Zeichen für Vielfalt gesetzt

“Occupy Herz-Jesu-Feuer” will einseitige Symbolik aufbrechen

Montag, 15. Juni 2026 | 11:29 Uhr

Von: mk

Bozen – In der vergangenen Nacht erstrahlten auf den Berggipfeln Südtirols wieder die traditionellen Herz-Jesu-Feuer. Der Brauch geht auf das Jahr 1796 zurück, als Volksheld Andreas Hofer angesichts eines drohenden – und später erfolgreich abgewehrten – Angriffs der französischen Truppen ein feierliches Gelöbnis ablegte. Die Bergfeuer werden alljährlich als Zeichen des Glaubens und des Heimatschutzes entzündet – in erster Linie von patriotischen Kräften wie etwa den Schützen. Heuer gab es jedoch auch Ausnahmen.

Auf einer Alm im Pustertal wurde von Koalition aus zahlreichen linken Organisationen und zivilgesellschaftlichen Verbänden ein Herz-Jesu-Feuer mit dem Schriftzug „Buntes Sudtirolo“ entzündet. Die Aktion lief unter dem Titel „Occupy Herz-Jesu-Feuer“ und verfolgte das erklärte Ziel, der klassischen Tradition des Feuerentzündens auf den Bergen eine neue, zeitgemäße Interpretation zu geben.

Zu den Initiatoren zählen Alpelibera, Alto Adige Pride Südtirol, Antifa Überetsch, Antifa Brixen (161/brs), Antifa feminist bookclub Bolzano, Antifa Sarntoul, Bozen Solidale, HdS- Haus der Solidarität, Ost West Club Est Ovest, teatro ZAPPA Theater Meran. Spazio 77 und die Antifa Meran.

Occupy Herz-Jesu-Feuer

„Wir sind ein breites Bündnis weltoffener Südtirolerinnen und Südtiroler sowie zivilgesellschaftlichen Gruppen und Organisationen aus allen Landesteilen und aller Sprachgruppen. Wir setzen mit dieser Aktion ein Zeichen für ein aufgeschlossenes, warmherziges Südtirol“, erklären die Organisatoren in einer Aussendung.

Gleichzeitig wird der Sinn hinter der Aktion erklärt: „Wir leben in Zeiten eines politischen Rechtsrucks, der, durch wachsende ökonomische Ungerechtigkeit genährt, mit einer zunehmenden Normalisierung autoritärer und ausgrenzender Positionen einhergeht.“ Südtirol habe zuletzt – etwa bei der Demonstration am 28. Februar in Bozen – gezeigt, dass ein großer Teil der Bevölkerung diesen Entwicklungen kritisch gegenüberstehe und ihnen aktiv entgegentrete. „Genau in diesem Geist spricht unsere Aktion, sie spricht für ein Südtirol, das von Solidarität, Vielfalt und gegenseitigem Respekt geprägt ist und seine Zukunft nicht in Abgrenzung, sondern im Miteinander sucht. Sie soll jenem großen Anteil an Südtirolerinnen und Südtiroler Ausdruck verleihen, welche ein offenes Südtirol ersinnen und dieses bereits täglich aktiv leben“, erklären die Initiatoren.

Die Tradition der Herz-Jesu-Feuer habe in Tirol, Südtirol und Trentino eine lange Geschichte. „Neben der religiösen Bedeutung standen die Feuer immer wieder für patriotischen Widerstand und politische Botschaften. In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Herz-Jesu-Feuer zunehmend auch von rechten und deutschnationalen Akteuren genutzt, um politische Forderungen und identitätspolitische Botschaften sichtbar zu machen“, so die Verbände.

Mit der Aktion „Occupy Herz-Jesu-Feuer“ breche man diese einseitige Symbolik auf und gebe dem Herz-Jesu eine zeitgemäße Bedeutung. „Wir sind überzeugt, dass rückwärtsgewandte Opfererzählungen, Ängste vor Identitätsverlust und die fortwährende Spaltung der Sprachgruppen keine konstruktive Grundlage für die Zukunft Südtirols darstellen. Unser ‚heiliges‘ Land verdankt seinen Reichtum vielmehr seiner Vielfalt. Als Grenz-, Transit- und Tourismusregion war Südtirol stets multikulturell geprägt“, so die Organisatoren.

Mit Vielfalt meine man die Versöhnung und das selbstverständliche Miteinander der Sprachgruppen ebenso wie Offenheit gegenüber Menschen, die nach Südtirol zugezogen sind. „Vielfalt bedeutet für uns außerdem die Anerkennung unterschiedlicher Lebensweisen, Lebensentwürfe und Identitäten. Schließlich stellt Jesus wie kein anderer im christlichen Glauben für das Gebot der Nächstenliebe“, erklären die Initiatoren.

Nur eine Tradition, die in der Lage ist, gesellschaftliche Veränderungen aufzugreifen und aktuelle soziale Herausforderungen einzubeziehen, könne dauerhaft lebendig bleiben und Identifikation schaffen. „Mit unserer Aktion schaffen wir ein Angebot, unser traditionelles Herz-Jesu-Feuer als Zeichen einer offenen, pluralen und zukunftsorientierten Gesellschaft neu zu interpretieren“, so die Vereinigungen abschließend.

Bezirk: Bozen, Pustertal

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