Von: mk
Bozen – Der SVP-Landtagsabgeordnete Franz Locher hat mit einer Anfrage im Landtag die Nutzung der Müllverwertungsanlage in Bozen Süd unter die Lupe genommen. Eines steht fest: Südtirol kann sich glücklich schätzen – mit dem 2013 in Betrieb gegangenen Verbrennungsofen in Bozen verfügt das Land über eine Infrastruktur, die in Italien nach wie vor keine Selbstverständlichkeit ist. Derzeit gibt es auf auf dem Staatsgebiet lediglich 35 entsprechende Anlagen.
Wird die Anlage in Bozen Süd optimal genutzt oder geht noch mehr? Diese Frage hat Locher in der laufenden Landtagssitzung gestellt. „Es geht darum, die maximale Leistung aus dem Verbrennungsofen herauszuholen und eventuell auch über alternative Brennstoffe wie minderwertiges Schadholz nachzudenken.“ Die aktuellen Zahlen zeigen die Bedeutung der Anlage für Südtirol deutlich auf: Im Jahr 2025 wurden in Bozen insgesamt 128.006 Tonnen Abfall thermisch verwertet, die derzeit maximale Kapazität liegt bei 130.000 Tonnen. Dabei sind 87.170 Megawattstunden elektrische Energie entstanden. Davon wurden über 13 Prozent für den Eigenbedarf der Anlage verwendet, während der verbleibende Anteil in das nationale Stromnetz eingespeist wurde.
Darüber hinaus erzeugt die Anlage 129.044 Megawattstunden thermische Energie, die vollständig dem Fernwärmenetz zur Verfügung gestellt wurde. Damit leistet der Verbrennungsofen einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung von tausenden Haushalten und Betrieben und ist der wichtigste Baustein in der Wärmeversorgung der Landeshauptstadt. „Die Anfrage hat ergeben, dass eine vollständige Versorgung über die Müllverbrennungsanlage derzeit nicht realistisch ist. Dazu wäre eine deutlich höhere Erzeugungskapazität nötig und würde auch zusätzliche Spitzenlastabdeckungen für die Wintermonate voraussetzen“, sagt Locher. Besonders erfreut zeigt sich Locher aber über die Information, dass der Industrieplan 2026 – 2028 eine zusätzliche Wärmeproduktion über Biomasse vorsieht.
Mehr Biomasse, weniger fossile Energieträger
In den vergangenen Jahren ist das Fernwärmenetz in Bozen stetig gewachsen. Zu Beginn des Jahres 2026 wurden über 554 Anschlüsse etwa 11.250 Wohnungen mit Wärme versorgt, die Zahl der Anschlüsse im Dienstleistungssektor lag bei 926. Insgesamt werden rund 23.000 Einwohner in Bozen mit Fernwärme aus dem Verbrennungsofen versorgt. Locher bewertet die Entwicklung positiv: „Südtirol profitiert bereits seit mehr als einem Jahrzehnt von den Vorteilen der thermischen Abfallverwertung und versorgt Tausende von Haushalten mit Strom und Wärme. Blicken wir nach Trient, ist die Situation komplett eine andere.“ Er verweist darauf, dass der geplante Verbrennungsofen in der Nachbarsprovinz voraussichtlich erst im Jahr 2033 in Betrieb gehen wird. Bis dahin muss der Restmüll aus dem Trentino weiterhin nach Brescia und Bergamo transportiert werden.
Neben der sicheren Entsorgung und deutlichen Reduzierung des Restmüllvolumens schafft die Anlage in Bozen also einen zusätzlichen Mehrwert durch die Produktion von Strom und Wärme. Angesichts steigender Anforderungen an eine nachhaltige Abfallwirtschaft und eine möglichst effiziente Nutzung bestehender Infrastrukturen erscheint auch künftig eine laufende Überprüfung der Auslastung und Entwicklungsperspektiven der Anlage sinnvoll. „Südtirol verfügt mit dem Verbrennungsofen in Bozen über einen wichtigen Standortvorteil. Umso wichtiger ist es, die vorhandenen Kapazitäten bestmöglich zu nutzen und die Anlage als Teil einer modernen Kreislauf- und Energiewirtschaft weiterzuentwickeln“, so Locher. Sein Wunsch für die Zukunft: „Bei der Erzeugung von thermischer und elektrischer Energie sollte in Zukunft mehr auf Biomasse und weniger auf fossile Energieträger gesetzt werden.“




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