigkeit der politisch Verantwortlichen. Das jüngste Urteil, dass die SAD beim Bahndienst nicht mehr den Proporz einhalten muss, droht einen Dominoeffekt auszulösen und zentrale Schutzbestimmungen der Südtiroler Autonomie zu begraben. Es ist nur eine Frage der Zeit bis andere Konzessionsbetriebe das jüngste Urteil zum Anlass nehmen, um ebenfalls auf lästige Wettbewerbe zu verzichten und Personen ohne Zweisprachigkeitsnachweis und Sprachgruppenzugehörigkeit in den Dienst zu nehmen“, schreibt der Ehrenobmann der Freiheitlichen, Pius Leitner, in einer Aussendung.

Leitner berichtet von klaren Anzeichen, dass auch bei der Post und bei der Bahn die Autonomiebestimmungen bezüglich Proporz und Zweisprachigkeit nicht mehr angewandt werden.

„So warten interessierte Südtiroler vergebens auf eine zeitweilige Anstellung bei der Post und müssen erfahren, dass stattdessen Personen aus anderen italienischen Provinzen beschäftigt werden. Diese sind natürlich der deutschen Sprache nicht mächtig und ein Briefträger aus Frosinone oder Brindisi finden schwerlich die Adressaten. Zudem sind diese Abberufungen mit beachtlichen Zusatzkosten verbunden; die Post kommt nämlich für Unterkunft und weitere Erstattungen auf. Diese Vorgangsweise ist durch nichts zu rechtfertigen, wenn Bewerbungen aus Südtirol selbst vorliegen“, kritisiert Leitner.

„Noch schlimmer ist es bei der Bahn, wo seit Jahren kaum Wettbewerbe ausgeschrieben werden und wo man Proporz und Zweisprachigkeit immer mehr aushöhlt. Letzthin wurden wieder Bedienstete von außerhalb Südtirols, meist aus dem Trentino, geholt. Auch bei der Bahn wurden interessierte Personen aus Südtirol erst gar nicht vorgeladen, sondern gleich Leute von auswärts geholt. Auch in diesen Fällen schlagen höhere Versetzungskosten zu Buche. Das Proporzdekret aus dem Jahre 1976 sah bei der Bahn über 3.000 Stellen vor, inzwischen sind es tatsächlich nur noch rund 600. Der Proporz wird dabei bei weitem nicht eingehalten und die Südtiroler befinden sich meist in den unteren Kategorien – sie dürfen aber die Zweisprachigkeit garantieren! Hat sich die Landesregierung jemals überlegt, was von den Autonomiebestimmungen übrigbleibt, wenn die Südtiroler Bahn- und Postbediensteten der Proporzära in den Ruhestand treten? Ein Flaggschiff der Autonomie steht vor dem Untergang“, schließt Leitner.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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12 Kommentare auf "Leitner: „Post und Bahn pfeifen auf die Autonomie“"


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Regenschirm
Regenschirm
Neuling
27 Tage 1 h

Und Herr Leitner pfeift anscheinend aufs Volk, denn nach dem jahrelangem Kritisieren, war er schnell beim abkassieren.🙈

fritzol
fritzol
Superredner
26 Tage 15 h

bravo guter kommentar

Obelix
Obelix
Superredner
27 Tage 1 h

Wo er Recht hat, hat er Recht.

gina57
gina57
Neuling
26 Tage 21 h

Seit Kompatscher an der Regierung ist das gang und gebe ,arbeite in einem Altersheim,Einheimische müssen die Zweisprachigkeitsprüfung haben,dann werden sie angestellt aber ohne werden sie nicht angestellt,dafür ungarn,slowaken,bulgaren,süditaliener ohne zweisprachigkeit werden angestellt .Das ist Gerechtigkeit gegenüber der Einheimischen Bevölkerung ?????????????? habe mich erkundigt warum das geht ,ich habe zur Antwort bekommen,das ist ein Abkommen mit der Landesregierung.

Tabernakel
26 Tage 19 h

Wie viele Südtiroler bewerben sich auf eine freie Stelle?

m69
m69
Superredner
26 Tage 19 h

@Tabernakel 
GENUG, DAS IST SICHER!

anonymous
anonymous
Superredner
26 Tage 22 h

Vollkommen recht hat er ,die Walschen können machen was die wollen,armes Südtirol u die Deutsche Muttersprache

m69
m69
Superredner
27 Tage 32 Min

Wo bleibt der Proporz? wo bleibt die Zweisprachigkeit der Angestellten, die sich mit dem Publikum am Schlalter befinden?

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
26 Tage 20 h

Mir ist noch nicht zu Ohren gekommen, dass deutschsprachige Südtiroler Bewerber keinen Posten bei Post oder Bahn bekommen hätten, da schon durch Italiener besetzt. Falls ich da was übersehen habe, darf man mich gerne darauf hinweisen.

Proporz ist eine schöne Sache. Aber wenn den Job dann gar keiner macht, weil der Proporz eingehalten werden muss, dann ist der Schaden noch viel größer.
Eine Kostenfrage kann’s nicht sein, die Post arbeitet so oder so viel zu kostenintensiv, ein paar höhere Gehälter machen da keinen Unterschied.

Nathan
Nathan
Tratscher
26 Tage 19 h

Die Befürchtung, dass den Job keiner macht weil der Proporz einzuhalten ist, scheint mir völlig überzogen. Eher bin ich der Meinung man  solle sich ohne Wenn und Aber daran halten und ansonsten hinterfragen warum jemand den einen oder anderen Job nicht macht. Der Ursache auf den Grund gehen und nicht bestehende Regeln abändern und dadurch andere Probleme schaffen!

m69
m69
Superredner
26 Tage 18 h
Die Italienische Post umgeht die Zweisprachigkeit in einigen Bereichen, wie z.B. bei der täglichen Zustellung der Postämter in ganz Südtirol, die sich fast zur gänze in privater Hand befindet. Ps. ich habe viele Jahre bei der Italienischen  Post gearbeitet, nun nicht mehr 🙂 Als Anfang der 2000 Jahre die Postzustellung den privaten “Padroncini” übergeben wurde ( nicht alle Linien, aber doch einige) war ein Fahrer der für diese private Firma fuhr ein Mann aus Magreb, der weder Deutsch noch italienisch weder englisch sprach, er konnte aber sehr gut französisch sprechen! :-))))))) Die Linie war die vom Vinschgau, wo fast jeder… Weiterlesen »
Neumi
Neumi
Universalgelehrter
26 Tage 4 h

@Nathan Naja, es ist halt so, dass man hier oft keine Leute findet, frag mal im Sanitätswesen nach. Haben wir etwas neuerdigs genug Ärzte?
Und jemand von außerhalb spricht halt nicht beide Sprachen, egal woher er kommt.

Hast du denn ein Beispiel für einen deutschsprachigen Südtiroler, der den Posten als Briefträger oder Schaffner oder Fahrkartenverkäufer nicht gekriegt hat?

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