Pakistans Premier Sharif (r.) und Generalstabschef Asim Munir

Pakistan lobt Kriegsparteien vor Verhandlungen

Donnerstag, 09. April 2026 | 21:34 Uhr

Von: APA/AFP/Reuters/dpa

Vor den geplanten Verhandlungen zwischen Iran und USA über einen dauerhaften Frieden im Iran hat sich der Vermittlerstaat Pakistan am Donnerstag weitgehend zufrieden über die jüngste Entwicklung geäußert. Seit der Feuerpause hätten “alle Seiten Zurückhaltung” an den Tag gelegt. Verurteilt wurde aber die “anhaltende Aggression” Israels gegen den Libanon. US-Präsident Donald Trump zeigte sich optimistisch über ein Abkommen. Offen blieb, wann genau die Verhandlungen beginnen.

Seit Inkrafttreten der Feuerpause in der Nacht zum Mittwoch hätten “alle Seiten Zurückhaltung” an den Tag gelegt, erklärten der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif und Generalstabschef Asim Munir am Donnerstag. Beide seien “zufrieden” mit der “bisher erreichten Deeskalation”.

In einem Gespräch mit dem libanesischen Regierungschef Nawaf Salam verurteilte Sharif allerdings laut seinem Büro die “anhaltende Aggression” Israels gegen den Libanon.

Pakistan hatte bei der Bekanntgabe der Feuerpause zwischen dem Iran und der USA erklärt, diese gelte auch für den Libanon. Israel – das im Libanon militärisch gegen die vom Iran finanzierte Hisbollah-Miliz vorgeht – bestreitet dies und greift weiterhin massiv Ziele im Libanon an.

Der stellvertretende iranische Außenminister Sajed Chatibsadeh äußerte scharfe Kritik an den israelischen Attacken. Sein Land habe “kurz davor gestanden, zu reagieren”, sagte Chatibsadeh dem Fernsehsender ITV laut der Nachrichtenagentur Tasnim. Nur die Intervention Pakistans habe dies verhindert.

Nach Darstellung Israels und der USA erstreckt sich die mit Teheran ausgehandelte und in der Nacht zu Mittwoch (MESZ) verkündete zweiwöchige Feuerpause nicht auf den Libanon.

Unklarheit über Zeitpunkt der Verhandlungen

Unklar blieb unterdessen, wann genau die angekündigten Gespräche zwischen Unterhändlern des Iran und der USA in Islamabad beginnen sollten. Das Weiße Haus hatte zwischenzeitlich erklärt, Vizepräsident JD Vance werde die Gespräche “an diesem Wochenende” leiten.

Am Donnerstag hatte der iranische Botschafter in Pakistan, Reza Amiri Moghadam, im Onlinedienst X zunächst die Ankunft einer iranischen Delegation bereits für Donnerstagabend angekündigt. Später löschte er die Nachricht und erklärte, diese sei überhastet abgesendet worden.

Trump: Iraner in Gesprächen “viel vernünftiger” als gegenüber der Presse

US-Präsident Trump äußerte sich vor geplanten Gesprächen mit dem Iran “sehr optimistisch” über ein Abkommen. Die iranischen Anführer seien in Gesprächen “viel vernünftiger” als sie gegenüber der Presse aufträten, sagte Trump am Donnerstag dem US-Sender NBC. “Sie stimmen all den Dingen zu, denen sie zustimmen müssen”, sagte der US-Präsident. “Denken Sie daran, sie sind erobert worden. Sie haben kein Militär.”

Der Präsident erneuerte zugleich seine Drohung gegen den Iran: “Wenn sie kein Abkommen schließen, wird es sehr schmerzhaft werden”, sagte er NBC. Nach Angaben des Senders bereitete sich die US-Delegation unter Leitung von Vizepräsident JD Vance darauf vor, für die Gespräche in die pakistanische Hauptstadt Islamabad zu reisen.

