Kommentar zum Ölpreisschock

Schlecht gemeint und gut getroffen

Dienstag, 21. April 2026 | 01:06 Uhr

Von: mk

Bozen – US-Präsident Trump hat kurz nach seinem Amtsantritt Treibhausgase für unproblematisch erklärt und damit die zentrale Grundlage für Klimagesetze in seinem Land gekippt. Ausgerechnet er könnte nun die globale Energiewende beschleunigen: Auslöser ist Ölpreisschock durch den US-israelischen Krieg gegen den Iran.

Ohne es zu wollen, macht Trump die Märkte für fossile Brennstoffe „strukturell unberechenbar“, wie Patrice Geoffron, Direktor des Zentrums für Geopolitik, Energie und Rohstoffwirtschaft an der Pariser Universität Dauphine, schrieb. Im Gegensatz zum volatilen Ölpreis scheinen dagegen die Kosten von erneuerbaren Energien kalkulierbar, wobei man gleichzeitig die Versorgungsabhängigkeit reduziert.

Das gilt für Staaten und Unternehmen genauso wie für Private. Onlineplattformen für Autoverkäufe vermelden in Europa laut einem „Guardian“-Bericht ein zunehmendes Interesse an E-Autos.

Die EU will unterdessen Pläne vorstellen, wie der Ausbau erneuerbarer Energie beschleunigt werden kann. Strom könnte in Zukunft demnach geringer besteuert werden als fossile Brennstoffe.

Asiatische Länder sind von den hohen Ölpreisen zum Teil noch stärker betroffen, einige davon haben bereits Treibstoff rationiert. Laut CNBC kündigte der südkoreanische Umweltminister Kim Sung Hwan etwa an, die Produktion von Solar- und Windenergie bis 2030 fast verdreifachen zu wollen. „So wie die Ukraine Europa dazu gezwungen hat, seine Abhängigkeit von Gas zu verringern, wird Hormus Asien dazu drängen, seine Abhängigkeit von Öl zu verringern“, erklärte Sam Butler-Sloss, Forscher des britischen Energie-Thinktanks Ember, laut CBS.

Gleichzeitig verweist der Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, auf die Kernenergie, die durch die aktuellen Entwicklungen voraussichtlich neuen „Schwung“ erhalte. Ähnlich äußerte sich auch der Bozner Unternehmer Stefano Podini, der eine Lanze für moderne Kernkraft bricht.

In Richtung Trump könnte man sagen: Schlecht gemeint und gut getroffen. Denn laut einem Bloomberg-Bericht vom Februar ist selbst in den USA der Anteil an erneuerbarer Energie angestiegen und macht nun ein Viertel der Stromproduktion im Land aus – trotz der Hürden, die die Trump-Administration Solar- und Windparks in den Weg legt.

Bezirk: Bozen

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