Bürgermeister Andrij Sadowyj spricht von "Terroranschlag"

Selenskyj verurteilt “grausamen Terroranschlag” in Lwiw

Sonntag, 22. Februar 2026 | 21:05 Uhr

Von: APA/dpa/

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nächtliche Bombenexplosionen in der westukrainischen Stadt Lwiw als “zynischen und grausamen Terroranschlag” verurteilt. Bei dem Anschlag waren eine Polizistin getötet und 25 weitere Menschen teils schwer verletzt worden. Als mutmaßliche Täterin wurde eine 33-jährige Ukrainerin festgenommen, die nach Polizeiangaben von russischen Geheimdiensten zu der Tat angestiftet worden war.

“Wir verfügen über Geheimdienstinformationen, dass die Russen weiterhin solche Dinge, also faktisch Angriffe auf Ukrainer, durchführen wollen”, führte Selenskyj am Sonntagabend aus. Zuvor hatte bereits Bürgermeister Andrij Sadowyj in einem Video in seinem Telegram-Kanal von einem Terroranschlag gesprochen. Innenminister Ihor Klymenko informierte über die Festnahme einer Verdächtigen, später nannte die Polizei weitere Details. Die Festgenommene habe in der Nacht mehrere selbst gebastelte Sprengsätze in Mülltonnen in der Stadt platziert.

Einsatz wegen angeblichen Einbruchs – dann Explosionen

Die Explosionen hatten sich kurz nach Mitternacht ereignet. Nach einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft eilten die Sicherheitskräfte zunächst wegen eines angeblichen Einbruchs zu einem Geschäft nahe der Altstadt von Lwiw. Als sie dort ankamen, sei die erste Explosion ausgelöst worden – und eine zweite dann, als kurz darauf Verstärkung eintraf. Eine 23 Jahre alte Polizistin war auf der Stelle tot, sechs weitere Beamte wurden lebensgefährlich verletzt. Laut Bürgermeister Sadowyj wurden auch zwei Autos beschädigt, darunter ein Streifenwagen.

Selenskyj: Russische Organisation verantwortlich

“Die Umstände dieses Terroranschlags werden derzeit umfassend untersucht, viele Fakten liegen bereits vor”, teilte Selenskyj auf Facebook mit. Die Täterin sei über Telegram rekrutiert worden. “Der Terroranschlag wurde von einer russischen Organisation verübt”, sagte er, ohne weitere Details zu nennen. Die Behörden seien angewiesen worden, Maßnahmen und Reaktionen zu erarbeiten, um ähnliche Verbrechen zu verhindern. Aus Moskau gab es zu dem Vorfall zunächst keine Äußerungen.

Die Region Lwiw liegt im Westen der Ukraine an der polnischen Grenze. Die gleichnamige Gebietshauptstadt ist nur etwa 50 Kilometer Luftlinie vom EU-Gebiet entfernt. Dort leben auch viele Binnenflüchtlinge, die sich im russischen Angriffskrieg vor den Kämpfen im Osten der Ukraine in Sicherheit gebracht haben. Auch Lwiw ist immer wieder Ziel von russischen Raketen- und Drohnenangriffen.

Russland griff mit 300 Drohnen und 50 Raketen an

Bei neuen russischen Drohnen- und Raketenangriffen sind unterdessen in der Ukraine nach Angaben von Behörden mindestens ein Mensch getötet und 15 weitere verletzt worden. Unter den Verletzten seien auch vier Kinder, teilte die Verwaltung des Kiewer Gebiets mit. “Das Hauptziel des Angriffs war die Energieversorgung, auch normale Wohngebäude wurden beschädigt, und es gab Schäden an der Eisenbahn”, teilte Selenskyj bei Telegram mit. Bei dem Toten im Kiewer Gebiet handelte es sich Behörden zufolge um einen 49 Jahre alten Mann.

Russland habe mit fast 300 Drohnen und 50 Raketen und Marschflugkörpern angegriffen, teilte Selenskyj weiter mit. Neben Kiew seien auch die Gebiete Dnipropetrowsk, Kirowohrad, Mykolajiw, Odessa, Poltawa und Sumy betroffen. “Moskau investiert weiterhin mehr in Angriffe als in Diplomatie”, sagte Selenskyj mit Blick auf die Verhandlungen der Kriegsparteien, bei denen bisher kein Frieden in Sicht ist.

Selenskyj fordert Stärkung der Luftverteidigung

Allein in dieser Woche habe Russland über 1.300 Kampfdrohnen, mehr als 1.400 Gleitbomben und 96 Raketen und Marschflugkörper eingesetzt. “Deshalb müssen wir unsere Luftverteidigung stärken”, sagte der Präsident weiter. Die Ukraine brauche Abwehrsysteme, die auf ballistische Raketen reagieren. “Jedes solche Paket schützt kritische Infrastruktur und erhält die Normalität des Lebens”, sagte er.

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