Ein Kommentar

Salvini reibt sich die Hände

Dienstag, 29. Mai 2018 | 10:28 Uhr

Bozen/Rom – Nur ein kurzer Moment hat gereicht und das ganze Ergebnis steht auf dem Kopf – mit Folgen für Italien, die noch schwer abzuschätzen sind.

Weil die Parteichefs der Lega und der Fünf-Sterne-Bewegung stur auf dem Euroskeptiker Paolo Savona als Wirtschaftsminister beharrten, hat Staatspräsident Sergio Mattarella die Notbremse gezogen und die Regierung abgelehnt. Dies habe er getan, weil er die Ersparnisse der Bürgerinnen und Bürger schützen müsse. Mit Savona wäre ein Austritt Italiens aus dem Euro sehr wahrscheinlich gewesen, erklärte Mattarella.

Ob der Staatspräsident nun auf den Druck der EU und aus Deutschland reagiert hat oder ob es sich bei diesem Vorwurf lediglich um Anti-Establishment-Rhetorik der Fünf-Sterne-Bewegung handelt – als wahrer Sieger aus dem Desaster könnte Matteo Salvini hervorgehen. Experten schließen nicht aus, dass seine Lega zur stärksten Partei aufrückt.

Salvini hat auch nach dem 4. März den Wahlkampf weitergeführt und öffentlich mit den Gedanken an Neuwahlen gespielt. Taktische Gründe sind durchaus nicht ausgeschlossen: Eine Koalition mit der Fünf-Sterne-Bewegung würde viele Kompromisse erfordern und die Umsetzung von Reformen bräuchte Zeit, was die Lega bei ihren Wählern in Verruf bringen könnte. Nun gibt es einen greifbaren Grund, das Bündnis platzen zu lassen.

Immerhin hätte Salvini den Konflikt mit Mattarella leicht vermeiden können, indem er Savona mit einer weniger kontroversen Figur austauscht.

Die Technokraten-Regierung rund um Carlo Cottarelli wird sich nicht lange halten können und die Folgen werden die Italiener nun zu spüren bekommen – in Form eines noch aggressiveren Wahlkampfs.

Stereotype Kritik aus dem Ausland könnte der Lega dabei noch zusätzlich in die Hände spielen, indem sie sich zur Verteidigerin des gedemütigten Italiens gegen die Besserwisser vor allem aus Deutschland aufspielt. Es steht also ein heißer Sommer vor der Tür.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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10 Kommentare auf "Salvini reibt sich die Hände"


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kleinerMann
kleinerMann
Tratscher
19 Tage 4 h

Guter Kommentar und ich denke Sie liegen damit vollkommen richtig . . .Salvini hat dies alles mit Kalkül gemacht und ja, das wird ein heisser Sommer und da Italien nicht bei der WM ist, haben die Italiener genug Zeit sich der Politik zu widmen 🙂 Bin schon gespannt . .

aristoteles
aristoteles
Grünschnabel
19 Tage 2 h

jaja, dem salvini die schuld geben ist die einfachste lösung nach diesem ei. man hätte nur die neue regierung zulassen müssen

enkedu
enkedu
Kinig
18 Tage 15 h

schlechter kommentar. erstens überholt. zweitens ist im Augenblick Mattarella der Verlierer. Er hat diesen Stillstand verursacht. zudem ist die nicht die Strategie, Wähler aus diesen beiden Ecken lega und m5s zu holen. im gegenteil.

mattarella liegt falsch.

MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
19 Tage 17 h

Jetzt wird es noch enger für Matarella,das hat er verbockt:BRAVO. Cotarelli hat keine Chance das Vertrauen ausgesprochen zu bekommen,also Neuwahlen.Ein zweites mal kann er sich nicht mehr leisten nur auf Brüssel zu hören .

wellen
wellen
Superredner
19 Tage 1 h
Salvini hat dieses Desaster bewusst heraufbeschwören, und hat den DiMaio fregiert. Die 5Sterne wären besser mit dem PD zusammengegangen, die ideologischen Unterschiede nicht so stark und ein vernünftiges Regierungsprogramm möglich gewesen. Jetzt muss DiMaio Einkehr halten und sich seine Unerfahrenheit vorwerfen lassen. Draufzahlen tun die Bürger die unter dem Würgegriff der Staatsverschuldung stöhnen. Wer trägt die Schulden?Richtig, die EU. Zur Erinnerung:diese wurde von Berlusconi verursacht, der das Land beinahe in den Staatsbankrott getrieben hat.Die Lega spekuliert jetzt wieder auf ein Erstarken ihrer Bewegung mit Neuwahlen, und mit wem im Schlepptau? Richtig, Berlusconi. Wer die wählt, muss völlig daneben sein
aristoteles
aristoteles
Grünschnabel
18 Tage 23 h

wellen, ausrede der linken

Septimus
Septimus
Superredner
18 Tage 23 h

Wie antidemokratisch die EU-Führung ist sieht man am Putsch in Italien gegen die gewählte Regierung. Die Italiener haben gewählt aber Brüssel erkennt die Entscheidung nicht an. Jetzt werden die Italiener gezwungen nochmals zu wählen … mit sicherheit so lange bis das rauskommt was Brüssel akzeptiert. So wie in Irland.Was gerade in Italien passiert, ist eine absolute Farce und zeigt, dass die EU die gesamte Demokratie zerstöhren wird,um das wackelnde und zersplitterte EU-Imperium und den (T)-Euro zu schützen.Die sogenannten “europäischen Werte”, welche die EU (ver)  zertritt, sind leider ein Witz und völlig wertlos!
 

widder52
widder52
Grünschnabel
18 Tage 20 h

in einer gewissen hinsicht hat salvini recht. in italia muß wos possiern und ändern. der isch a a euro gegner und ohne euro sa mir null und hobm null

Hans_H
Hans_H
Tratscher
18 Tage 20 h

Und wenn man bedenkt, dass Paolo Savona schon 1993 von Carlo Azeglio Ciampi zum Industrieminister ernannt wurde, um die Staatsschulden gegenüber den Maastricht-Kriterien zu verringern, scheint das hier eher politisch (Matarella=PD, Savona=Lega) motiviert zu sein. Denn damals scheint er sich ja schon einmal bewährt zu haben, warum man jetzt sooooo dagegen mobil macht…? Was mag da wohl dahinterstecken?

widder52
widder52
Grünschnabel
18 Tage 20 h

ba salurn o……. n den stiefl

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