Sitzung der Landesregierung auf Schloss Goldrain

Nationalpark, Waldbrandgefahr und Energie

Dienstag, 14. April 2026 | 16:28 Uhr

Von: luk

Goldrain/Latsch – Ein Gesprächsthema mit besonderer Bedeutung für den Vinschgau ist der Nationalpark Stilfserjoch bei der außerordentlichen Sitzung der Landesregierung auf Schloss Goldrain am 14. April gewesen. Wie Landesrat Peter Brunner, zuständig für den Nationalpark Stilfserjoch, bei der Pressekonferenz erklärte, müsse man die besondere Situation in Südtirol berücksichtigen. Viele Höfe und Betriebe liegen im Nationalpark. “Im Nationalparkplan und in der Nationalparkordnung  haben wir auf die Besonderheiten unseres Landes hingewiesen, wo sich der Nationalpark über zehn Gemeinden erstreckt, wobei zwei Gemeinden – Stilfs und Martell – zur Gänze im Gebiet des Nationalparks liegen. Und wir haben dargestellt, wie wichtig der Schutz des Gebietes, aber auch die wirtschaftliche Entwicklung ist, damit die Bürgerinnen und Bürger in den Parkgemeinden gut leben und wirtschaften können, und gleichzeitig die ökologischen Erfordernisse des Parks gewahrt bleiben”, betonte Brunner.

Der Plan für den Südtiroler Parkanteil liegt ebenso wie jener des Trentino zur Genehmigung beim Ministerium in Rom. Noch ausständig ist der Teil der Lombardei, da der Plan nur als gesamtheitliches Dokument genehmigt werden kann. “Um einen weiteren Stillstand zu vermeiden, sind wir mit Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin im Austausch über eine vorgezogene Genehmigung mittels Ministerialdekret, um in Erwartung der Genehmigung des gesamten Parkplans punktuelle Eingriffe innerhalb des Parks durchführen zu können”, berichtete Landesrat Brunner. Dafür sei auch bereits eine Erhebung der Kubaturen und des Erweiterungspotentials in den Gemeinden durchgeführt worden. Im Mai könne das Paket dem Minister vorgelegt werden.

Parallel dazu wolle sich das Land Unterstützung in Rom in Bezug auf die Genehmigung der Leitlinien des Nationalparks holen: “Die Leitlinien, die die Einheitlichkeit des Parks garantieren, sollen gemeinsam verabschiedet werden. Damit könnte der Weg frei werden, dass die Parkpläne für die jeweiligen Parkanteile getrennt genehmigt werden können und nicht mehr auf den Plan der Lombardei gewartet werden muss”, erklärte Brunner die Strategie des Landes.

Investitionen in Besucherzentren

Besonderes Augenmerk gilt auch den geplanten Maßnahmen zur Stärkung der Infrastruktur des Nationalparks Stilfserjoch. Betroffen sind die Nationalparkhäuser – naturatrafoi in Trafoi, aquaprad in Prad am Stilfserjoch, avimundus in Schlanders, culturamartell in Martell und die Lahnersäge in Ulten -, von denen einige Modernisierungsbedarf aufweisen. Die Investitionen können jedoch von den Nationalparkgemeinden nicht selbst getragen werden. “Bei den Besucherzentren handelt es sich um wichtige Strukturen für die Besucherinformation und Umweltbildung, die die Besonderheiten und Ziele des Schutzgebietes einer breiten Öffentlichkeit vermitteln“, unterstrich Landesrat Brunner. “Aus diesem Grund gewährt die Landesregierung den Nationalparkgemeinden Investitionsbeiträge für die Erneuerung der Besucherzentren und stellt dafür über einen Mehrjahresplan jährlich 850.000 Euro an Finanzmitteln bereit. Davon profitieren auch die Ortschaften des Nationalparks und der nachhaltige Tourismus”, sagte Brunner.

Landesweiter Energietisch im April geplant

Mit Bürgermeistern und Bezirksgemeinschaft gesprochen hat die Landesregierung auch über das Thema Energie. “Wir freuen uns, wieder den landesweiten Energietisch einzurichten. Er wird im April erstmals tagen. Dort werden wir auch über die Spielräume in der hydroelektrischen Nutzung diskutieren. Sobald erste Erkenntnisse dieses technischen Tisches vorliegen, werden wir uns anschauen, was im Vinschgau möglich ist.” Potential gebe es etwa bei den Trinkwasserkraftwerken, wo es rechtliche Erleichterung für eine Doppelnutzung in einem gewissen Umfang geben soll.

