Von: APA/dpa/Reuters
Während einer neuen Welle russischer Luftangriffe auf die Ukraine ist auch die Hauptkirche des zum Weltkulturerbe zählenden Höhlenklosters in Kiew in Brand geraten. Militärgouverneur Tymur Tkatschenko sprach von “ernsthaften Schäden” auf dem Gelände. Landesweit gab es ukrainischen Behördenangaben zufolge mindestens neun Tote und Dutzende Verletzte. Medienberichten zufolge setzten die russischen Angreifer mehr als 50 Raketen und rund 500 Drohnen ein.
Bilder der Schäden am jahrhundertealten Höhlenkloster in Kiew machten in sozialen Netzwerken schnell die Runde – wobei unklar blieb, ob die weltberühmte Pilgerstätte wegen direkter Einschläge russischer Geschosse oder durch herabfallende Trümmer nach dem Einsatz der Flugabwehr in Brand geraten war. Flammen züngelten aus dem Dach unter den vergoldeten Kuppeln der Mariä-Entschlafens-Kathedrale.
Die Klosteranlage auf den Hügeln am Fluss Dnipro steht unter dem Schutz der UN-Kulturorganisation UNESCO und gehört seit 1990 zum Weltkulturerbe. Ihre Ursprünge reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück. Herzstück ist die 1941 im Zweiten Weltkrieg zerstörte und erst Ende der 1990er Jahre wieder aufgebaute Kathedrale. Im unteren Teil des Klostergeländes mit mehreren Museen befindet sich das im Mittelalter angelegte Höhlensystem mit mumifizierten Überresten von Geistlichen. Dieser Teil wird weiterhin von der ukrainisch-orthodoxen Kirche genutzt, die sich bis zum russischen Einmarsch 2022 als Teil des Moskauer Patriarchats sah, danach jedoch von Moskau lossagte.
Explosionen in Kiew – fünf Tote in Charkiw
In der Innenstadt von Kiew waren in der Nacht zunächst knapp zwei Dutzend – mutmaßlich von der Flugabwehr ausgelöste – Explosionen zu hören, wie ein Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge gab es in drei Stadtteilen Einschläge und mindestens 23 Verletzte. Demnach kam es auch zu weitflächigen Stromausfällen und Bränden. Etwa 30 Fahrzeuge sollen in Flammen aufgegangen sein. Militärgouverneur Tkatschenko sprach von mehr als 40 Einschlägen in der Hauptstadt. Bisher gebe es vier Todesopfer, schrieb er am frühen Morgen.
Auch aus anderen ukrainischen Regionen wurde heftiger Beschuss gemeldet. Allein in Charkiw seien fünf Rettungskräfte infolge der Luftangriffe getötet und vier weitere Menschen verletzt worden, berichtete das Nachrichtenportal “The Kyiv Independent” unter Berufung auf Gouverneur Oleh Synjehubow. In Dnipro habe es mindestens einen Verletzten gegeben, hieß es. Keine dieser Angaben ließ sich zunächst unabhängig überprüfen.
Angriff mit 70 Raketen und 611 Drohnen
Russland hat nach Angaben des ukrainischen Militärs die Ukraine in der Nacht mit 70 Raketen und 611 Drohnen angegriffen. Vorläufigen Erkenntnissen zufolge seien 50 der Raketen und 582 der Drohnen abgefangen worden, teilt das ukrainische Militär auf Telegram mit. Bei den Drohnen habe es sich um verschiedene Typen gehandelt.
Es seien massive Angriffe auf Rüstungsanlagen und Militärflugplätze in der Ukraine geflogen worden, hieß es aus dem russischen Verteidigungsministerium. Die Attacken hätten Städten wie Kiew, Charkiw und Dnipro gegolten, teilt das Moskauer Ministerium mit. Alle Angriffe seien erfolgreich gewesen.
Russen melden Tote bei ukrainischen Drohnenangriffen
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen die russische Invasion und wird praktisch täglich aus der Luft attackiert. Inzwischen greifen sich beide Kriegsparteien vor allem mit Drohnen an, deren Einsatz für die jeweiligen Streitkräfte vergleichsweise einfach und günstig ist.
Nach Angaben des Gouverneurs der russischen Stadt, Dmitri Miljajew, wurden in der Nacht drei Menschen infolge ukrainischer Drohnenangriffe getötet. Drei weitere seien verletzt worden, darunter ein einjähriges Kind, teilte er auf Telegram mit. In der Region Tula befinden sich mehrere große Industrieanlagen. Die Stadt Tula liegt rund 200 Kilometer von Moskau entfernt. Die Stadtverwaltung von Moskau teilte mit, es seien mehrere anfliegende Drohnen abgeschossen worden.
Zwei Brücken zwischen dem russisch kontrollierten Teil der ukrainischen Region Cherson und der Halbinsel Krim sollen beschädigt worden sein. Der Verkehr sei ausgesetzt worden, teilte der von Russland eingesetzte Gouverneur Wladimir Saldo auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Auf der von Russland annektierten Krim ist es nach der jüngsten Zunahme von Angriffen zu Engpässen bei der Treibstoffversorgung gekommen.




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