Wieder sorgten russisiche Raketen für Tod und Zerstörung

Mehrere Tote bei russischen Angriffen auf Charkiw

Samstag, 07. März 2026 | 10:48 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters

Russland hat die Ukraine erneut mit Luftangriffen überzogen und allein in der zweitgrößten Stadt Charkiw im Osten zahlreiche Menschen getötet und verletzt. Beim Einschlag einer ballistischen Rakete in einem Wohnhaus seien mindestens sieben Menschen getötet worden, teilte der Militärgouverneur von Charkiw, Oleh Synjehubow, am Samstag in der Früh auf Telegram mit. Unter den Toten waren demnach auch ein Bub und ein 13 Jahre altes Mädchen.

Die Zahl der Opfer hatte sich am Morgen immer wieder erhöht, weil Rettungskräfte die Leichen erst nach und nach aus den Trümmern zogen. Auf den veröffentlichten Fotos waren schwere Schäden an dem fünfgeschoßigen Wohnhaus zu sehen. Demnach sprengte die Rakete große Teile des Gebäudes weg. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von mehr als zehn Verletzten. “Russland hat 29 Raketen, davon fast die Hälfte ballistische Raketen, und 480 Drohnen, davon die meisten vom Typ Shahed, gegen die Ukraine eingesetzt”, teilte er in den sozialen Netzwerken mit. Einmal mehr sei die Energieversorgung Ziel der russischen Angriffe gewesen.

Selenskyj: Brauchen mehr Schutz

Betroffen waren demnach auch Kiew, die westukrainischen Regionen Chmelnyzkyj und Tscherniwzi (Czernowitz) sowie die Eisenbahn in der Region Schytomyr im Nordwesten des Landes. “Es wurden Schäden in den Regionen Dnipropetrowsk, Saporischschja, Winnyzja, Odessa, Poltawa, Sumy und Tscherkassy festgestellt. Überall, wo es notwendig ist, sind die entsprechenden Dienste im Einsatz”, erklärte Selenskyj auf Telegram. In Kiew hatte Bürgermeister Vitali Klitschko wegen des Raketenalarms die Menschen aufgerufen, Schutz zu suchen.

Das russische Verteidigungsministerium sprach einem Agenturbericht zufolge von einem nächtlichen Großangriff auf Energie- und Militäranlagen in der Ukraine. Die Attacke habe unter anderem Flugplätzen für die Luftwaffe und Industrieanlagen mit Militärbezug gegolten, wurde das Ministerium von der russischen Nachrichtenagentur Interfax zitiert.

Selenskyj appellierte einmal mehr an den Westen, Russland für “diese brutalen Angriffe gegen das Leben” zur Verantwortung zu ziehen. “Wir zählen auf eine aktive Zusammenarbeit mit der EU, um mehr Schutz für unsere Bevölkerung zu gewährleisten. Ich bin allen dankbar, die dazu beitragen, unseren Schutz zu verstärken”, sagte er.

Russland führt seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine seit mehr als vier Jahren. Das attackierte Land hatte von den westlichen Verbündeten zuletzt vor allem mehr Hilfe bei der Luftverteidigung verlangt. Beklagt wird immer wieder ein Mangel an Flugabwehrraketen.

Selenskyj auf Frontbesuch

Zuvor hatte Selenskyj vor einer russischen Frühlingsoffensive gewarnt. Er äußerte sich während einer Reise in die umkämpfte Region Donezk im Osten des Landes. Die Offensive werde gerade vorbereitet und es sei wichtig, dass die Verteidigungspositionen ausgebaut und die ukrainischen Soldaten gut ausgerüstet seien für den Fall, sagte Selenskyj am Freitag in seiner abendlichen Videoansprache – diesmal aus der Stadt Druschkiwka, gut 20 Kilometer von der Front entfernt.

Zuvor hatte Selenskyj mehrere Kommandopunkte der Ukrainer in der Region besucht, Soldaten ausgezeichnet und sich von den Offizieren ein Lagebild geben lassen, wie aus verschiedenen Beiträgen in sozialen Netzwerken des Präsidenten hervorgeht. Es ist nicht die erste Reise Selenskyjs ins Frontgebiet. Die Region Donezk ist schwer umkämpft, die Ukrainer halten noch etwa ein Fünftel des Territoriums, darunter aber auch den gut ausgebauten Verteidigungsgürtel um das Ballungsgebiet rund um Slowjansk und Kramatorsk.

Nach längerer Pause verhandeln Moskau und Kiew inzwischen wieder über einen Weg zur Beendigung des Kriegs. Russland fordert dabei für ein Ende der seit mehr als vier Jahre andauernden Kampfhandlungen den Abzug der ukrainischen Streitkräfte aus dieser Region. Kiew lehnt diese Forderung ab.

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