Von: apa
Am Dienstag ist am Landesgericht Wiener Neustadt der Prozess gegen Beran A. wegen eines mutmaßlich verhinderten Terroranschlags auf ein Taylor Swift-Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion mit mehreren Zeugeneinvernahmen fortgesetzt worden. Ein Bekannter des Erstangeklagten schilderte, dass dieser in den Wochen vor den geplanten Konzerten stark radikalisiert gewesen sei und den Zeugen mehrfach ersuchte, ihm Waffen zu besorgen. Moscheemitglieder wurden bereits vor ihm gewarnt.
Im Frühsommer 2024 sei Beran A. bereits radikal gewesen. Im Juli, zwei Monate vor den geplanten Konzerten, habe er offen mit dem Islamischen Staat (IS) sympathisiert. Bereits im Februar habe er sich bei dem Zeugen nach einer “scharfen” Waffe erkundigt. “Er hat gemeint zur Selbstverteidigung, aber das hab ich ihm eh nicht geglaubt.” Als Beran A. ihn später bat, ihn mit dem Auto nach Wien zu bringen, hätte er “ein ungutes Gefühl” gehabt. Er entgegnete ihm damals: “Solange das kein Amoklauf ist, ist alles ok.”
“Willst du eine Bombe basteln?”
Am Tag bevor er verhaftet wurde, habe sich Beran A. bei ihm nach bestimmten Batterien erkundigt. Daraufhin habe er ihn gefragt: “Willst du eine Bombe basteln, oder wofür brauchst du Batterien?”, woraufhin der Angeklagte nach einem Zögern mit seinem Fernseher argumentierte. “An dem Tag habe ich überlegt, zur Polizei zu gehen. Am nächsten stand schon der Verfassungsschutz vor meiner Tür und hat mich abgeholt.”
Auch nach einer Schreckschusspistole hatte Beran A. den Zeugen zuvor gefragt, weil er gewusst hätte, dass er ihm eine besorgen könne. Man habe auch ein paar Mal “einfach so ein bisserl rumgeballert, weil uns einfach fad war.” (…) “Wir haben damals viele Dummheiten gemacht.” Dass der Zeuge Christ ist, sei für Beran A. kein Problem gewesen. “Er hat zwar ein paar Mal versucht, mich zu bekehren, aber das hat nicht funktioniert.”
Einen weiteren heute geladenen Zeugen hatte Beran A. gefragt, wo er eine Zündschnur erwerben könne. “Auf Amazon”, habe dieser ihm entgegnet. Ansonsten gestaltete sich die Befragung des Teenagers nicht sonderlich aufschlussreich, konnte er sich doch bei keiner Frage an die zwei Jahre zurückliegenden Vorgänge erinnern. Als eine der Geschworenen den in Handschellen in den Schwurgerichtssaal gebrachten Mann fragte, ob er sich vor einem der Angeklagten fürchte, verneinte er.
Zeuge warnte in Chatgruppe vor Beran A.
Geladen war am Dienstag auch ein Mann aus einer niederösterreichischen Moschee, die Beran A. frequentierte. Aus seiner eigenen Haltung machte der Zeuge keinen Hehl: “Ich gebe Frauen nicht die Hand. Aus Hochachtung vor den Frauen. Ich höre keine Musik, das ist verboten.” Er sei für ein Kalifat und nannte die Scharia vor dem Kadi “das beste Gesetz der Welt”. Zuvor wurde er bereits von einem anderen Zeugen als “Salafist, aber IS-Gegner” bezeichnet.” Beran A. habe zu ihm aufgesehen und ihm immer wieder Fragen über den Islam gestellt.
Nach Beran A.s Rückkehr von der Umra (“kleine” Hadsch) aus Saudi-Arabien im November 2023 sei dieser “immer radikaler” geworden. Er hätte Fragen gestellt, wie ob der Wien-Attentäter von November 2020 ein Märtyrer sei. Anfang 2024 habe er schließlich einen Imam aus Wien für ein gemeinsames Gespräch geholt. In seiner Gegenwart hätte Beran A. den IS aber immer verflucht. Nach vielen “schlaflosen Nächten”, weil er Beran A. nicht helfen hätte können, habe er den Kontakt abgebrochen. In einer Sprachnachricht sagte er Beran A. mehrmals “du bist gefährlich mit diesem Gedankengut. Aber denk nicht, dass sich jemand fürchtet vor dir. Das einzige was wir wollen, ist Abstand.” Schließlich habe er auch vor Beran A. gewarnt und ihn aus einer Whatsapp-Gruppe entfernt.
Beran A. trug selbe Uhr wie Osama Bin Laden
Thema war heute auch die Uhr, die der Angeklagte bei seiner Verhaftung trug. Eine Casio-Digitaluhr, dasselbe Modell, das auch Osama Bin Laden trug. Dass dieses Modell für Zeitbomben stehe und vom wohl bekanntesten Islamisten der Geschichte getragen wurde, habe Beran A. aber erst nach seiner Verhaftung erfahren, beteuerte er. Am gestrigen Montag stellte er einen Antrag, die Uhr wieder zu bekommen. “Sie wissen aber schon, was für ein Bild das macht?”, fragte ihn die Vorsitzende. “Ich brauche eine Uhr einfach. Ich hatte keine Absicht, dass ich jetzt den Osama Bin Laden nachmache oder eine Zeitbombe baue”, versicherte er.
Angeklagte sollen Teil einer Terrorzelle sein
Auch von einem “türkischen Bruder”, einem alten Schulfreund, habe Beran A. gegenüber dem Zeugen mehrfach gesprochen. Heute gehe der Zeuge davon aus, dass damit Hasan E. gemeint sei. Dass er damals nicht zur Polizei gegangen sei, bereue er heute. “Wenn man jemanden persönlich kennt, ist es schwer.”
Prozessgegenstand ist neben dem mutmaßlich verhinderten Swift-Attentat ein Anschlag in Mekka. Beran A. und der mitangeklagte Arda K. sollen ihren ehemaligen Schulfreund Hasan E. zu dem Terrorakt bewogen haben. Die beiden Angeklagten stellen das in Abrede und sagten aus, der in Saudi-Arabien in Haft sitzende Hasan E. soll sie zu Anschlägen in Dubai bzw. Istanbul angestiftet haben. Beide zogen in letzter Sekunde zurück. Hasan E. stach in Mekka auf Sicherheitsbeamte ein.
Urteil kommende Woche
Da der letzte für Dienstag geladene Zeuge nicht erschien, nahm der Prozesstag schon zu Mittag ein jähes Ende. Er soll für den nächsten Prozesstag am Donnerstag polizeilich geladen werden. Ebenfalls für Donnerstag geplant ist die Zeugeneinvernahme von Luca K. und zahlreiche Verlesungen. Er galt zunächst als Komplize Beran A.s. Eine Beteiligung an den Anschlagsplänen konnte ihm nicht nachgewiesen werden, er wurde allerdings im vergangenen Juli wegen terroristischer Vereinigung und krimineller Organisation zu zwei Jahren unbedingter Haft verurteilt. Ein Urteil soll es am 28. Mai geben.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen