Pilot in Spanien erschossen - russischer Geheimdienst beschimpft ihn

“Moralische Leiche”

Freitag, 23. Februar 2024 | 08:00 Uhr

Villajoyosa – In der südspanischen Stadt Villajoyosa ist ein Mann in einer Tiefgarage mit mehreren Schüssen ermordet worden. Fünf Tage später wird bekannt: Es handelt sich um den russischen Piloten Maxim Kusminow, der mitten im Krieg die Seiten gewechselt und seinen Hubschrauber vom Typ Mi-8 in der Ukraine gelandet hatte. Nun wird das Opfer vom russischen Auslandsgeheimdienst SWR auch noch beschimpft.

Der ukrainische Geheimdienst hatte den Coup ausgiebig gefeiert: Am 9. August 2023 steuerte der Armeehubschrauber-Pilot einen Transporthelikopter in ukrainisches Territorium – eine Operation, die vom ukrainischen Geheimdienst eingefädelt worden war.

Wie Kusminow damals erklärt hatte, sei er von sich aus zur Einsicht gelangt, dass der russische Überfall auf die Ukraine falsch sei und habe deshalb die ukrainische Seite kontaktiert. Der ukrainische Geheimdienst organisierte daraufhin die Flucht seiner Angehörigen aus Russland. Als sich dem Piloten bei einem Flug die Gelegenheit bot, schaltete er die Kennungssignale ab und zweigte in Richtung Ukraine ab.

Den Ukrainern fielen dadurch ein erst wenige Jahre alter Hubschrauber sowie Ersatzteile für Kampfjets russischer Bauart in die Hände. Der Überläufer soll dafür 460.000 Euro in ukrainischer Währung erhalten haben und lebte darauf in Spanien mit ukrainischem Pass unter falschen Namen. Kiew hatte im April 2022 Belohnungen für die Übergabe von funktionsfähigem russischem Kriegsgerät festgelegt.

Zwei weitere russische Besatzungsmitglieder, die sich nicht ergeben wollten, wurden bei der Aktion erschossen, als sie fliehen wollten.

Nun ist Kusminow selbst nicht mehr am Leben. Der Anschlag ereignete sich bereits am 14. Februar. Wie spanische Medien berichteten, hatte ein Zeuge beobachtet, wie in der Ausfahrt einer Tiefgarage in einem Wohnhaus ein Mann überfahren wurde. Das Opfer war zuvor mit mehreren Schüssen getötet worden.

Neben einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Tass hat dann auch ukrainische öffentliche Rundfunk Kusimows Tod vermeldet und einen Sprecher des ukrainischen Militärgeheimdienstes zu Wort kommen lassen.

Eine Bestätigung spanischer Behörden steht noch aus. Außerdem ist Kusminow erst 28 Jahre alt und nicht 33, wie Medien in Spanien über das Mordopfer berichteten.

Die spanische Polizei ging zunächst von einem Racheakt aus. Hinweise, dass Moskau hinter dem Anschlag steckt, liegen nach offizieller Darstellung nicht vor. In der Vergangenheit hatte Russland allerdings des Öfteren Mordanschläge im Ausland auf als Verräter eingestufte Personen in Auftrag gegeben.

Der Mord scheint die russischen Behörden auf alle Fälle kalt zu lassen: Sergej Naryschkin, der Direktor des russischen Auslandsgeheimdiensts SWR, bezeichnete den Piloten als „eine moralische Leiche“. Mehr wolle er dazu nicht sagen.

Von: mk

Kommentare

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2 Kommentare auf "“Moralische Leiche”"


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Universalgelehrter
1 Monat 22 Tage

Für mich zeigt dieser Mord die Handschrift Putins, ist er dich vergleichbar mit ähnlichen Morden (Tiergartenmord, Mord an Menzow, Politovskaja) im In- und Ausland. Wer sollte sonst schon Interesse daran haben?! Putin ist das Oberhaupt einer weitreichenden und sehr mächtigen Verbrecherorganisation, die schon für viele gezielte Morde verantwortlich ist. Eigentlich hätte er spätestens nach dem Anschlag mit dem Nervenkampfstoff Novitschok auf Skripal von dem IGH und der Europol zur Fahndung ausgeschrieben werden müssen und nicht erst jetzt! Der Kreml ist mit Putin an der Spitze in jeder Hinsicht zur wohl weltweit mächtigsten kriminellen Organisation mutiert!

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 22 Tage

…ein russischer Überläufer muss sich besser vor Putins Mörder verstecken…N.G. applaudiert schon…

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