Von: mk
Naturns – In einem Brief hat der Südtiroler Heimatbund (SHB) den Bürgermeister der Marktgemeinde Naturns, Zeno Christanell, über die mit Regionalgesetz vorgesehenen Gebrauch der Trikoloreschleife bzw. des Bürgermeisterkette aufgeklärt. Mit der Trikoloreschleife vertrete ein Bürgermeister die römische Regierung, mit dem Medaillon die Gemeindeverwaltung, so der Heimatbund.
Beim Neujahrsständchen habe der Bürgermeister im Namen der Bevölkerung der Musikkapelle Naturns mit umgehängter Trikoloreschleife und der landesüblichen Bürgermeisterkette gedankt. „Dies zeigt, dass der Bürgermeister über den Gebrauch dieser Amtszeichen nicht informiert ist“, erklärt Roland, Obmann des Südtiroler Heimatbundes. Die Kapelle sei außerdem bereits vor dem Königreich Italien gegründet worden.
In einem offenen Brief wendet sich Lang direkt an den Bürgermeister. Wörtlich heißt es darin:
Der Südtiroler Heimatbund teilt vollkommen Ihre Meinung, mit der Sie als Bürgermeister der Gemeinde Naturns bei dem Neujahrsständchen die Musikkapelle Naturns hochleben ließen. […]
Auf dem Foto, der von diesem Empfang gemacht und in der Tageszeitung „Dolomiten“ veröffentlicht wurde, sind Sie mit der Bürgermeisterkette der Gemeinde Naturns und mit der grünweißroten Trikoloreschleife zu sehen.
Herr Bürgermeister, Sie selbst haben an diesem Tag der Musikkapelle Naturns im Namen der Dorfbevölkerung gedankt, nicht als Vertreter der italienischen Regierung!
Sie werden sicherlich wissen, dass auch die Musikkapelle Naturns unter dem Faschismus verfolgt wurde. So kann man auf der Internetseite der Musikkapelle nachlesen:
„Gegründet 1856. Der Beginn des 20 Jahrhunderts scheint für die Kapelle eine Blütezeit gewesen zu sein, in der sie eine rege Tätigkeit entfaltete und unter der Leitung von Alois Klotz musikalische Erfolge erntete. 1909 wurde sie anlässlich der 100-Jahr-Feier der Tiroler Freiheitskämpfe nach Innsbruck eingeladen und hatte dabei die Ehre Kaiser Franz Josef ein Ständchen vorzuspielen.
Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde dem intensiven und erfolgreichen Musikleben ein jähes Ende gesetzt. Viele Musikanten kehrten nicht mehr von der Front zurück.
1919 wurde das erste große Konzert der Naturnser Nationalkapelle abgehalten. Den Dirigentenstab führte damals Johann Müller. Aber eine nicht zu lange Dauer sollte der verheißungsvollen Vereinstätigkeit beschieden sein. Es gelang der Vereinsführung nur schwer, die Kapelle zusammenzuhalten, bis sie 1935 aufgrund des großen politischen Drucks und der Schikanen aufgelöst wurde.“
Das Königreich Italien wurde erst fünf Jahre später am 17. März 1861 gegründet. Die Trikolore hatte also sicher keinen Einfluss auf die Gründung der Musikkapelle Naturns, wohl aber auf dessen Schikanierung unter dem grünweißroten Faschismus.
Wie Sie vielleicht nicht wissen, wird der Gebrauch der Bürgermeisterkette und der Trikoloreschleife im REGIONALGESETZ vom 23. Oktober 1998, NR. 10, Art. 16, Absatz 2, klar geregelt.
„Abzeichen des Bürgermeisters als Vertreter der Regierung ist die Trikoloreschleife mit dem Wappen der Republik und mit dem Wappen der Gemeinde, die über der rechten Schulter zu tragen ist.
Abzeichen des Bürgermeisters als Oberhaupt der Gemeindeverwaltung ist das in Artikel 7 des Dekretes des Präsidenten des Regionalausschusses vom 12. Juli 1984, Nr. 12/L vorgesehene Medaillon.”Darf ich Sie, Herr Bürgermeister, im Namen des Südtiroler Heimatbundes ersuchen, bei Empfängen von Südtiroler Vereinen, und anderen Vereinigungen und Organisationen im Rathaus von Naturns in Zukunft auf die Trikoloreschleife („Fascia Tricolore“= Vertreter des Staates) zu verzichten und nur die Südtiroler Bürgermeisterkette mit dem Gemeindewappen zu tragen?
Denn Sie begrüßen hohe Gäste als Bürgermeister der Südtiroler Gemeinde Naturns und nicht als Vertreter des Staates!
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!
Wie der Heimatbund mitteilt, habe man auf den Brief vom Samstag, den 3. Jänner bisher von Bürgermeister Christanell keine Antwort erhalten. „Doch es gilt das alte Sprichwort ‚Wer schweigt, scheint zuzustimmen‘“, erklärt Lang abschließend.




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