Von: APA/dpa/AFP/Reuters
Bei neuen russischen Angriffen sind in der Ukraine laut Präsident Wolodymyr Selenskyj ein 49-jähriger Mann getötet und acht weitere Personen verletzt worden. “Das Hauptziel des Angriffs war die Energieversorgung, auch normale Wohngebäude wurden beschädigt, und es gab Schäden an der Eisenbahn”, sagte Selenskyj. Bei zwei Explosionen in der westukrainischen Großstadt Lwiw (Lemberg) wurde eine 23-jährige Polizistin getötet und 25 Menschen verletzt.
“Das war ein Terroranschlag”, sagte der Lwiwer Bürgermeister Andrij Sadowyj. Innenminister Ihor Klymenko informierte über die Festnahme einer Verdächtigen im Gebiet Lwiw, ohne Details zu nennen. Lwiws Bürgermeister Sadowyj teilte mit, es handle sich bei der festgenommenen Frau um eine ukrainische Staatsbürgerin. Präsident Selenskyj sprach den Angehörigen der getöteten Polizistin sein Beileid aus – und erklärte, dass für die Ermittlungen zur Aufklärung des Terroranschlags alles Nötige unternommen werde.
Einsatz wegen angeblichen Einbruchs – dann Explosionen
Die Explosionen hatten sich kurz nach Mitternacht ereignet. Nach einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft eilten die Sicherheitskräfte zunächst wegen eines angeblichen Einbruchs zu einem Geschäft nahe der Altstadt von Lwiw. Als sie dort ankamen, sei die erste Explosion ausgelöst worden – und eine zweite dann, als kurz darauf Verstärkung eintraf. Nicht alle Opfer hätten den Anschlag überlebt, teilte die ukrainische Nationalpolizei mit. Laut Bürgermeister Sadowyj wurden auch zwei Autos beschädigt, darunter ein Streifenwagen.
Die Region Lwiw liegt im Westen der Ukraine an der polnischen Grenze. Die gleichnamige Gebietshauptstadt ist nur etwa 50 Kilometer Luftlinie vom EU-Gebiet entfernt. Dort leben auch viele Binnenflüchtlinge, die sich im russischen Angriffskrieg vor den Kämpfen im Osten der Ukraine in Sicherheit gebracht haben. Auch Lwiw ist immer wieder Ziel von russischen Raketen- und Drohnenangriffen.
Selenskyj fordert Stärkung der Luftverteidigung
Russland habe mit fast 300 Drohnen und 50 Raketen und Marschflugkörpern angegriffen, teilte Selenskyj weiter mit. Neben Kiew seien auch die Gebiete Dnipropetrowsk, Kirowohrad, Mykolajiw, Odessa, Poltawa und Sumy betroffen. “Moskau investiert weiterhin mehr in Angriffe als in Diplomatie”, sagte Selenskyj mit Blick auf die Verhandlungen der Kriegsparteien, bei denen bisher kein Frieden in Sicht ist.
Allein in dieser Woche habe Russland über 1.300 Kampfdrohnen, mehr als 1.400 Gleitbomben und 96 Raketen und Marschflugkörper eingesetzt. “Deshalb müssen wir unsere Luftverteidigung stärken”, sagte der Präsident weiter. Die Ukraine brauche Abwehrsysteme, die auf ballistische Raketen reagieren. “Jedes solche Paket schützt kritische Infrastruktur und erhält die Normalität des Lebens”, sagte er.
Russische Attacke auf Oreo-Fabrik
Unterdessen attackierte Russland laut ukrainischen Angaben eine Oreo-Keksfabrik in der Ostukraine mit einer Rakete. Es habe keine Toten gegeben, jedoch sei ein Produktionsgebäude beschädigt worden, schrieb Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X.
“Wenn russische Raketen solche Orte treffen, zielen sie nicht nur auf die Ukraine. Sie richten sich gegen amerikanische Geschäftsinteressen in Europa.” Die Anlage in Trostjanez gehört dem US-Konzern Mondelez und war bereits 2022 schwer beschädigt worden. Eine Stellungnahme von Mondelez und dem Kreml liegt zunächst nicht vor.
Gouverneure: Angriffe auf russisch kontrollierte Regionen
Ein ukrainischer Angriff auf die Energieinfrastruktur im russisch besetzten Teil der Region Saporischschja führte indes nach russischen Angaben zu einem Stromausfall. Es sei der zweite Stromausfall am Sonntagmorgen, teilte der von Russland eingesetzte Gouverneur Jewgeni Balizki mit. Zwischenzeitlich sei die Versorgung für etwa die Hälfte der Region wiederhergestellt worden.
Im ebenfalls russisch kontrollierten Luhansk geriet nach Angaben des dortigen Vertreters Russlands, Leonid Pasetschnik, ein Treibstofflager nach einem ukrainischen Drohnenangriff in Brand. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, die Luftabwehr habe in der Nacht 86 ukrainische Drohnen über russischen Regionen und der Halbinsel Krim zerstört.
Die Ukraine wehrt sich inzwischen seit fast vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg. An diesem Dienstag, dem Jahrestag des Kriegsbeginns am 24. Februar, geht die russische Invasion in ihr fünftes Jahr.




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