Von: mk
Bozen – Am 24. April jährt sich die Ermordung von Franz Innerhofer zum 105. Mal. Der Lehrer aus Marling wurde am 24. April 1921 beim sogenannten Bozner Blutsonntag in Bozen von faschistischen Schlägertrupps tödlich getroffen. Daran erinnert die Süd-Tiroler Freiheit.
Innerhofer war als Trommler der Musikkapelle Marling zum Trachtenumzug in die Landeshauptstadt gekommen. Als faschistische Schlägertrupps den Umzug und die Zuschauer angriffen, Schüsse abgaben und eine Handgranate warfen, versuchte Innerhofer im Hauseingang des Ansitzes Stillendorf noch einen Jungen vor der Gewalt zu schützen. Dort wurde er erschossen. Er gilt als erstes Todesopfer der faschistischen Gewalt in Südtirol.
„Franz Innerhofer steht damit nicht nur für ein persönliches Schicksal, sondern für den blutigen Beginn jener faschistischen Gewalt, die Südtirol in den folgenden Jahren entrechtete, demütigte und systematisch italianisieren wollte. Sein Tod war kein Zufall und kein ‚Zwischenfall‘, sondern Ausdruck einer Ideologie, die mit Hass, Terror und nationalistischer Brutalität über unser Land hereinbrach“, erklären Vertreter vom Bezirk Bozen Stadt/Land der Süd-Tiroler Freiheit.
Für den Bezirk Bozen Stadt/Land der Süd-Tiroler Freiheit ist deshalb auch klar: „Wer heute an Franz Innerhofer erinnert, darf den Faschismus nicht zu einem musealen Randthema verharmlosen. Seine Spuren reichen bis in die Gegenwart – etwa im Siegesdenkmal in Bozen, in faschistischen Straßennamen oder in weiteren Relikten eines Unterdrückungssystems, das nie konsequent aus dem öffentlichen Raum entfernt wurde.“
Dazu erklärt Bezirkssprecher Peter Brachetti: „Franz Innerhofer wurde nicht irgendwo am Rand eines Tumults getötet. Er wurde von Faschisten erschossen, als er inmitten ihres Terrors noch versuchte, einen Jungen zu schützen. Allein dieser Tod zeigt in aller Klarheit, welchen menschenverachtenden Geist der Faschismus nach Südtirol gebracht hat.“
Die Süd-Tiroler Freiheit betrachtet auch für den heutigen Umgang mit faschistischen Relikten in Südtirol kritisch: „Es ist ein politischer und moralischer Skandal, dass Südtirol 105 Jahre nach der Ermordung Franz Innerhofers noch immer mit Symbolen, Namen und Monumenten leben muss, die aus der faschistischen Unterdrückung stammen. Wer die Opfer ehrt, darf die Hinterlassenschaften der Täter nicht weiter dulden. Innerhofer starb nicht nur als erstes Opfer des Faschismus in Südtirol – sein Tod markiert den Auftakt eines dunklen Kapitels, dessen Schatten bis heute über unserem Land liegen. Wer das kleinredet oder relativiert, betreibt Geschichtsverfälschung.“
Abschließend betont Peter Brachetti: „Franz Innerhofer zu gedenken heißt, den Faschismus beim Namen zu nennen und endlich seine letzten sichtbaren Spuren aus Südtirol zu beseitigen. Erinnerung ohne Konsequenz bleibt leer.“




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