Von: apa
Die gesundheitsgefährdenden Phänomene Einsamkeit und soziale Isolation sollen mit dem Projekt “Lonely-EU” durch eine einheitliche Strategie bis hinab auf die lokale Ebene angegangen werden. “30 Prozent der EU-Bürgerinnen und EU-Bürger geben an, sich einsam zu fühlen, 28 Prozent in Österreich. Das zeigt, dass Einsamkeit kein Randthema ist”, sagte Evelyn Regner, SPÖ-Abgeordnete im EU-Parlament und Projektschirmherrin am Freitag bei einem Medientermin in Wien.
Einsamkeit sei ein “gesellschaftliches Problem, und kein persönliches Versagen”, stellte Regner gleich zu Beginn fest. Sie könne Alleinerziehende, junge oder alte Menschen betreffen, schwäche die Gesundheit mit Herzkreislauferkrankungen oder Depressionen als mögliche Folgen der Isolation und schwäche ebenso auch die Demokratie. Zudem sei sie auch Resultat sozialer Ungleichheit, da etwa Menschen mit Migrationshintergrund oder geringem Einkommen übermäßig betroffen seien.
Aktionsplan gegen Einsamkeit
Einsamkeit ist aber ebenso eine europäische Herausforderung, unterstrich Regner – und da setze das Projekt “Lonely-EU” an. Die EU-Abgeordnete richtete an die EU-Kommission hier die Forderung nach einer europäischen Strategie samt einem Aktionsplan gegen Einsamkeit. Zur Minderung brauche es eine “soziale Infrastruktur” wie etwa Nachbarschaftszentren, sagte Regner. Es gelte zudem das Thema aus der Tabuzone zu holen und die unterschiedlichen Ursachen anzugehen, denn der Ansatz “One size fits all” funktioniere hier nicht.
Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) nannte 750.000 Menschen, die allein in Österreich stark an Einsamkeit leiden würden. Sie sei einerseits ein “gesellschaftliches Massenphänomen”, das andererseits auch “klaren sozialen Mustern” folgen würde. Und es seien jung und alt gleichermaßen betroffen: “Junge Erwachsene durch unstabile Lebensphasen”, so Schumann, “ältere Menschen über 80 Jahre oft durch gesundheitliche Einschränkungen oder eingeschränkte Mobilität.”
Ihr Ministerium verfolge mehrere Ansätze. Insgesamt gelte es etwa die soziale Teilhabe zu stärken oder ein Gesundheitssystem, das auch psychische Gesundheit in den Fokus stellt, weiter auszubauen. Als Beispiel nannte sie das “Social Prescribing” in Ordinationen, bei dem soziale Angebote mehr oder weniger “verschrieben” werden können. Und wie bei “Lonely-EU” baue man auch in Österreich auf Forschung und Vernetzung.
Drei Jahre Laufzeit
“Lonely-EU”, das von der EU mit rund drei Millionen Euro budgetiert wurde und eine Laufzeit von drei Jahren hat, will Wissenschaft und Politik zusammen bringen, oder neue Ansätze auf Basis bereits integrierter nationaler Strategien finden. Judith Merkies, die Policy-Leiterin des Projekts, sagte zu den sozialen Auslösern, dass natürlich nicht jeder, der arm sei, auch automatisch einsam sei – “aber es erhöht die Chancen.” Auch Merkies unterstrich, dass Einsamkeit vom Tabu zum Thema werden müsse. Und nachdem jeder Mensch Momente der Einsamkeit empfinde, gelte es auch zu sagen: “Es ist normal, einsam zu sein”, da diese nicht nur gesellschaftliche Herausforderung, sondern auch Teil des Lebens ist.
Die Ziele von “Lonely-EU” sind jedenfalls klar definiert und bauen auf einem Säulenmodell auf. Laut EU-Kommission sollen aus empirischen Erkenntnissen als erste Säule dann “evidenzbasierte Empfehlungen zur Prävention, Bekämpfung und Überwachung” von Einsamkeit und sozialer Isolation in Europa werden. Vernetzung und Verbreitung dieser Ansätze sollen als abschließender Schritt folgen.
(S E R V I C E – https://lonelinessineurope.eu/)




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