„Wenig europäische Autonomie“

Paradox: Pascal Vullo darf kandidieren, aber nicht wählen

Mittwoch, 17. Oktober 2018 | 13:19 Uhr

Bozen – Es scheint paradox, Pascal Vullo kandidiert für die Landtagswahlen für die Grünen, aber er darf sich selbst nicht wählen. „Es sind nicht wenige, davon viele Hochqualifizierte, die Südtirol dringend benötigt, denen ein Grundrecht versagt wird: das Wahlrecht“, erklärt Vullo.

Toni Ebner erlaubt den Parteienvertretern, auf dem Podium der großen Diskussionsrunde der „Dolomiten“ am Montag in Bozen, selbst an der Abstimmung teilzunehmen, mit den Worten: „Konrad Adenauer wäre ja auch nicht Kanzler geworden, hätte er sich nicht selbst gewählt“. Eine nette Anekdote, die Vullo aber zu denken gibt.

Er kam nach Bozen, um seine Abschlussarbeit im Fach Umweltschutztechnik am Institut für Erneuerbare Energien von Eurac Research zu schreiben. Anfangs hatte er nur Projektverträge, es war nicht absehbar, dass er langfristig in Südtirol bleiben würde. Es kommt selten vor, dass Ingenieure aus Deutschland nach Bozen kommen. Meist geht die Migrationsbewegung in die andere Richtung, von Italien und Südtirol Richtung Deutschland und Österreich.

Es gibt viele Italiener aus ganz Italien, die die vakanten Stellen in Südtiroler Forschungsinstituten auffüllen, die kein Wahlrecht haben. Viele haben aus steuerlichen Gründen keinen Wohnsitz beantragt, weil sie Häuser oder Wohnungen in anderen Regionen besitzen oder weil ihnen nicht bewusst ist, wie sehr Leistungen der Provinz an den Wohnsitz gebunden sind. Am Ende sind es oft die verbreitet prekären Beschäftigungsverhältnisse und die Wartezeiten für gewisse Rechte, vier Jahre für das Wahlrecht, fünf Jahre für einen Wohnbauförderung, die viele demotiviert ,an eine langfristige Zukunft in Südtirol zu denken und den Wohnsitz nach Südtirol zu verlagern.

Pascal Vullo, der seit fünf Jahren in Südtirol lebt, der lange für eine wichtige Südtiroler Forschungseinrichtung gearbeitet hat und nun für den Ausbau des Sektors “Green” für die IDM Südtirol tätig ist, der für die Landtagswahl kandidieren kann, kann nicht wählen, weil ihm sechs Monate fehlen, um die benötigten vier Jahre Ansässigkeit in Südtirol zu erreichen. Würde er im Trentino leben, würde ein Jahr reichen und er könnte jetzt bereits wählen.

„Dieses konkrete Beispiel zeigt, wie viel unserer Autonomie noch fehlt, um modern und europäisch zu sein, um dem neuen Lebensstil der europäischen Jugend gerecht zu werden, gerade den Hochqualifizierten, die sehr mobil sind. Die Grünen schlagen seit Jahren vor, diese nicht mehr zeitgemäße Hürde von vier Jahren Ansässigkeit abzuschaffen oder sie zumindest auf ein Jahr zu verringern, wie im Trentino“, betont der Grüne Landtagskandidat. Dieser Vorschlag ist Bestandteil des Berichts der Grünen an den Autonomiekonvent und dem Landtag aktenkundig. Er muss in der nächsten Legislatur neu aufgegriffen werden. In erster Reihe für das Wahlrecht einstehen wird auch, und ganz besonders, Pascal Vullo.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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