In Bezug auf die Neuausschreibung von sieben Großkraftwerken in Südtirol, deren Konzessionen Ende August 2025 verfallen sind (darunter jenes von Graun), betonte Landesrat Peter Brunner: “Wir bereiten derzeit alle Unterlagen vor. Bis Ende des Jahres soll auf Staatsebene klar sein, ob eine Neuausschreibung nötig ist oder doch eine Verlängerung erfolgen kann. Diese wäre über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren denkbar und würde jedenfalls mit bestimmten Leistungen zugunsten des Territoriums verbunden”, führte Landesrat Brunner aus.

Waldbrandgefahr und Prävention
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Forstwirtschaftslandesrat Luis Walcher hat bei der Sitzung in Schloss Goldrain am 14. April über die Waldbrandgefahr im Vinschgau und die Präventionsmaßnahmen des Landesforstdienstes berichtet. Vor einem Jahr war es im Vinschgau zu zwei großen Waldbränden gekommen: dem Waldbrand in Latsch vom 6. bis zum 20. März 2025 und dem Waldbrand im Gebiet der Gemeinden Prad am Stilfserjoch und Stilfs vom 10. bis zum 24. April 2025.

“Die zwei großen Waldbrände im Vinschgau im vergangenen Jahr waren ein klarer Auftrag zum Handeln”, unterstricht Landesrat Walcher: “Wir haben rasch reagiert, indem wir die betroffenen Schutzwälder wieder stabilisiert und beschädigte Infrastrukturen wieder instandgesetzt haben. Jetzt geht es darum, die Voraussetzungen für einen wirksamen Waldbrandschutz in Abstimmung mit den Gemeinden und Freiwilligen Feuerwehren weiter zu stärken, damit im Ernstfall schnell gehandelt werden kann.”

Die Mitarbeiter des Forstinspektorates Schlanders hatten umgehend mit den Aufräumarbeiten im Gelände begonnen, instabile Bäume gefällt, lose Steine entfernt, Wanderwege gesäubert und stark betroffene Schutzwaldbereiche mit Laubholz aufgeforstet. Die Waldbrandinfrastrukturen wurden gewartet und instandgesetzt, ebenso die Zufahrtsstraßen und Wanderwege.

Im Rahmen der mittelfristigen Maßnahmen ist ein kontinuierliches Monitoring der Restwaldbestände, der Verjüngung sowie der Entwicklung potentieller Schadinsekten vorgesehen, legte Landesrat Walcher dar: Die Umwandlung der Wälder in laubholzreiche Mischwälder soll gezielt gefördert werden, um die ökologische Stabilität zu erhöhen. Eine regelmäßige Waldpflege dient der Minderung des Waldbrandrisikos und trägt zum Erhalt gesunder Bestände bei. Zudem ist die Instandsetzung des Forstwegs über Ratschill als Notzufahrt vorgesehen, um im Ernstfall eine schnelle Erreichbarkeit zu gewährleisten. Der Ausbau des Löschbeckens Albl mit einer Zufahrt stellt eine wichtige Maßnahme zur Verbesserung der Löschwasserversorgung dar.

Die geplanten Arbeiten umfassen verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Waldbrandinfrastruktur. Wo notwendig, soll die bestehende Waldbrandinfrastruktur in enger Zusammenarbeit mit den Freiwilligen Feuerwehren, den Grundeigentümern und den Gemeinden weiter ausgebaut werden. Zudem ist vorgesehen, die vorhandenen Infrastrukturen dort, wo es möglich ist, so anzupassen, dass ihre Funktionsfähigkeit auch im Winter und Frühjahr gewährleistet bleibt.

Angesichts des steigenden Waldbrandrisikos muss zukünftig auch überlegt werden, in Gebieten, in denen bislang noch keine Infrastruktur notwendig war – wie beispielsweise am Nörderberg, den Nordhängen des Vinschgaus oder auch in höheren Lagen – eventuell entsprechende Waldbrandinfrastruktur zu errichten. Bei neuen Projekten, etwa im Bereich der Trinkwasserversorgung oder der Beregnung, sollen vermehrt Anschlüsse für die Feuerwehren eingeplant werden.

Bezirk: Vinschgau

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