Von: mk
Moskau – Die Stimmung in Moskau brodelt und richtet sich immer offener gegen Präsident Wladimir Putin. Schuld daran ist allerdings nicht das anhaltende Blutvergießen in der Ukraine, für das der Kreml mit seinem Angriffskrieg auf das Nachbarland seit über vier Jahren verantwortlich ist. Vielmehr sind anhaltende Internet-Ausfälle die Ursache.
Einwohner posten verzweifelte Videos und klagen darüber, dass nichts mehr geht: kein Netflix, keine Musik, keine Lieferdienste. „Ich hoffe, ich komme nicht ins Gefängnis für dieses Video. Ich bin schockiert von dem, was passiert“, erklärt ein Betroffener.
Der öffentliche Aufschrei lässt tief blicken. Die Menschen sind nicht über den Ukraine-Krieg wütend, sondern darüber, dass der Alltag nicht mehr funktioniert. Online eine Pizza zu bestellen, wird genauso zur Herausforderung wie der Versuch, ein Meeting am Smartphone mitzuverfolgen.
Indirekt hat die Ukraine doch mit den Internet-Ausfällen zu tun. Offiziell blockiert der Kreml das mobile Internet seit 6. März aus Sicherheitsgründen. In Wahrheit geht es vermutlich eher um Zensur der sozialen Medien. Statt Telegram zu nutzen, werden die Menschen aufgefordert, den staatlichen Dienst MAX herunterzuladen.
Der Ersatz funktioniert jedoch nur bruchstückhaft – teils mit dramatischen Folgen. So verschwinden Taxis auf der Karte, Navigationsgeräte versagen und Kassen streiken. Selbst Parkplätze wurden über Apps verwaltet, die nun nicht mehr funktionieren. „Es ist, als wären wir etwa 20 Jahre in der Zeit zurückgereist“, erklärt eine 28-jährige Moskauerin laut einem Bericht von t-online.
Der digitale Blackout belastet auch Unternehmen massiv. Innerhalb von nur fünf Tagen entstehen Medienberichten zufolge Schäden von bis zu fünf Milliarden Rubel (etwa 52,5 Millionen Euro).
Baltikum gerät ins Visier
Unterdessen hält der Kreml weiter an seinen kriegerischen Zielen fest. Weil man vermutet, dass Hilfe für ukrainische Drohnen geleistet wird, kam zuletzt sogar vermehrt zu Drohungen gegen das Baltikum. Militärexperten warnen immer wieder davor, dass Putin die NATO testen könnte und die baltischen Staaten ganz oben auf der Speiseliste stehen.
Laut einem Spiegel-Bericht verbindet Moskau die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Ölanlagen an der Ostsee mit dem Verdacht, dass Estland, Lettland und Litauen daran beteiligt sein könnten – vor allem, was wiederholte Angriffe auf die Exporthäfen Ust-Luga und Primorsk anbelangt.
Die Ukraine zielt immer wieder auf die russische Öl-Infrastruktur, weil der Kreml seinen Angriffskrieg mittels Verkaufs von Rohstoffen finanziert. Offenbar wächst in politischen und militärischen Kreisen in Moskau deshalb die Sorge über die Reichweite und Präzision der ukrainischen Drohnen.
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums veröffentlichte eine klare Warnung an die baltischen Staaten, die von russischen Medien als „stilles Ultimatum“ interpretiert wurde.




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