Selenskyj sprach von Drohnen zur Ausschaltung der Flugabwehr

Moskau greift militärisch-industrielle Anlagen in Ukraine an

Dienstag, 13. Januar 2026 | 13:16 Uhr

Von: APA/dpa/AFP/Reuters

Russische Streitkräfte haben laut Angaben des Verteidigungsministeriums einen Großangriff auf militärisch-industrielle Anlagen in der Ukraine gestartet. Dieser sei eine Reaktion auf ukrainische Angriffe auf russische zivile Infrastruktur gewesen. Der mit bodengestützten Präzisionswaffen sowie Drohnen ausgeführte russische Angriff habe sich gegen Energieinfrastrukturanlagen und Unternehmen des “militärisch-industriellen Komplexes” gerichtet, hieß es am Dienstag.

Selenskyj warnte vor massivem Angriff

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Bürger seines Landes zuvor vor einem weiteren heftigen Angriff Russlands gewarnt. Es gebe Geheimdienstinformationen, wonach Moskau erneut einen massiven Angriff vorbereite, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Konkret sprach er von Drohnen zur Ausschaltung der Flugabwehr und Raketen. Dieser Angriff könne in den nächsten Tagen geschehen, sagte er und forderte die Menschen auf, den Luftalarm zu beachten.

Russland wolle die Kälte ausnutzen. In vielen Regionen der Ukraine fallen die Temperaturen nachts derzeit in den zweistelligen Minusbereich. Bereits am vergangenen Donnerstag hatte Selenskyj vor einem neuen massiven Angriff Moskaus in der Nacht gewarnt. Tatsächlich attackierte Russlands Militär die Ukraine in der Nacht auf Freitag heftig und setzte dabei unter anderem nach eigenen Angaben die neue Mittelstreckenrakete Oreschnik bei einem Angriff auf die westukrainische Region Lwiw ein.

In der Hauptstadt Kiew kam es in der Folge des massiven Angriffs zu so heftigen Ausfällen von Strom-, Wasser- und Heizungsversorgung, dass Bürgermeister Vitali Klitschko zum vorübergehenden Verlassen der Stadt riet. Russland überzieht die Ukraine seit fast vier Jahren mit einem zerstörerischen Angriffskrieg.

Die Ukraine hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 23 Luftabwehrsysteme mittlerer und großer Reichweite erhalten. Zudem seien 11.000 Raketen dafür geliefert worden, sagte der scheidende ukrainische Verteidigungsminister Denys Schmyhal in Kiew. Er äußert sich in einer Rede vor dem Parlament kurz vor seiner erwarteten Ernennung zum Energieminister.

Selenskyj sieht Fortschritte bei Gesprächen mit US-Vertretern

Außerdem sprach Selenskyj von Fortschritten beim Austausch des ukrainischen Verhandlungsteams mit US-Vertretern. Dokumente seien größtenteils unterschriftsreif, sagte er, nannte aber keine Details. Er gehe davon aus, dass das Format Davos im Hinblick auf Beziehungen zu den Partnern der Ukraine und ihren Wiederaufbau nach den russischen Angriffen sehr erfolgreich werde.

In Davos findet traditionell Anfang des Jahres das Weltwirtschaftsforum (WEF) statt. Eigentlich ist es das Jahrestreffen der Mitglieder, überwiegend große Firmen. Sie sollen sich nach WEF-Vorstellungen Gedanken über ihren Beitrag zur Lösung weltweiter Krisen machen. Seit Jahren nutzen Politiker aus aller Welt das Forum für Gespräche in informellem Rahmen.

USA verurteilen Angriff mit Oreschnik-Rakete als “unerklärliche Eskalation”

Bei einer Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats am Montag verurteilten die USA den Angriff Russlands auf die Ukraine mit der modernen Mittelstreckenrakete Oreschnik. “Dies ist eine weitere gefährliche und unerklärliche Eskalation, während die Vereinigten Staaten mit Kiew, anderen Partnern und Moskau zusammenarbeiten, um den Krieg durch eine Verhandlungslösung zu beenden”, sagte die stellvertretende US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Tammy Bruce.

Die russischen Streitkräfte hatten die Oreschnik-Rakete bei massiven nächtlichen Angriffen auf die Ukraine in der Nacht auf Freitag eingesetzt. Nach Angaben Moskaus traf die Hyperschallrakete eine Flugzeug-Instandsetzungsfabrik in der westukrainischen Stadt Lwiw. Die Ukraine erklärte, es sei ein “ziviles” Ziel in der Region getroffen worden. Der Angriff nahe der Grenze zur EU löste empörte Reaktionen westlicher Regierungen aus.

Es war der zweite bekannte Angriff mit einer Rakete diesen Typs in der Ukraine. Im November 2024 hatte die russische Armee mit der modernen atomwaffenfähigen Rakete eine Rüstungsfabrik in der Millionenstadt Dnipro angegriffen.

Vier Tote nach Drohnenangriff nahe Charkiw

Unterdessen sind bei einem russischen Angriff am Stadtrand von Charkiw im Nordosten der Ukraine nach ukrainischen Angaben vier Menschen getötet worden. Bei dem Angriff seien zudem sechs weitere Menschen verletzt worden, erklärte der Gouverneur der Region Charkiw, Oleh Synehubow, am Dienstagmorgen im Onlinedienst Telegram. Nach Angaben des Bürgermeisters von Charkiw, Igor Terechow, traf eine russische Langstreckendrohne eine medizinische Einrichtung für Kinder und löste ein Feuer aus. Bei der Attacke sei ersten Erkenntnissen zufolge niemand verletzt worden.

In der südöstlichen Region Saporischschja waren bei russischen Angriffen Explosionen zu hören, wie der Regionalgouverneur Iwan Fedorow im Onlinedienst Telegram mitteilte. In der Hauptstadt Kiew rief der Leiter der dortigen Militärverwaltung, Timur Tkatschenko, die Einwohner angesichts laufender russischer Angriffe mit ballistischen Raketen zu Vorsicht auf.

Am Montagabend ist bei einem ukrainischen Drohnenangriff russischen Angaben zufolge ein Mensch im Grenzgebiet Brjansk getötet worden. Er sei unterwegs in einem Auto im Dorf Stratschowo nahe der Grenze zur Ukraine ums Leben gekommen, teilte der Gouverneur der Region, Alexander Bogomas, mit.

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