Trump bestätigt Gespräch mit Netanyahu über Libanon

Trump äußerte sich nicht dazu, ob die Verhandlungen wie vereinbart am Freitag beginnen. Wegen der Streitigkeiten über die fortgesetzten israelischen Angriffe auf die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon und die Öffnung der Straße von Hormuz schien dies zuletzt nicht klar. Irans Präsident Massud Peszshkian bezeichnete Verhandlungen mit den USA angesichts des israelischen Vorgehens als “sinnlos”.

Trump bestätigte derweil, dass er mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu über die Angriffe im Libanon gesprochen habe. Die Israelis würden ihre Operationen “zurückfahren”, sagte der Präsident zu NBC. “Ich habe mit Bibi gesprochen, und er wird das Ganze etwas ruhiger angehen. Ich glaube einfach, wir müssen insgesamt ein bisschen zurückhaltender sein.”

Israel plant zudem direkte Verhandlungen über friedliche Beziehungen mit dem verfeindeten Libanon aufzunehmen. Das teilte Netanyahus Büro am Donnerstag mit. Die Verhandlungen könnten schon kommende Woche starten.

Straße von Hormuz bleibt Streitpunkt

Der Iran will einem Medienbericht zufolge die Straße von Hormuz zunächst nicht vollständig öffnen. Als Teil der mit den USA ausgehandelten Feuerpause dürften höchstens 15 Schiffe pro Tag die Meerenge passieren, meldete die russische Nachrichtenagentur TASS unter Berufung auf einen hochrangigen iranischen Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt wurde. Die Straße von Hormuz ist von großer Bedeutung für die weltweite Versorgung mit Öl, Erdgas, Helium und Dünger. Vor Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar durchquerten im Schnitt 140 Schiffe täglich die Meerenge.

Mehrere Länder forderten am Donnerstag freien Zugang zur Straße von Hormuz. “Die grundlegenden Freiheiten der Meere dürfen nicht einseitig entzogen oder an einzelne Bieter verkauft werden”, sagte die britische Außenministerin Yvette Cooper. Damit stellte sie sich den Bestrebungen des Iran entgegen, die Meerenge zu kontrollieren und künftig Gebühren für die Durchfahrt zu erheben. Vor dem Krieg der USA und Israels gegen den Iran galt die Meerenge formell als internationales Gewässer. Etwa ein Fünftel des weltweiten Öls und Gases wird durch die Wasserstraße transportiert.

Atomchef: Iran besteht weiter auf Urananreicherung

Der Iran besteht nach Angaben seines Atomchefs in möglichen Friedensgesprächen mit den USA weiter auf das Recht der Urananreicherung. Am Rande einer Gedenkfeier für den getöteten obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei wies Atomchef Mohammed Eslami die Forderung zurück, wie die iranische Nachrichtenagentur ISNA berichtete. “Das sind ihre Wünsche, und diese Wünsche werden zu Grabe getragen”, sagte er mit Blick auf die USA.

Bereits vor dem Krieg hatten Vertreter aus Washington und Teheran über Irans umstrittenes Atomprogramm verhandelt. US-Präsident Donald Trump will verhindern, dass der Iran eine Atombombe bauen kann. Teheran weist zurück, solche Pläne zu verfolgen. Über die Jahre hat die Islamische Republik ein nationales Nuklearprogramm aufgebaut und reichert auch Uran selbst an.

US-Präsident Donald Trump möchte zudem die amerikanischen Truppen bis zum Abschluss eines Friedensabkommens mit dem Iran im Nahen Osten belassen und hat im Falle eines Scheiterns mit einer massiven militärischen Eskalation gedroht. Schiffe, Flugzeuge und Personal würden mit zusätzlicher Munition und Waffen vor Ort bleiben, um notfalls “einen erheblich geschwächten Feind” zu zerstören, erklärte Trump in einem Beitrag in den sozialen Medien. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass ein dauerhaftes Abkommen erzielt und eingehalten werde.

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