Kharg-Insel im Persischen Golf ist wichtig für iranischen Ölexport

Neue Eskalation: USA und Iran greifen sich in Golfregion an

Mittwoch, 03. Juni 2026 | 11:56 Uhr

Von: APA/dpa

Die USA und der Iran haben sich eines der schwersten Feuergefechte seit Beginn der Waffenruhe geliefert. Irans Revolutionsgarden feuerten in der Nacht ballistische Raketen und Drohnen auf die benachbarten Golfstaaten Kuwait und Bahrain. Am Flughafen von Kuwait-Stadt wurde ein Mensch getötet und weitere verletzt, teilten das Außen- sowie das Verteidigungsministerium des Golfstaats mit. Es habe im Passagierbereich an Terminal 1 auch schwere Sachschäden gegeben.

Die Streitkräfte Kuwaits seien bereit, “jegliche Schritte” zu unternehmen, um die Sicherheit und Stabilität des kleinen Landes am Persischen Golf zu schützen. Die Behörde für zivile Luftfahrt teilte mit, dass alle für heute geplanten Flüge ausgesetzt oder an andere Flughäfen umgeleitet worden seien. Iranische Raketen und Drohnen hätten das Flughafengebäude getroffen und mehrere Einrichtungen beschädigt, teilte die Behörde der Staatsagentur Kuna zufolge mit. Am Flughafen sei ein Notfallplan aktiviert worden.

Es waren nicht die ersten gegenseitigen Angriffe seit Inkrafttreten der Waffenruhe am 8. April, aber mit jeder neuen Attacke steigt die Furcht vor einer erneuten Eskalation des Kriegs. Der jüngste Schlagabtausch erfolgte vor dem Hintergrund stockender Verhandlungen um ein Rahmenabkommen, mit dem der Krieg beendet und die Straße von Hormuz wieder für die Schifffahrt geöffnet werden soll.

Das US-Militär wehrte die Angriffe des Irans nach eigenen Angaben erfolgreich ab. Mehrere ballistische Raketen und Drohnen seien abgefangen worden, teilte das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando (Centcom) auf X mit. Als Reaktion habe man zudem “Selbstverteidigungsschläge” auf die iranische Insel Qeshm durchgeführt. Kurz darauf wehrte das US-Militär nach eigenen Angaben eine weitere “Welle iranischer Drohnen” ab, die Einrichtungen des US-Militärs in Kuwait zum Ziel hatten.

Iran meldet Vergeltung nach US-Angriff auf Öltanker

Grund für den jüngsten gegenseitigen Beschuss schien ein Einsatz des US-Militärs vom Dienstag gewesen zu sein. Die Streitkräfte hatten vor der für Irans Ölexport wichtigen Insel Kharg nach eigenen Angaben einen unbeladenen Öltanker angegriffen. Dieser soll versucht haben, trotz der US-Blockade einen iranischen Hafen anzulaufen. Das Schiff habe Warnungen ignoriert und sei letztlich mit einer Rakete außer Gefecht gesetzt worden, hieß es.

Ein iranischer Militärsprecher bestätigte auf der Plattform X Vergeltungsschläge durch die Revolutionsgarden, der Elitestreitmacht der Islamischen Republik. Man habe gewarnt, “dass jede Aggression eine andere und entschiedenere Reaktion nach sich ziehen würde, und wir haben diese auch umgesetzt. Diese Reaktionen sollten eine Lehre sein”, hieß es. Jede Bedrohung der Sicherheit der Straße von Hormuz werde das US-Militär “teuer zu stehen kommen”, warnte er.

Irans Streitkräfte hatten kurz nach Kriegsbeginn die Kontrolle über die Meerenge übernommen, die als Exportroute für Dünger, Öl und Flüssiggas für die Weltwirtschaft von großer Bedeutung ist. Die USA haben ihrerseits eine Seeblockade verhängt, um den Iran am Export von Öl zu hindern. Die USA wollen eine uneingeschränkte Wiederöffnung der Straße von Hormuz erreichen.

Trump: Gespräche mit Teheran laufen weiter

US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag ungeachtet gegenteiliger Aussagen aus dem Iran bekräftigt, dass die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran zum Iran-Krieg andauern. “Fake-News-Berichte, wonach die Islamische Republik Iran und die USA vor einigen Tagen die Gespräche eingestellt hätten, sind falsch und irreführend”, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Die Gespräche liefen ununterbrochen weiter. “Wohin sie führen, weiß man nie”, schrieb Trump weiter. Aber er habe dem Iran gesagt, es sei an der Zeit, “auf die eine oder andere Weise einen Deal abzuschließen”.

Vor Trumps Post hatte die iranische Nachrichtenagentur Fars, die den Revolutionsgarden nahesteht, berichtet, seit mehreren Tagen fänden keine Gespräche mehr zwischen Teheran und Washington statt. Bereits am Montag hatte die iranische Agentur Tasnim ähnlich berichtet und das Ende der indirekten Verhandlungen mit dem andauernden Krieg Israels gegen die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon begründet.

Am Montag hatte Trump ein Ende der Kämpfe im Libanon angekündigt. Heute sollen die politischen Gespräche zwischen Vertretern Israels und des Libanons in der US-Hauptstadt Washington fortgesetzt werden. Libanons Regierung ist selbst keine Konfliktpartei. Die Hisbollah lehnt Verhandlungen mit Israel aber ab.

Kommentare

Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen