Von: Ivd
Stegen/Bruneck – Im Zuge des Neubaus der Kehrerbrücke in Stegen ist eine Debatte um historische Reliefs neu entfacht worden. Konkret geht es um sogenannte Liktorenbündel, ein zentrales Machtsymbol aus der Zeit des italienischen Faschismus, das sich bislang an der Brücke befand und nach Abschluss der Bauarbeiten wieder angebracht werden soll.
Der Schützenbezirk Pustertal spricht sich klar gegen eine Wiederanbringung aus. In einer Stellungnahme wird argumentiert, dass das Symbol untrennbar mit der faschistischen Diktatur verbunden sei und insbesondere für die deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerung südlich des Brenners an eine Zeit der Unterdrückung erinnere. Aus Respekt vor den Opfern des Faschismus solle die Stadtgemeinde Bruneck daher auf eine erneute Anbringung verzichten.
In der Aussendung wird zudem die Frage aufgeworfen, wie groß die öffentliche Empörung wäre, würde es sich um ein nationalsozialistisches Symbol handeln. Damit stellt der Schützenbezirk die unterschiedliche gesellschaftliche Wahrnehmung historischer Belastungen zur Diskussion.
Hintergrund ist die generelle Auseinandersetzung mit Relikten aus der Zeit des Faschismus im öffentlichen Raum. In Südtirol wird seit Jahren darüber debattiert, wie mit Denkmälern, Inschriften und Symbolen aus dieser Epoche umzugehen ist – zwischen historischer Einordnung, Kontextualisierung und Entfernung.
Eine offizielle Stellungnahme der Stadtgemeinde Bruneck zur konkreten Frage der Wiederanbringung stand zunächst aus. Ob und in welcher Form die Symbole künftig an der Kehrerbrücke sichtbar sein werden, dürfte somit Gegenstand weiterer politischer Gespräche werden.




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